Ich verdopple!: Zukäufe bei Allianz und Daimler

Kaboooom! Was für ein Tag. Und damit meine ich nicht das anhaltende Gewitter draußen sondern die wilde Achterbahnfahrt am Aktienmarkt.

Brexit

Gestern, am Freitag dem 24.06.2016, der in der Börsenpornographie bereits als “schwarzer Freitag” betitelt wurde, ist der Dax anfänglich um 1000 Punkte, bzw. 10%, nach unten gesackt. Auch andere Indizes aus dem Euro-Raum haben sich ähnlich verhalten. Bei Börsenschluss lag der DAX bei -6,82% (9557 Zähler).

Der Grund: Die Briten haben sich entschieden, die EU zu verlassen. Naja jedenfalls die Alten haben dafür gestimmt. Also der Teil, der am kürzesten darunter leiden muss. Und dieser Ausgang wurde von weiten Teilen der Börsianern nicht vorhergesagt. Eher ging man am Donnerstag noch davon aus, dass die Briten bleiben.

Dementsprechend heftig war die Reaktion am Freitag morgen. Meine deutschen Aktien (Wirecard, Allianz und Daimler) waren plötzlich ziemlich im Minus.

Abgesehen davon finde ich den Ausgang der Abstimmungen in Großbritannien nicht gut und hätte mir gewünscht, dass die Briten in der EU bleiben. Insbesondere für die Briten wäre es meines Erachtens besser gewesen. Aber auch für die anderen EU-Staaten ist dieser Ausgang natürlich alles andere als positiv. Schließlich ist das quasi ein Präzedenzfall und es besteht die Befürchtung, dass andere Mitglieder diesem Beispiel folgen werden. Dies könnte zum Verfall der EU führen.

Folglich herrscht Weltuntergangsstimmung an den Märkten. Meiner Trauer über das Brexit-Votum bin ich logischerweise mit aktivem Frust-Shoppen begegnet.

Bin ich naiv?

Ich finde, dass der DAX übertreibt. Natürlich ist der Brexit nicht toll und kann die Geschäftsbeziehungen von und mit britischen Unternehmen erschweren oder die wirtschaftliche Gesamtlage verschlechtern.

Aber klar ist doch auch, dass es irgendwie weiter gehen wird. Und auch der Handel mit Großbritannien fällt jetzt nicht vollkommen flach. Wenn das so wäre, dürften wir auch nicht mit den USA oder China Wirtschaftsbeziehungen unterhalten, die sind schließlich auch nicht in der EU.

Viele DAX-Unternehmen, auch die Allianz und Daimler, haben gestern direkt verkündet, dass sie keine langfristigen negativen Auswirkungen für ihre Geschäfte sehen. Ich teile diese Einschätzung.

Im Moment herrscht viel Ungewissheit und entsprechend sehen die Kurse aus. Ich weiß nicht, ob es Montag weiter runter geht oder ob das nächste Jahr insgesamt traurig aussieht. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass es Unternehmen wie die Allianz und Daimler auch in 5 oder 10 Jahren noch geben wird und dass sie eine vernünftige Dividende ausschütten.

Also habe ich gestern zugegriffen. Vielleicht zu früh, vielleicht zu spät. Das wird die Zukunft zeigen. Aber Versuch macht klug und entweder arm oder reich. 😉

Meine Käufe

Eigentlich wollte ich mich ja mal mehr um den US-Raum kümmern und amerikanische Unternehmen mit meinen Investments “beglücken”, konnte aber gestern einfach nicht widerstehen.

Da ich nach wie vor von Daimler und der Allianz überzeugt bin und diese Unternehmen gerade “einen ordentlichen Preisnachlass auf sich selbst geben ;-)”, habe ich mich entschlossen hier nachzukaufen.

Wirecard wollte ich nicht kaufen, da ich hier bereits nachgekauft habe und mir das Klumpenrisiko zu groß geworden wäre. Außerdem hatte sich der Kurs bereits ordentlich erholt, als ich dazu gekommen bin, mich in mein Depot einzuloggen.

Dafür habe ich 8 Anteile der Allianz zu je 128,00€ gekauft. Inkl. Gebühren hat mich der Spaß 129,49€ je Aktie gekostet. Das entspricht exakt eine Verdoppelung meiner Anteile. vorher waren es 8, jetzt sind es 16. Summa summarum macht das einen Kaufpreis von 132,70€ pro Anteil bezogen auf das gesamte Investment.

Bei Daimler habe ich 22 Aktien zu je 54,80€ erstanden. Rechnet man die Gebühren dazu (11,90€), kommt man auf 55,34€ je Anteil, Damit habe ich meine Anteile an Daimler von 20 auf 42 ausgebaut. Mein Einstandskurs liegt damit bei exakt 57,00€.

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Was für eine Hals über Kopf Aktion!

Wenn das für Dich jetzt nach Spontan-Aktion klingt, dann trügt das. Ganz im Gegenteil habe ich in den letzten Wochen extra darauf verzichtet, Aktien zu kaufen, da ich den Ausgang der Abstimmungen in GB abwarten wollte.

Ich habe mir im Vorfeld überlegt, welche Unternehmen ich möglicherweise und zu welchem Kurs kaufen würde. Außerdem habe ich darüber nachgedacht, ob ich mit einem Zukauf bei Daimler oder der Allianz leben kann. Die Antwort kennst Du nun.

Hätte ich wetten müssen, hätte ich auf den Brexit getippt. Dann hätte ich vermutlich alle meine Aktien verkauft. Aber da mich glücklicherweise niemand zwingt, habe ich mich weiterhin an die Buy-and-Hold-(and-Buy)-Strategie gehalten, die mit Sicherheit in diesem Szenario nachteilig ist, aber es hätte eben auch anders ausgehen können…

Wie siehst Du das?

Hast Du gestern auch schon zugeschlagen oder wartest Du noch ab? Wie ist Deine Einschätzung zum Thema Brexit und wirtschaftliche Konsequenz für deutsche Unternehmen und die EU im Allgemeinen?

7 Gedanken zu „Ich verdopple!: Zukäufe bei Allianz und Daimler

  1. Hi Finanzfisch,

    ich weiß zwar nicht, um wie viel Uhr du shoppen gegangen bist, aber generell war gestern sicher ein guter Kauftag. Jedenfalls besser als am Tag zuvor 😉

    Der Brexit wird meines Erachtens von den Medien mit Horrorszenarien aufgebauscht. Siehe z.B. hier:

    http://www.welt.de/finanzen/article156467550/So-teuer-waere-der-Brexit-fuer-jeden-einzelnen-Deutschen.html

    Fakt ist, dass niemand wirklich weiß, was kommt. Man weiß noch nicht einmal, ob das britische Parlement dem Volksentscheid überhaupt Folge leistet. Und selbst falls doch, so bleiben ja – meines Wissens – noch über zwei Jahre Zeit, in denen die Zeit nach dem Ausstieg verhandelt wird. Wenn Schutzzölle, Aufgabe der Freizügigkeit, etc. doch ach so schlimm sind, dann soll man halt drauf verzichten.

    Zu deinen Nachkäufen im Detail:

    Daimler erachte ich nicht als Wachstumswert. Wenn du dir die Aktie im Aktienfinder anschaust, sieht du sofort die zwei Konjunkturdellen innerhalb der letzten 14 Jahre. Dementsprechend ist die 10jährige Dividendensteigerungsrate bei 0%. Autobauer halt.

    Bei der Allianz geht mir auch nicht wirlich einer ab. Ich weiß nicht, wie die Allianz auf Dauer mit der neuen Welt des Niedrigzins zurecht kommt.

    http://www.br.de/nachrichten/allianz-versicherung-rekord-100.html

    Und generell bin ich bei Finanzkonzernen eher zurückhaltend, weil sich da sehr viel schneller als bei Konsumgüterherstellern der Unternehmenswert in Luft auflösen kann.

    Aber dass ist natürlich alles nur meine subjektive Meinung. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

    Gruß!

    Torsten

    • Hallo Torsten,
      danke für Deinen Kommentar und Deine Einschätzung zu den beiden Aktien.

      Zu Deiner Brexit-Einschätzung: Die teile ich. Gerade die Sache mit den Zöllen ist aktuell noch total unklar. Selbst wenn es zu einer Abspaltung kommt, wäre ja immer noch ein Freihandelsabkommen o.A. denkbar.

      Meine Gründe für den Einstieg bei Daimler habe ich schonmal hier beschrieben. Aber generell hast Du Recht damit, dass die Autobranche nicht einfach ist. Deren Geschäft is sehr zyklisch. Darüber hinaus ist die ganze Branche gerade in einem Wandel (E-Mobilität, Car Sharing, autonomes Fahren), der natürlich neben Chancen auch noch Risiken birgt.

      Das mit dem Niedrigzinsumfeld ist natürlich ein gutes Argument gegen die Allianz. Auf der Pro-Seite stehen unter Anderem aber eine gute und lange Historie, eine solide Unternehmensführung ohne viele Skandale und natürlich eine Dividendenrendite von 5,5% bei einer Ausschüttung von nur 50%, also mit Luft nach oben.

      Ich schätze es aktuell eher so ein, dass auch das Niedrigzinsumfeld eher ein Schreckgespenst ist, dass es dem Finanzsektor zwar nicht einfach macht, auf das sich Unternehmen wie die Allianz aber bereits vorbereiten konnten (z.B. durch Absenkung der Garantiezinsen) und dem auch durch Anpassung der Investitionen (s. Geschäftsbericht 2015) weiter entgegen gewirkt wird. Natürlich eine ernstzunehmende Herausforderung aber letztendlich auch medienwirksam übertrieben und daher m.E. auch unverhältnismäßig stark eingepreist.

      Aber ich kann definitiv Deine Einschätzung nachvollziehen und weiß selber natürlich auch nicht, was kommen wird. Daher finde ich es sehr wichtig, nicht nur über Länder sondern auch über Branchen hinweg zu diversifizieren. Meine nächsten Aktienkäufe werden daher eher in den USA im Bereich Konsum/Nahrungsmittel statt finden. Und abgesehen davon habe ich ja auch noch meine ETFs, die mir da etwas Arbeit abnehmen. 😉

      Gruß
      der Finanzfisch

      P.S.: Kann es sein, dass die Werte zur Allianz in Deinem Aktienfinder falsch sind? Die Werte passen so garnicht zu den Angaben der Allianz.

  2. Hallo Finanzfisch,

    ich warte noch, denke aber, dass bald Einkaufszeit ist. Allianz halte ich unter Dividendengesichtspunkten für sinnvoll. Allerdings müssen hier kräftige Kursschwankungen in Kauf genommen werden, da es sich um ein Finanzwert handelt. Bei Daimler sollte meines Erachtens der Zyklus zusätzlich neben den Marktbedingungen eine Rolle spielen. Hier erwarte ich gegenüber Audi und BMW in den nächsten Jahren wieder leichte Dämpfer, da Daimler bei vielen Modellen mitten im Lebenszyklus steckt und bei beiden anderen bald wichtige neue Modelle anrollen.

    VG alelab

    • Hallo alelab,
      das mit den hohen Schwankungen bei der Allianz stimmt zwar, ist aber für mich nicht ganz so relevant bei einer langen Haltedauer von 15 oder mehr Jahren.

      Bei Audi bin ich nach wie vor skeptisch da ich dem ganzen VW-Universum aus subjektiven Gründen nicht wirklich zugeneigt bin. BMW wäre für mich allerdings eine Alternative gewesene. Allerdings starten auch bei Daimler in diesem und den nächsten Jahren viele neue Modelle, so dass ich da eigentlich keine größeren Probleme sehe zumal auch hier die Konjunkturschwankungen auf lange Sicht m.E. nicht so entscheidend sind, da mir Kursschwankungen während der Haltedauer im Prinzip nicht so wichtig sind, solange die Dividende stabil bleibt oder steigt.

      Weißt Du schon, was Du einkaufen wirst?

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

      • Bei mir steht auch Daimler mit auf der Einkaufsliste. Daneben schaue ich noch Pfizer, Verizon und ein paar andere Dickschiffe an. Im Dividendendepot liegen momentan angekommene Dividenden, die reinvestiert werden wollen.

        Im Wachstumsdepot hab ich mir erst m-u-t zugelegt.

        Der Großteil meiner Investitionen fließt in den Bereich Dividenden, da mit stetige Rückflüsse als Basis für meine Investments wichtig sind. Zusätzlich streue ich immer wieder Wachstumswerte mit ein, die ich aber getrennt in einem anderen Depot führe. In einem dritten halte ich noch Fonds, ETFs etc.

        Zudem kaufe ich nur, was ich auch verstehe. Was ich nicht verstehe, kaufe ich nicht. Außerdem muss ein überschaubares Risiko dahinterstehen.

        VG alealb

        • Ja Deine letzten beiden Punkte finde ich auch besonders wichtig. Ich kann Kursschwankungen auch viel besser ertragen, wenn ich das Unternehmen verstehe und einordnen kann, warum es so schwankt. Außerdem, und das hängt ja irgendwie zusammen, ist das Risiko dann auch besser einschätzbar.

          Das ist definitiv ein Tipp, den jeder beherzigen sollte!

          Viele Grüßen und viel Erfolg
          der Finanzfisch

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