Direktanlage in Aktien vs. Aktien-ETFs

Hat man erst mal eingesehen, dass es Tagesgeldkonto und Festgeld nicht wirklich bringen und dass die Investition in Aktien für ein vernünftiges Chancen-Risiko-Profil fast alternativlos ist, stellt sich nur noch die Frage: Soll ich direkt in Aktien investieren oder lieber in einen Aktien-ETF?

Der einzige Investor, der nicht diversifizieren sollte, ist derjenige der immer 100% richtig liegt.

Sir John Templeton

Beide Anlageformen haben ihre Reize und Vorteile, aber auch spezifische Nachteile, die du kennen solltest, bevor du eine Entscheidung triffst.

Wenn ich im Folgenden von ETFs spreche, meine ich damit immer Aktien-ETFs. Anleihe-ETFs, Strategie-ETFs oder ETCs werde ich hier nicht berücksichtigen.

Die Vorteile von Aktien gegenüber ETFs

Keine laufenden Kosten

Das Schöne bei Aktien ist, dass man keine laufenden Kosten für ihre Verwaltung bezahlen muss. Lediglich den Ausgabeaufschlag und ggf. eine Börsengebühr muss  man einmalig berappen. Damit schlagen sie ETFs bei den laufenden Kosten.

Direkte Unternehmensbeteiligung

Während man bei ETFs in dutzende oder tausende Unternehmen investiert und sich die Mischung dieser Unternehmen tagtäglich verändert, weiß man bei einer Aktie ganz genau, in welches Unternehmen man investiert.

Mit genug Wissen über die jeweiligen Unternehmen kann man sich hier theoretisch die Rosinen rauspicken (Stock Picking).

Höhere Transparenz

Dadurch, dass man direkt in ein Unternehmen investiert, ist es leichter zu verstehen, warum sich Kurse so entwickelt haben, wie in der Vergangenheit. Hierfür muss man lediglich die Wirtschaftszahlen und Nachrichten zu einem einzigen Unternehmen studieren und ein wenig Marktpsychologie betreiben.

Bei einem ETF hängt die Kursentwicklung von ganz vielen Unternehmen ab und niemand kann sagen, ob die schlechte Nachricht eines Unternehmens nun den ganzen ETF negativ beeinflusst oder ob andere Unternehmen diese Entwicklung kompensieren können.

Teilnahme an Hauptversammlung möglich

Als echter Aktionär, also wenn du direkt in Aktien investierst, hast du das Recht, auf der jährlichen Hauptversammlung teilzunehmen.

Auf dieser gibt das Unternehmen Auskunft über das vergangene Jahr und du erhältst auch einen Einblick in den Plan für die Zukunft. Natürlich ist der Informationsaspekt in Zeiten des Internets nicht mehr ganz so relevant wie früher, schließlich gibt es alle Informationen auch sofort im Internet.

Aber ein Vorteil bleibt: Auf der Hauptversammlung darfst du dir als Aktionär kostenlos den Bauch mit Häppchen vollschlagen.

Kein Emittentenrisiko

Aktien sind Unternehmensanteile. Das heißt, dir gehört im Prinzip ein kleiner Teil einer Firma. ETFs hingegen sind Finanzprodukte, die von einem Emittenten ausgegeben werden.

Meistens ist der Emittent eine Bank. Diese Bank kann pleite gehen. Bei UCITS-konformen swapbasierten ETFs können im schlimmsten Fall 10% deines investierten Kapitals verloren gehen. Bei physischen ETFs hast du dieses Risiko allerdings nicht. Generell zählen ETF-Anteile zum Sondervermögen und fallen nicht in die Insolvenzmasse des Unternehmens.

Bessere Performance möglich

Aktien schwanken in der Regel stärker als Aktienindizes. Daher schwanken auch ETFs, die einen Index nachbilden weniger stark.

Dies kann ein Nachteil sein, da ein ETF in der Regel nicht so extreme Kursausschläge nach oben verzeichnet, wie eine Einzelaktie.

Mit ETFs erhältst du immer nur eine durchschnittliche Rendite. Mit einer Einzelaktie ist theoretisch alles möglich.

Mit Aktien hat man mehr Möglichkeiten

ETFs bilden Indizes nach. Oder sie bilden eine bestimmte Investment-Strategie ab. Da ETFs aber Finanzprodukte sind, werden in der Regel auch nur ETFs angeboten, für die es eine relevante Nachfrage gibt.

Was ist aber, wenn du eine total schlaue Anlageidee hast, an die noch niemand vor dir gedacht hat bzw. wenn du ein kleines Unternehmen findest, in dass aktuell niemand investieren will?

In diesem Fall kannst du beim Aktienunternehmen einfach eine Aktie kaufen und hoffen, dass du mit deiner Idee richtig liegst. Als strikter ETF-Anleger schaust du in diesem Fall in die Röhre.

Die Vorteile von Aktien-ETFs gegenüber Aktien

Wie du gesehen hast, gibt es durchaus vernünftige Gründe für die Direktanlage in Aktien. Aber Aktien haben auch viele Nachteile gegenüber ETFs, auf die ich im Folgenden eingehen möchte.

Bessere Diversifikation bei ETFs

Ich schrieb bereits, dass du bei einem ETFs in die durchschnittliche Entwicklung von duzenden bzw. tausenden Unternehmen investierst. Dies kann nicht nur in einer durchschnittlichen Performance resultieren, sondern vor allem in einem geringeren Risiko.

Erinnern wir uns an das Eingangszitat von Sir John Templeton, so ist klar, dass wir deshalb diversifizieren wollen, weil uns niemand garantieren kann, zu 100% richtig zu liegen. Wäre es anders, wären wir alle bereits Millionäre und das kann schon rein theoretisch nicht funktionieren.

Durch die breite Streuung hängt dein Erfolg nicht mehr nur von einem oder von wenigen Unternehmen ab, sondern von der Entwicklung in einer Region, einer Branche oder sogar weltweit.

Natürlich kannst du auch mit Aktien diversifizieren. Das Problem: Der Kauf von Aktien ist vergleichsweise teuer und lohnt sich eigentlich nur, wenn du mehr als 1000€ pro Aktie investierst. Damit ist die Streuung naturgemäß schwieriger als bei einem ETF, in den du ab 25€ investieren kannst.

Darüber hinaus macht die Verwaltung von 30 oder 1600 Einzeltiteln wesentlich mehr Aufwand, als die Verwaltung von einem ETF. Bei den Einzelaktien musst du regelmäßig die Geschäftszahlen prüfen, Verlierer aussortieren und Gewinner hinzunehmen oder das Mischungsverhältnis korrigieren. Bei ETFs kannst du kaufen und fertig.

Geringeres Ausfallrisiko

Auf Grund der besseren Diversifikation haben ETFs auch ein deutlich geringeres Ausfallrisiko als Einzelaktien. Abgesehen vom Emittentenrisiko gibt es kein wahrscheinliches Szenario, in dem alle Unternehmen in einem ETF gleichzeitig in die Insolvenz gehen.

Geringere Schwankung

Bereits als Nachteil angeführt habe ich die geringere Schwankung von ETFs bzw. Aktienindizes. Natürlich ist das aber auch ein riesiger Vorteil.

Ich erhalte bei ETFs zwar immer nur eine durchschnittliche Rendite, diese dafür aber sicher. Bei Einzelaktien kann ich Glück haben und deutlich besser abschneiden. Oder ich habe Pech und bilde das Schlusslicht und liege weit hinter meinem Benchmark zurück.

Gerade für Börsenneulinge (und da zähle ich mich auch zu), sind ETFs eine gute Einstiegsdroge, da sie zwar auch im Wert schwanken können, aber lange nicht so extrem wie Einzelaktien. Damit kriegt man ein Gefühl dafür, wie es einem mit Kursschwankungen geht ohne gleich Kopf und Kragen zu investieren.

ETFs sind einfach!

Natürlich gibt es auch bei ETFs ein paar Dinge, die man beachten muss:

  • Ist der ETF ausschüttende oder thesaurierend?
  • synthetisch oder physisch (vollreplizierende oder teilreplizierend)?
  • steuerhässlich oder steuereinfach?
  • Wie hoch ist die Gesamtkostenquote TER?
  • Welcher Index wird nachgebildet?

Aber insgesamt sind es deutlich weniger Parameter als bei einer Einzelaktie, bei der man im Prinzip nicht nur die harten Fakten wie KGV, Eigenkapitalrendite und Liquidität bewerten muss, sondern auch die weichen Faktoren wie die Fähigkeit des Managements, die Entwicklung von Konkurrenzunternehmen und die wirtschaftliche Lage in der jeweiligen Branche und/ oder Region.

Darüber hinaus können ausländische Aktien steuerlich durchaus auch nicht ganz so einfach sein und ob ich eine hohe Dividende möchte oder ob das Geld lieber in das Unternehmenswachstum reinvestiert werden soll, muss ich mir auch überlegen.

Darüber hinaus können sich all diese Faktoren bei einer Aktie im Prinzip tagtäglich ändern. Daher muss ich monatlich, quartalsweise oder zumindest jährlich überprüfen, ob eine Aktie auf Grund solcher Änderungen nicht mehr zu meiner Strategie passt. Da ETFs ein Finanzprodukt sind, können sie diese Fakten nicht ohne Weiteres ändern.

ETFs sind sparplanfähig

Nicht alle. Aber viele.

Ein großer Teil der Aktien-ETFs ist sparplanfähig. Das heißt, dass du Monat für Monat oder quartalsweise in einen ETF einsparen kannst. Dies geht bereits ab sehr geringen Beträgen. Zum Beispiel ab 25€ im Monat. Damit gibt es im Prinzip keine Ausrede mehr, um nicht mit dem Sparen anzufangen.

Bei vielen Banken kann man bestimmte ETFs ohne Ausgabeaufschlag und Börsengebühr kaufen. Damit zahlt man lediglich die TER, die meistens unter 0,5% pro Jahr liegt. Dies macht ETFs sehr attraktiv und vor allem unabhängig von der Höhe der monatlichen Investition.

Natürlich gibt es mittlerweile auch Sparpläne für Einzelaktien. Allerdings fallen hierbei in der Regel Börsengebühren und ein Ausgabeaufschlag an, so dass diese Sparpläne insbesondere bei kleineren Sparsummen den Erfolg von vorne herein unwahrscheinlich machen. Darüber hinaus hat man auch hier keine Diversifikation.

Ich halte von Aktien-Sparplänen überhaupt nix. Wenn ich in Aktien investieren möchte, dann tue ich das richtig. Also mindestens 1000€ pro Aktie nach vorheriger Bewertung des Unternehmens.

Das Fazit

Wo Schatten ist, ist auch immer Licht und wo Licht ist, ist auch immer Schatten. Oder „No Free Lunch“, wie der Amerikaner sagt.

Sowohl Aktien als auch ETFs haben ihre Vorzüge und Nachteile. Jeder muss für sich wissen, womit er sich wohler fühlt und was für sein Vorhaben und seine Strategie am besten geeignet ist.

Aus meiner Sicht spricht auch überhaupt nichts dagegen, sowohl in ETFs als auch in Aktien sein Geld anzulegen. Damit hat man die Vorteile einer guten Diversifikation und relativen Einfachheit kombiniert damit, sich auch ein paar Rosinen ins Portfolio legen zu können.

Mit etwas Glück schneidet man dann insgesamt einen Tick besser ab als der Durchschnitt oder eben auch einen Tick schlechter. Fakt ist, dass man bei Aktien ein ganze Menge Wissen benötigt.

Wenn du keinen Bock hast, viel Zeit zu investieren, dann solltest du definitiv keine Aktien kaufen, sondern die einfache Lösung ETF bevorzugen. Wenn es dir aber Spaß macht, Unternehmen zu bewerten und am Erfolg eines Unternehmens beteiligt zu werden, dann lohnt es sich definitiv, ins Thema Aktien tiefer einzusteigen.

Ich persönlich habe sehr viel Spaß daran, Aktien bzw. Unternehmen zu bewerten und zu beobachten. Daher schreibe ich auch diese Aktien-Serie. Zum Einen lerne ich dabei noch eine ganze Menge dazu und es macht mir Spaß. Und zum Anderen hoffe ich natürlich auch, dass du etwas dazulernen kannst.

Habe ich einen Aspekt vergessen?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Bild: geralt (pixabay.com)

3 Gedanken zu „Direktanlage in Aktien vs. Aktien-ETFs

  1. Pingback: Was haben Cocktails und das Aktiendepot gemeinsam?

  2. Jede Geldanlage bringt seine Vor- und Nachteile mit sich. Letztendlich muss man sich die Zeit nehmen und sich die einzelnen Möglichkeiten genau anschauen und Vor- und Nachteile gegenüberstellen. So findet am Ende jeder etwas passendes.

    • Hallo Stephan,
      da hast Du Recht!

      Das Hauptproblem ist, dass viele Menschen keinen Bock auf Finanzen haben und sich daher damit gar nicht oder nur mal eben nebenbei beschäftigt wird. Die Anschaffung eines Fernsehers wird Monate lang geplant, es wird verglichen und man hat am Ende mehr Ahnung als jeder Verkäufer.

      Bei den Finanzen wirft man sich einfach blindlings dem nächsten Verkäufer an den Hals.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

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