Viventor: War’s das schon?

Monatlich berichte ich über die Entwicklung meiner P2P-Kredite und gehe dabei auf die Änderungen in meinen Portfolios bei Bondora*, Mintos*, Twino und Viventor* ein. Viventor ist dabei die jüngste Plattform und ich habe dort erst im Januar mein Limit von 1000€ pro Plattform erreicht.

Allerdings scheint der Spaß bei Viventor bereits vorbei zu sein. Zwar wird es bei allen Plattformen schwieriger, gute Kredite für das automatische Investment zu finden, aber bei Viventor wird es in der letzten Zeit geradezu unmöglich. Es gibt schlichtweg keine Kredite mehr auf dem Primärmarkt.

Die Auswirkungen

Im Urlaub habe ich dank der täglichen E-Mails bemerkt, dass bei Viventor etwa 150€ rumlagen, die nicht mehr automatisch investiert wurden. Dank der Viventor-App konnte ich zwischendurch einen kurzen Blick auf die Kredite und mein Auto-Invest werfen.

Dabei musste ich feststellen, dass selbst, wenn ich die Mindestrendite auf 6% senke und die Laufzeit von maximal 48 auf 60 Monate erhöhe, keine neuen Kredite zu finden sind. Der Primärmarkt ist damit im Moment also offiziell tot.

Abgesehen davon wären 6% bei einer Bindung von 5 Jahren (60 Monaten) im P2P-Bereich kein rationales Investment.

Leider bedeutet das aber auch, dass automatisches Investieren bei Viventor im Moment nicht funktioniert, da die Auto-Invest-Funktion bei dieser Plattform nur den Primärmarkt abdeckt (bei Bondora ist das z.B. anders).

Für mich ist das ein fetter Minuspunkt und ich erwäge, meine Gelder abzuziehen und auf die anderen Plattformen zu verteilen.

Erst mal abwarten

Bevor ich bei Viventor aber die Flinte komplett ins Korn schmeiße, gebe ich dem ganzen noch mal ein bis zwei Monate Zeit. Möglicherweise ist dieses Problem nur temporärer Natur und wird vom Betreiber z.B. durch die Erschließung eines neuen Marktes gelöst.

Zwischenzeitlich habe ich mir den Sekundärmarkt genauer angesehen. Im Dezember ließen sich dort teilweise Anteile an laufenden Kreditprojekten mit einer Rendite von 11% und einem Aufschlag von 1-2% aufkaufen. Bei einer Restlaufzeit von einem Jahr komme ich damit immer noch auf etwa 9%. Das wäre für mich durchaus noch akzeptabel.

Dank der App* hält sich der Aufwand für das Einkaufen am Sekundärmarkt ebenfalls in Grenzen.

Langfristig ist dies aber natürlich keine Lösung. Je größer die Nachfrage am Sekundärmarkt wird, desto höher wird das Premium werden, dass man bezahlen muss. Damit wird die Rendite zwangsläufig weiter sinken.

Derzeit ist der Sekundärmarkt leider so gut wie leer gefegt, so dass es mir sehr schwer fällt, mein Geld bei Viventor zu investieren. Zwar gibt es dort eine Reihe von Krediten, viele werden aber mit einem abartig hohen Aufschlag oder einer sehr kurzen Resetlaufzeit verkauft, so dass es sich überhaupt nicht lohnt, hier zu investieren.

Was könnte passieren?

Sollte es der Plattform langfristig nicht gelingen, neue Kreditnehmer anzulocken, wird sie auch keine Gewinne erwirtschaften können. Schließlich leben die P2P-Plattformen von der Differenz zwischen der Rate, die der Kreditnehmer zahlt und der Rendite, die die Kreditgeber bekommen.

Wenn keine neuen Finanzierungen zustande kommen, verdient auch die Plattform nichts. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Sollte es also langfristig so bleiben, könnte dies das Ende der Plattform bedeuten.

Das wäre ein sehr spannendes Ereignis. Zwar laufen die Kredite weiter und das Geld gehört nach wie vor den Investoren und nicht der Plattform, aber wie das ganze ohne eine Plattform dazwischen abgewickelt werden würde, ist mir noch unklar.

Allerdings ist es noch zu früh, um nach Weltuntergang zu schreien. Ich werde die Entwicklung bei Viventor in Zukunft noch genauer und kritischer beobachten und gegebenenfalls mein Geld nach und nach abziehen und vielleicht sogar Anteile am Sekundärmarkt verkaufen. Aber das ist alles Zukunftsmusik und somit nichts als wilde Spekulation.

Möglicherweise kommen auch regelmäßig neue Kredite auf die Plattform und werden auf Grund der Überzahl der Investoren sofort finanziert. In diesem Szenario ist es denkbar, dass einige Investoren “leer” ausgehen obwohl die Plattform kontinuierlich Einnahmen generieren kann. In diesem Fall steht die Plattform zwar auf soliden Beinen, aber die Investoren haben es schwer, ihr Geld “loszuwerden”.

So oder so ändert sich aber nichts an der Tatsache, dass es für uns P2P-Investoren schwieriger wird, in P2P-Kredite zu investieren.

Fazit

Viventor ist aktuell mein größtes Sorgenkind im P2P-Bereich. Zwar kann ich mich aktuell nicht über die Rendite beklagen, aber die zuvor beschriebene Entwicklung bereitet mir etwas Sorgen.

Ich werde mir das ganze bis Februar oder März noch ansehen und dann Anfangen, meine Investition dort abzubauen, sofern sich an der aktuellen Situation nichts geändert hat.

Die anderen Plattformen, besonders Mintos und Twino laufen derzeit sehr gut und ich könnte mir gut vorstellen, weiteres Geld über diese Plattformen zu investieren.

Und ansonsten habe ich ja noch meine guten alten ETF-Sparpläne, die sich bestimmt auch über weitere monetäre Zuwendung freuen würden.

Wie laufen Deine P2P-Investments? Hast Du ähnliche Probleme beobachtet oder läuft alles ohne Auffälligkeiten?

3 Gedanken zu „Viventor: War’s das schon?

  1. Moin,
    letztens hakte es bei Bondora (zumindest bei meiner Konfiguration des Autoinvests). Das hat sich wieder normalisiert. Und von Viventor bin ich so genervt, dass ich nun bis auf 30€ das verfügbare Geld abgezogen habe. Mal sehen ob und wann sich da noch mal was tut.
    Ich bin bei Mintos, Twino, Bondora, Viventor und suche noch eine neue Plattform zur weiteren Diversifizierung. Muss ich mich mal drum kümmern. Vielleicht stellst du ja hier auch mal einen neuen Anbieter vor?!

    Beste Grüße
    Vincent

    • Moin Vincent,
      ja Bondora schwächelt bei mir derzeit auch etwas, aber bei Weitem nicht so extrem wie Viventor.

      Ich bin derzeit ebenfalls auf der Suche nach neuen Plattformen und werde nach meinem Urlaub mal die beiden Plattformen Swaper und Viainvest unter die Lupe nehmen.
      Ich werde dann hier darüber berichten. Swaper wirbt mit “No Risk Investments”. Das ist mir erst mal unsympathisch. Aber ich habe mich noch nicht genug mit den Plattformen beschäftigt. Daher (noch) keine Empfehlung / Ablehnung meinerseits.

      Beste Grüße
      der Finanzfisch

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