Warum die Armutsschere wesentlich von finanzieller Bildung abhängt

Heute soll es nach langer Zeit mal wieder um die Bedeutung finanzieller Bildung gehen. Konkret möchte ich erörtern, wieso die Armutsschere wesentlich von finanzieller Bildung bzw. ihrer Abwesenheit abhängt.

Das Thema „Armutsschere“ wurde in der Vergangenheit schon breit in Politik und Medien diskutiert, jedoch bleibt der, meiner Meinung nach, entscheidende Punkt dabei außen vor.

Aber was ist die Armutsschere überhaupt?

Als Armutsschere bezeichnet man die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden und somit die Kluft zwischen beiden Bevölkerungsgruppen immer breiter wird.

Die Mittelschicht verschwindet hierbei nach und nach.

Diese Entwicklung ist nicht nur auf Deutschland begrenzt, sondern lässt sich weltweit und im Besonderen in den USA beobachten. In meiner nachfolgenden Betrachtung von Armut und Reichtum lege ich allerdings Deutschland zu Grunde.

Die Politik ergreift wahllos Maßnahmen wie zum Beispiel den gesetzlichen Mindestlohn, um die Armen zu unterstützen und bekämpft hiermit eher die Symptome als die Ursachen.

Was sind die Ursachen?

Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe und wer den Zinseszinseffekt kennt, weiß, dass das in gewissen Grenzen eine ganz natürliche Entwicklung ist die nichtmal zwingend schlimm ist (Wieso die Armutsschere nicht das Problem ist, schreibe ich in meinem nächsten Beitrag).

Jemand, der von seinen Eltern ein paar Millionen erbt, hat naturgemäß mehr Möglichkeiten, die finanzielle Freiheit zu erreichen und sein Geld zu vermehren. 5% von einer Million sind nunmal mehr als 5% von 1000€.

Aber natürlich gibt es auch andere Gründe, die diesen Effekt noch über das natürliche Maß hinaus verstärken.

Hohe Steuern für „Die Armen“

Zum Einen ist es so, dass „die Reichen“ mehr Möglichkeiten zum Steuern sparen haben als „die Armen“ bzw. die normalen Angestellten. Während Angestellte etwa 30% ihres Einkommens in Form der Einkommenssteuer an den Staat abdrücken und weitere 10-20% an Solidaritätszuschlägen, haben die Reichen es einfacher.

Steuersparmodelle für „Die Reichen“

Wer viel Geld hat, kann von seinen Kapitalerträgen leben. Und auf diese zahlt man nur 25%. Allerdings darf man nicht vergessen, dass auch Ausgaben für z.B. die Krankenversicherung (meistens privat) anfallen.

Darüber hinaus gibt es aber noch andere Sparmodelle für die Reichen. Eines dieser Modelle ist eine Spardosen-GmbH. Das ist eine GmbH, die im wesentlichen die Unternehmensbeteiligungen verwaltet. Die Einzelperson ist dabei meistens ein Gesellschafter. Gewinne, die ein Unternehmen aus Investitionen macht unterliegen einem deutlich niedrigeren Steuersatz, nämlich nur bis zu 17%. Allerdings gilt dies nur für Gewinne aus Unternehmensbeteiligungen von mehr als 10% des jeweiligen Unternehmens  und auf Ausschüttungen der GmbH müssen auch entweder Abgeltungssteuer (25%) oder Einkommenssteuer (dann aber nur auf 60%) gezahlt werden (Quelle).

Abgesehen davon, dass neben Notarkosten für die Gründung einer GmbH auch ein gewisses Stammkapital (25.000€) notwendig ist, loht sich dieses Modell eigentlich nur, wenn man mehrere Millionen anlegt. Für normale Menschen also unvorstellbar.

Ein weiteres Modell basiert ebenfalls auf einer GmbH, nutzt aber den Effekt, dass Unternehmen auf ihre Gewinne nur die Körperschaftssteuer, die Gewerbesteuer und die Solidaritätszuschläge abgeben müssen. Das sind etwa 30%. Also deutlich weniger als die ~46% für Arbeitnehmer. Allerdings hat die Einzelperson dabei noch kein Geld in der Tasche. Auszahlungen in Form von Gehalt unterliegen dann wieder der jeweiligen Einkommenssteuer. Allerdings kann man in seiner eigenen GmbH das Gehalt ja genau so wählen, dass es zum Überleben reicht und die restlichen Gewinne in der GmbH thesaurieren. Somit wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil mit einem hohen Steuersatz versteuert.

Darüber hinaus gibt es noch weitaus komplexere Steuersparmodelle für die Reichen.

Steuersparmodelle für „Die Armen“

Für die Armen bleiben die tollen Steuersparmodelle à la Riester, Bausparvertrag und Co. Ironie ist möglicherweise im letzten Satz vorhanden.

Die Mittelschicht kann sich entscheiden

Wer zur Mittelschicht gehört, hat im Prinzip die freie Wahl. Hier reichen die Gehälter durchaus aus, um einen bedeutenden Teil sparen und sich trotz hoher Steuerlast etwas aufbauen zu können.

Zumindest kann man etwas Eigenkapital zur Seite legen, um den Sprung zum Unternehmer etwas entspannter wagen zu können.

Außerdem ist es potentiell möglich, mittels Investitionen ein Einkommen zu erreichen, das nur der Abgeltungssteuer unterliegt.

Die Mittelschicht hat also die Wahl zwischen Leben am Limit und Disziplin und finanzieller Sicherheit. Mit anderen Worten können wir in der Mittelschicht relativ einfach selbst entscheiden, auf welcher Seite der Schere wir enden möchten.

Welchen Einfluss hat finanzielle Bildung?

Menschen, die nicht zur finanziellen Oberschicht gehören neigen oft dazu, sich hilflos zu fühlen. „Ich kann eh nicht reich werden.“, „Die finanzielle Freiheit werde ich nie erreichen können“, „Die da oben verdienen eh viel mehr.“

Natürlich verdienen „die da oben“ mehr und wenn man nicht ein total geniales Unternehmen gründet, wird man sich finanziell nie mit denen messen können. Aber darum geht es eigentlich nicht. Wir sollten unser Leben nicht in Konkurrenz zu anderen leben sonder das Optimum für uns daraus machen.

Und ich glaube fest daran, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, relativ zu seiner jetzigen Situation sein Leben zu verbessern. In finanziellen Dingen ist die finanzielle Bildung logischerweise ein wichtiger Faktor dabei.

Finanzielle Bildung hilft auch bei totaler Armut

Hierzu zählen für mich das Wissen darüber, wie man seine Fixkosten senken und seine Ausgaben im Griff haben kann. Und das Verständnis für die Gefahren von Konsumkrediten.

Viele Familien, die in Deutschland als arm gelten, schaffen es dennoch sich einen vergleichsweise teuren Fernseher oder regelmäßigen Zigaretten- oder Alkoholkonsum zu erlauben. Also gibt es in meinen Augen auch hier ein, wenn auch kleines, Sparpotential.

Wer mit geringen Geldmitteln zurecht kommen muss, für den ist aber ein gesperrter Euro viel mehr Wert als für jemanden, der Geld im Überfluss hat. Damit ist also auch schon eine Sparquote von fünf oder zehn Euro bereits eine große Sache und ein riesiger Erfolg. Natürlich dauert es damit sehr lange, etwas zu erreichen aber es ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.

Wenn man langfristig denkt, kann diese kleine Sparquote den Unterschied machen, ob man seinen Kindern einen Computer oder Bücher geben kann, oder nicht. Somit werden mit diesen fünf Euro die Weichen dafür gestellt, dass die Kinder sich fortbilden und den Weg aus der Armut schaffen können.

Finanzielle Bildung hilft auch der Mittelschicht bzw. „oberen Unterschicht“

Aber auch wenn man nicht ganz so arm ist, spielt finanzielle Bildung eine entscheidende Rolle. Die Höhe des Gehaltschecks ist hingegen eher unwichtig.

Wer nicht mit Geld umgehen kann, wird auch trotz höherem Gehalt nichts übrig haben. Höhere Mindestgehälter sind zwar schön und gut, aber wenn man den Menschen nicht den Umgang mit Geld beibringt, kurbelt das bestenfalls die Wirtschaft an (mehr Konsum).

Wenn man Menschen hingegen beibringt, wie man spart und investiert und das Aktien und Geld nichts schlechtes oder verwerfliches sind, kann man es schaffen, dass mehr Menschen von Unternehmensentwicklungen profitieren und sich darüber ein weiteres Standbein neben ihrer Arbeitskraft aufbauen können.

Gerade wenn Menschen etwas Geld zur Verfügung haben, aber keine Ahnung im Umgang damit, passieren die schlimmsten Fehler. Zu teure Autos, zu teure Häuser, zu viel Konsum.

Viele Menschen hätten potentiell die Möglichkeit, finanziell unabhängig oder jedenfalls freier zu werden, wissen das jedoch nicht bzw. halten es nicht für möglich.

Und was ist mit den Reichen?

Wer in reichen Verhältnissen aufwächst, wo die Eltern Unternehmen, Immobilien oder Aktien haben, der erbt später oft ein erhebliches Vermögen. Darüber hinaus kriegen die Kinder in diesen Familien meistens aber auch das nötige Wissen von ihren Eltern mitgegeben (in der Schule kriegt man das ja nicht).

Somit haben die reichen Kids nicht nur einen finanziellen sondern auch einen Wissensvorteil (Ausnahmen gibt es immer).

Fazit

Es gibt natürliche Gründe für die Armutsschere. Diese lassen sich auch nicht mit fairen Mitteln verhindern. Das ginge nur durch Zwangsenteignung der Reichen.

Darüber hinaus gibt es viele komplizierte Steuerkonstrukte, die vor allem Menschen mit viel Vermögen und den nötigen Steuerexperten nützen. Das ist nicht gerecht und ein weiterer Grund für die Armutsschere.

Hilft aber nix! Den Kopf in den Sand zu stecken bringt auch nichts. Jeder muss das Beste aus seiner Situation machen und mit den Mitteln arbeiten, die ihm zur Verfügung stehen. Finanzielle Bildung hilft dabei, die eigenen Mittel effektiver und gewinnbringender einzusetzen.

Daher ist die finanzielle Bildung die wichtigste Baustelle überhaupt, wenn es um die Schließung der Armutsschere, jedenfalls in entwickelten Ländern, geht.

Wie stehst Du dazu?

Ich freue mich über Deine Einschätzung zu diesem Thema. Was ist in Deinen Augen der Hauptgrund für das Öffnen der Armutsschere?

7 Gedanken zu „Warum die Armutsschere wesentlich von finanzieller Bildung abhängt

  1. Hallo Finanzfisch,

    Gelungener Artikel, der einigen wichtigen Treibern für die Armutsschere auf den Grund geht.

    Viele Blogger zu personal finance Themen schreiben ja auch, um finanzielle Bildung zu vermittlen. Ich selbst habe noch keine Lösung für die Problematik, dass dieser Push nicht ausreichend sein wird. Denn ohnedies Interessierte werden sich weiter schlau machen und Steuersparmodelle udgl. entwickeln. Die wirklich Betroffenen, werden allerdings nicht einmal die relevanten Blogs lesen, weshalb diese keine Wirkung entfalten. Wie siehst Du diese Problematik?

    Cheers,
    Lukas

    • Hallo Lukas,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Ich sehe diese Problematik auch. Positiv ist, dass Finanzblogs immer mehr Zulauf bekommen und dieses Thema immer mehr „im Kommen ist“. Ich beobachte in meinem Umfeld schon, dass immer mehr Menschen sich Gedanken um die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau machen. Ich glaube, dass die Niedrigzinsen, so paradox das klingen mag, dazu führen, dass mehr Menschen sich um ihren Vermögensaufbau kümmern.

      Allerdings haben Menschen, die erst einmal in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind, häufig andere Sorgen als im Internet nach einer Lösung zu recherchieren. Für mich gibt es da eigentlich nur eine Lösung: Finanzielle Bildung muss schon sehr früh in den Lehrplan an allen Schulen integriert werden. Kinder müssen von klein auf ein Verständnis dafür bekommen, was Geld ist, wie es funktioniert und wie man verantwortungsbewusst und erfolgreich damit umgeht. Aber das würde eher langfristig etwas bringen.

      Kurzfristig müsste man im Prinzip eher in die Massenmedien à la Bild, Pro7 oder Sat1 und den Schrott dort durch Themen aus dem Bereich finanzielle Bildung anreichern. Aber mit welchem Format schafft man es, dort Beachtung für das Thema zu schaffen?

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

  2. Daher sollte finanzielle Bildung Pflichtfach in der Schule werden. So können auch weniger privilegierte junge Leute das nötige Wissen aufbauen.

  3. Hallo finanzfisch,

    Ich stimme mit dir absolut überein, dass die finanzielle Bildung ein Weg wäre, die Armutsschere zu verkleinern. Jedoch verändern die Menschen zumeist erst ihre Handlungsweisen, wenn sie in der Klemme stecken.
    Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gibt es Angebote um zu kostenlosen Schuldnerberatungen zu gehen. Hier werden Einnahmen und Ausgaben genau unter die Lupe genommen und mögliche Potenziale erkannt.
    Ich glaube, dass es uns noch „zu gut“ geht und für ein Umdenken noch Zeit vergehen wird. Aber die Armut erfasst viele Menschen und gerade im fortgeschrittenen Alter sind die Möglichkeiten, sich wieder raus zu kämpfen, geringer!

    Liebe Grüße
    Florian

    • Hallo Florian,
      ich denke, dass die Schuldnerberatung zwar eine wichtige Einrichtung ist, aber hier im Prinzip viel zu spät angesetzt wird. Das ist im Prinzip so, wie einfach mehr Krankenhäuser zu bauen statt über eine gesunde Lebensweise zu informieren.

      Was fehlt ist eine großflächige Verbreitung von finanzieller Bildung. Es sollte garnicht erst dazu kommen, dass Menschen in die Schuldenfalle tappen und nur mit fremder Hilfe wieder raus kommen. Im Prinzip müsste es so eine Beratung auch für Menschen geben, die nicht verschuldet sind und gerade irgendwie klar kommen. Ich denke, dass man hier viel bewirken könnte.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

  4. Puh das Thema Steuern hast du jetzt aber etwas wirr erklärt beziehungsweise möglicherweise auch nicht richtig verstanden.

    Vor ein paar Jahren war es noch so, dass es auch für laufende Erträge die Grenze der 10% nicht gab und die Dividenden in der GmbH nur zu 5% besteuert wurden.

    Zum Thema 25%: Dividenden werden zwar nur mit 25% besteuert. Jedoch handelt es sich hierbei ja auch um Gewinn, welche auf Ebene der Gesellschaft bereits mit 30% besteuert wurden.

    Das Problem bei den Arbeitseinkünften sehe ich hauptsächlich bei den Sozialabgaben. Diese fallen Einkünften aus Kapitalvermögen weg. Gerade bei mittleren Einkommen führt dies zu einer enormen Belastung.

    • Ergänzung: Für Kursgewinne ist die GmbH noch immer interessant. Hier gilt die Grenze von 10% nicht und die Gewinne können in der GmbH steuerfrei bzw mit einer Steuerbelastung von 1,5% eingenommen werden. Sofern keine Ausschüttung erfolgt, kann die GmbH somit das Geld nahezu komplett reinvestieren.

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