Warum Dein Arbeitgeber nicht für Dein Humankapital verantwortlich ist

Heute möchte ich mit einem riesigen Irrtum aufräumen, dem viele Arbeitnehmer auf den Leim gehen:

Wenn ich erstmal in einem Job als Angestellter angekommen bin, soll doch mein Arbeitgeber bitteschön dafür sorgen, dass ich mich weiter entwickle, da das doch in seinem Interesse ist.

Viele Menschen glaube, dass sie mit dem Lernen aufhören können sobald sie aus der Schule oder von der Uni kommen und im Arbeitsleben angekommen sind. Wenn dann doch mal die ein oder andere Fähigkeit oder bestimmtes Fachwissen für eine Aufgabe fehlt, so kann einen der Arbeitgeber ja auf eine Schulung schicken, diese bezahlen und einem dafür auch noch ein ordentliches Gehalt überweisen. Richtig? Ja, aber…

Natürlich sollte auch Dein Arbeitgeber ein Interesse an Deinem „Humankapital“ haben und wenn Du es ausbaust, so profitiert auch er davon. Daher ist es nicht verkehrt, wenn er Dich dabei z.B. durch Boni oder bezahlte Schulungen fördert. Doch auch wenn Dein Arbeitgeber nicht in Dein Humankapital investiert (oder gerade dann!) solltest Du es selbst in die Hand nehmen.

Um zu verdeutlichen, wieso Dein Arbeitgeber nicht für Deine persönliche Entwicklung verantwortlich ist, möchte ich dieses Thema von zwei Seiten beleuchten:

  1. Humankapital aus Sicht des Arbeitgebers
  2. Humankapital aus Sicht des Arbeitnehmers (Du und ich)

Dein Humankapital aus Sicht Deines Arbeitgebers

Aktienunternehmen sind stets daran interessiert, das Maximum für ihre Aktionäre heraus zu holen. Und auch jedes andere Unternehmen ist im Wesentlichen daran interessiert, dass es dem Unternehmen gut geht und es sich positiv entwickelt.

Damit stehen der Unternehmenserfolg und somit der Gewinn stets an erster Stelle. Kaum ein Unternehmen besteht nur zum Selbstzweck oder zum Wohlergehen der Arbeitnehmer. Dies ist maximal ein positiver Nebeneffekt.

Mit diesen Fakten im Hinterkopf können wir uns einmal ansehen, wie man unternehmerisch im Bezug auf Investitionen handelt. Wie bzw. wann wird ein Unternehmen wie z.B. Daimler in eine Produktionsanlage investieren?

Gründe für die Investition in Produktionsanlagen

  1. Wartung und Instandsetzung da sonst die Betriebserlaubnis erlischt bzw. ein Totalverlust droht.
  2. Ausbau, um die Produktivität zu erhöhen

Das war es eigentlich auch schon. Natürlich kann es steuerliche Vorteile geben, wenn der Gewinn durch Investitionen geschmälert wird, aber kein rational denkender Unternehmer gibt Geld aus, nur um seine Steuerlast zu senken. Da muss immer auch eine zukünftige Gewinnsteigerung gegenüber stehen.

Man sieht also: Unternehmen investieren nur dann, wenn es sich für sie lohnt, sie also dadurch ihren Gewinn steigern (das ist schließlich die Definition von Investition).

Gründe für die Investition in Dich

Worin unterscheidest Du Dich von einer Produktionsanlage? Von einem nüchternen, rein wirtschaftlichen, Standpunkt aus gesehen, kann ich hier keinen Unterschied erkennen.

Als Unternehmen würde ich also nur dann in Dich als meinen Arbeitnehmer investieren, wenn ich darin einen Vorteil für das Unternehmen sehe. Das könnte sein:

  1. Du erledigst Deine Aufgabe schneller
  2. Du erledigst Deine Aufgabe besser
  3. Du kannst weitere Aufgaben übernehmen

Insgesamt muss eine Fortbildung also Dein persönliches Preis-Leistungs-Verhältnis verbessern, um für Deinen Arbeitgeber attraktiv zu sein.

Daher der Tipp: Wenn Du Dir von Deinem Arbeitgeber Unterstützung bei Deiner Fortbildung wünscht, verkaufe sie ihm unter diesen drei Aspekten.

Ein paar relativierende Worte

Möglicherweise klingen die vorherigen Abschnitte sehr kapitalistisch und „krass“. Und natürlich ist es nicht so schwarz-weiß und glücklicherweise handelt nicht jeder Chef nur nach diesen Aspekten.

Seit einigen Jahren ist vielen Unternehmen nämlich aufgefallen, dass sich die Produktivität ihrer Arbeitnehmer nicht alleine an harten Fakten festmachen lässt, so wie bei Maschinen, sondern hier auch (oh wunder) die menschliche Komponente eine entscheidende Rolle spielt.

Daher kann alleine durch ein Seminar, eine Schulung oder eine Konferenz die Motivation eines Arbeitnehmers so stark verbessert werden, dass sich dies sofort positiv auf dessen Produktivität auswirkt ohne dass sich dies direkt quantifizieren lässt oder es einen direkten Zusammenhang zwischen der „Maßnahme“ und dem Job gibt.

Das ist auch der Grund dafür, warum sich immer mehr Unternehmen sehr stark um die sozialen Aspekte der Arbeit und das Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer einsetzen. So gibt es  z.B. etliche Sozialleistungen oder sogar Feel-Good-Manager (quasi Entertainer), die den Arbeitnehmer den Tag versüßen. Und das ist eine super Sache!

Du siehst also: Dein Arbeitgeber hat durchaus ein Interesse an Deinem Humankapital.

Dein Humankapital aus Deiner Sicht

Nachdem wir wissen, wie Dein Arbeitgeber Dich sieht, analysieren wir das Thema Humankapital mal aus der Ich-Perspektive: Was bedeuten mein Können, mein Wissen und meine Fähigkeiten für mich?

Ich habe bereits über 10 Gründe für die Wichtigkeit von Humankapital geschrieben. Hier nochmal die wichtigsten Punkte für Arbeitnehmer:

  1. Flexible Einsetzbarkeit
  2. Gefahr der Kündigung wird minimiert
  3. Bedrohlichkeit einer Kündigung wird minimiert
  4. Persönliche Wertsteigerung
  5. und natürlich Vielseitigkeit und Spaß

Schauen wir uns die Gründe mal genauer an:

Flexible Einsetzbarkeit: Je mehr Du kannst, desto mehr kannst Du auch Deinem Arbeitgeber bieten und desto wertvoller wirst Du für ihn. Damit wird es auch bei der nächsten großen Umstrukturierung nicht sonderlich schwer sein, eine passende Position für Dich zu finden. Somit reduziert sich auch das Risiko, dass Dein Arbeitgeber Dir kündigen muss.

Und selbst wenn es zu einer Kündigung kommt oder Du den Job von Dir aus hinwirfst, so ist das mit einem umfangreichen und aktuellen Skillset viel weniger bedrohlich als wenn Du noch auf dem Stand von vor 20 Jahren bist. Du wirst einfach schneller einen neuen und geeigneten Job bekommen oder was Du Dir sonst so vorstellst.

Insgesamt bedeutet die Investition in Dich und Dein Humankapital eine persönliche Wertsteigerung für Dich. Auch wenn das sehr materialistisch klingt, so ist das eine Tatsache.

Und was auch nicht vergessen werden darf: Indem Du Deinen Horizont erweiterst, kannst Du ein viel vielseitigeres Leben führen und nicht zuletzt eine ganze Menge Spaß haben.

Das sind doch recht motivierende Gründe. Oder nicht?

Daher jetzt die Frage: Wer hat ein größeres Interesse an Deinem Humankapital? Du oder Dein Arbeitgeber?

Zusammenfassung

Selbstverständlich profitiert auch Dein Arbeitgeber davon, dass Du Dich weiterbildest. Trotzdem profitierst Du immer mehr als Dein Arbeitgeber. Daher sollte es Dein höchst eigenes Interesse sein, in Dich selbst zu investieren.

Wenn Dein Arbeitgeber Dich dabei nicht unterstützt so ist das schade, aber es wäre fatal aus Trotz keine Fortschritte zu machen. Spätestens bei einem Jobwechsel rächt sich das. Gerade wenn Dein Arbeitgeber Dich beim Thema Personalentwicklung alleine lässt, musst Du Dich um so mehr um das Thema kümmern. Es ist wie mit der Altersvorsorge: Wenn der Staat es nicht gebacken kriegt, müssen wir selber ran.

Wenn es hart auf hart kommt, werden zunächst die Menschen ihren Job verlieren, die den geringsten Wert für das Unternehmen stiften. Sobald es günstiger wird, einen Frischling einzuarbeiten, anstatt Dich auf den neusten Stand zu bringen, bist Du am A…

Glücklicherweise ist es in vielen Unternehmen so, dass ein starkes Interesse an der positiven Entwicklung der Angestellten besteht und daher viel für deren Fortbildung getan wird. Das war nicht immer so und ist auch längst nicht in allen Unternehmen „state of the art“. Ich bin der Meinung, dass es zwar echt super ist, wenn Unternehmen ihre Angestellten unterstützen aber dennoch ist das noch lange keine Selbstverständlichkeit.

Daher bin ich extrem dankbar dafür, dass mein Unternehmen viel für mich und mein Humankapital tut und ich würde nicht in einem Unternehmen arbeiten wollen, in dem das anders ist (nichts ist besser, als für die persönliche Fortbildung bezahlt zu werden), aber dennoch beschränke ich meine Lernaktivitäten lange nicht nur auf die Arbeitszeit.

Und was ist mit Selbständigen?

Als Selbstständiger stellt man sich die Frage garnicht. Niemand käme auf die Idee, dass Die Kunden dafür sorgen, dass man eine Fortbildung macht. Maximal fordern sie einen Qualifikationsnachweis.

Für Selbstständige ist es völlig normal, ihr Humankapital, ihre Altersvorsorge und so ziemlich jeden anderen Bereich in die eigenen Hände zu nehmen. Das ist einer der Gründe dafür, dass man als Selbstständiger oder Unternehmer deutlich höhere Stundensätze hat, als ein Arbeitnehmer, wenn man das mal umrechnet.

Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?

Ich kenne viele Menschen, die auf dem Standpunkt stehen, dass der Arbeitgeber für ihre Fortbildung verantwortlich ist. Aber wie stehst Du dazu?

4 Gedanken zu „Warum Dein Arbeitgeber nicht für Dein Humankapital verantwortlich ist

  1. Hallo Tobias,

    und danke für deinen Artikel.

    Die Eigenmotivation zur Fortbildung (Stichwort „Lifelong Learning“) muss tatsächlich bei jedem Mitarbeiter vorhanden sein.
    Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es sogar viele Mitarbeiter gibt, die Angebote des Arbeitgebers zur Fortbildung nicht annehmen, weil ihnen die notwendige Eigenmotivation fehlt. Und das ist dann schon ein richtig krasses Armutszeugnis: Wenn nicht einmal mehr kostenloses Angebote des Arbeitgebebers angenommen werden, die den eigenen Wert steigern würden.

    Ich selbst habe mich immer unabhängig von den Angeboten meiner Arbeitgeber weiterbilden wollen. Ähnlich wie beim Thema „Finanzen“ habe ich auch hier beschlossen, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und nebenberuflich immerhin zwei Universitätsabschlüsse erreicht. 🙂

    Was das Angebot von Weiterbildungsangeboten seitens der Arbeitgeber anbelangt, sehe ich das ein bisschen anders als du.
    Vor 10 Jahren wäre ich noch ganz und gar bei dir gewesen: Der Mitarbeiter hat mehr von Weiterbildung als der Arbeitgeber, folglich muss der Arbeitgeber auch nichts in der Richtung anbieten.
    Heute stehe ich ein bisschen anders dazu: Der Arbeitsmarkt hat sich grundlegend gewandelt. In unserer heutigen Zeit bestehen so viele Möglichkeiten, sich in kleinerem Rahmen selbständig zu machen, dass ich be vielen mittelständischen Unternehmen beobachten kann, dass den Mitarbeitern auch eine Art „immaterieller Opportunitätskostenzuschlag“ gezahlt wird.
    Heißt: Vielen Mitarbeitern muss er versüßt werden, dass diese Anfahrt zur Arbeit, räumliche Unflexibilität, begrenzte Wirkungsgrade und zeitfressende Ineffizienzen im Zusammenhang mit einer Festanstellung in abhängiger Beschäftigung in Kauf nehmen.

    Und im Sinne unserer „Generation Y“ gesprochen: Wir wollen eben unsere Lebenszeit bezahlt bekommen. – Und hier steigen eben die Zuschläge mittlerweile, da Zeit mehr und mehr als kostbarer denn Geld wahrgenommen wird.

    In diesem Sinne

    Oliver

    • Hallo Oliver,
      wow, zwei nebenberufliche Universitätsabschlüsse ist eine tolle Leistung!

      Ja ich stimme Dir zu, dass die Arbeitgeber heute eigentlich keine andere Wahl mehr haben als den Angestellten das „Bleiben“ durch materielle und immaterielle Leistungen zu versüßen. Mein Ausführung in diesem Artikel bezieht sich eher darauf, dass der Arbeitnehmer im schlimmsten Fall austauschbar ist. Zwar hat der Arbeitgeber eine soziale Verpflichtung gegenüber seinen Angestellten, aber wenn ein Arbeitnehmer langfristig nicht die Leistung bringt, die von ihm gewünscht wird, dann wird er ausgetauscht.

      Und wenn sich der Mitarbeiter in diesem Fall nicht um seine Weiterbildung gekümmert hat, dann sieht es auf dem Arbeitsmarkt leider schlecht aus, auch wenn dieser noch so gut ist. Dem ehemaligen Arbeitgeber kann dies „egal“ sein, nur der ehemalige Angestellte wird darunter leiden. Ich stimme Dir aber darin zu, dass Arbeitgeber heutzutage sehr viel tun, um die guten Mitarbeiter zu halten und dass es sehr viele Arbeitnehmer gibt, die solche Angebote auch Fordern um überhaupt dort anzufangen.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

  2. In Deutschland ist das Thema Anspruchsdenken sehr weit verbreitet.

    So sind immer die anderen Menschen für die eigenen Bedürfnisse verantwortlich.
    Der Staat hat dafür zu sorgen, dass es genug Arbeitsplätze gibt, die gut bezahlt werden, Arbeitgeber sollen die Arbeitnehmer fortbilden und alles für sie tun und die anderen Menschen sollen die eigenen Wünsche von den Lippen ablesen und erfüllen.

    Schnell siegt die eigene Faulheit und es wird gar nichts gemacht.
    So wollen viele Menschen nichts von sich aus tun und fordern trotzdem gerne viel von den anderen Menschen.

    Gern wird von diesen Menschen auch eine Gehaltserhöhung gefordert, da die anderen Kollegen auch mehr Geld verdienen. Dass diese eventuell mehr Fortbildungen gemacht haben und sich auch in der Freizeit weitergebildet haben, wird dann schnell außer acht gelassen.

    Mein Ansatz ist es mich selbst maximal wertvoll zu machen. Egal ob es sofort dafür eine Belohnung in Form eines höheren Gehalts gibt, weiß ich, dass es sich langfristig auf jeden Fall auszahlen wird.

    Schöne Grüße

    Dominik

    • Hallo Dominik,
      genau denselben Ansatz verfolge ich auch.

      Ich lerne gerne und viel. Und auch wenn etwas sich nicht direkt finanziell bemerkbar macht, so hat es doch langfristige Vorteile. Sei es dadurch, dass ich viel schneller und besser Arbeite als andere weil ich mich in einem Bereich besser auskenne. Langfristig könnte sich das positiv auf das Gehalt auswirken oder im Falle einer Selbstständigkeit die Konkurrenzfähigkeit erhöhen. Oder es hilft bei einer Beförderung oder der Jobsuche.

      In jedem Fall hilft einem Weiterbildung aber dabei, einen weiteren „Horizont“ zu bekommen und so einen vielseitigeren Blick auf die Dinge zu haben. Oft verstehe ich Personen und Probleme alleine dadurch besser, dass ich etwas bestimmtes gelernt habe und mich daher besser hineinversetzen kann.

      Ich bin überzeugt davon, dass die Motivation zur Weiterbildung von innen kommen muss. Mehr Gehalt ist höchstens ein netter Bonus.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

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