Was hat Minimalismus mit Finanzen zu tun?

Als Finanzblogger ist man daran interessiert, den eigenen Kostenapparat so überschaubar wie möglich zu halten und mit möglichst geringem finanziellen Einsatz glücklich und erfüllt zu leben.

Im zweiten Teil meiner Minimalismus-Serie gehe ich darauf ein, wie Dir ein minimalistischer Lebenstil dabei hilft und wieso Minimalismus und Sparsamkeit extrem gut zusammen passen.

Was Minimalismus bedeutet

Unter Minimalismus versteht man allgemein, dass man sein Hab und Gut auf die wesentlichen Dinge reduziert. All der unnütze Plunder, der nicht wesentlich zum persönlichen Wohlgefühl beiträgt, also Ballast ist, wird abgeschafft.

Damit bedeutet Minimalismus nicht, wie oft angenommen, dass man auf dem Boden schläft und keine Möbel mehr besitzt. Vielmehr kann jeder für sich selbst entscheiden, was genau „wesentlich“ für ihn bedeutet.

Minimalismus ist also etwas sehr individuelles. Für den einen bedeuten Möbel und gerahmte Fotos von den Liebe eine echte Steigerung der Lebensqualität. Für den anderen sind es nur Staubfänger die zusätzliche Arbeit machen.

Es ist also sehr wichtig, sich zunächst mal bewusst zu werden, wie man den Minimalismus-Begriff für sich genau definiert. Dabei hilft es, mit offenen Augen und geschärftem Bewusstsein durch den Alltag zu gehen und herauszufinden, welche Dinge einem wirklich wichtig sind und welche ohnehin seit Jahren in irgendeiner Ecke zustauben.

Hat man das geschafft, geht es darum, aus dieser Erkenntnis Kapital zu schlagen.

Der erste Schritt um aus Minimalismus Kapital zu schlagen: Krempel verkaufen

Ist man sich erst mal bewusst, wieviel Zeug man angesammelt hat, das man nicht braucht und hat man sich davon überzeugt, dass man es loswerden will, so ist „Ausmisten“ der erste Schritt.

Vieles ist wirklich Schrott. Direkt auf den Müll damit oder den ein oder anderen Euro damit auf dem Flohmarkt machen.

Einige Dinge sind vielleicht wirklich wertvoll. Seien es unnötige Klamotten oder teure Technik-Gadgets, die im Laden zwar cool aussahen aber nicht wirklich in den Alltag passen oder Küchengegenstände die man doppelt oder dreifach hat.

Plattformen we eBay, shpock, reBuy* und auch Amazon* eignen sich hervorragend, um diese Dinge los zu werden. Alles andere kommt entweder auf den Flohmarkt, wird gestiftet, verschenkt oder kommt notfalls auf den Müll.

So hat man effektiv seinen Ballast abgeworfen und damit auch noch Geld verdient. Das ist der erste, wenn auch nicht der letzte, Schritt. Denn natürlich geht es noch viel weiter.

Der zweite Schritt: Mit Sinn und Verstand shoppen

Ist man seinen Ballast erst mal los sollte man darauf achten, nicht sofort wieder neuen anzuhäufen. Das wäre extrem kontraproduktiv: Dinge, die man neu kauft, kosten meistens deutlich mehr als man später dafür erhält, wenn man sie wieder veräußert. Auf Dauer ein schlechtes Geschäft.

Bei jeder Kaufentscheidung sollte man sich als von seine Gefühlen und dem impulsiven Drang, das Ding besitzen zu wollen, frei machen. Das geht am besten indem man jeden Kauf in die Zukunft schiebt.

Immer wenn ich irgendein total nützliches Ding haben möchte, kaufe ich es nicht sofort. Zunächst einmal recherchiere ich genau alle Vor- und Nachteile und natürlich auch die Alternativen. Habe ich das getan, kaufe ich noch immer nicht sondern wende eine extrem hilfreichen Trick an:

Ich schiebe die Kaufentscheidung nochmal einen Monat in die Zukunft. Wenn ich nach diesem Monat noch immer glaube, dass ich das Objekt der Begierde dringend brauche, dann kaufe ich es. Ansonsten nicht.

Das hat zwei entscheidende Vorteile: Zum Einen kann es sein, dass die Vernunft zurückkehrt und ich mich gegen den Kauf entscheide. Zum Anderen kann es außerdem passieren, dass der Preis deutlich sinkt. In beiden Fällen schützt es aber sehr effektiv vor Impulskäufen und hat mich schon vor dem ein oder anderen teuren Staubfänger bewahrt.

Schritt Zwei führt also dazu, dass man seine Ausgaben dauerhaft senkt und nicht mehr soviel sinnlosen Schrott ansammelt.

Der dritte Schritt: Räumlichkeiten an Bedürfnisse anpassen

Große Wohnungen und Häuser sind echt praktisch. Man kann Unmengen an Plunder anschaffen und das fällt noch nicht mal auf. 😉

Wenn man sich aber auf einen minimalistischeren Lebensstil zubewegt, sinken damit möglicherweise aber auch die Platzbedürfnisse. Wenn das so ist, kann man ja mal über eine Verkleinerung der Unterkunft nachdenken.

In einem erfolgreichen Leben geht es ja bekanntlich immer nur bergauf. Besser bezahlte Jobs, teurere Autos, teurere Kleidung und größere Wohnungen, Lofts oder Häuser. Das muss so sein den schließlich war es schon immer so.

Und ich kann mir schon die ungläubigen Blicken von Freunden und Bekannten vorstellen, wenn ich eines Tages in eine kleinere Wohnung oder jedenfalls in eine nicht größere ziehen sollte. Allerdings sollte man bedenken, dass häufig Miete und Nebenkosten die größten Posten in der Fixkostenaufstellung sind.

Jeder Quadratmeter weniger kann hier sowohl Miete als auch Heizkosten einsparen. Und zwar Monat für Monat. Das heißt aber jetzt nicht, dass Du mit Deiner fünfköpfigen Familie in eine Einzimmerwohnung ziehen solltest. Außer ihr fühlt euch damit wohl. 😉

Schritt Vier: Umdenken!

Vielleicht ist das auch schon Schritt Drei, darüber kann man streiten. Wenn man aber erst mal feststellt, wie wenig man eigentlich zu einem glücklichen Leben braucht oder dass Weniger manchmal sogar Mehr ist, wird man zwangsläufig die gängigen Maßstäbe und Lebensziele in Frage stellen (wenn man es als Finanzblog-Leser/in nicht eh schon getan hat).

Teure Autos oder Luxusuhren und exklusive Möbel erscheinen dann möglicherweise als reine Geldverschwendung, nicht aber als erstrebenswerter Lebensinhalt. Wieviele 100.000€ da im Laufe eines Lebens zusammenkommen, kann ich nur erahnen.

Je mehr man sich mit dem Minimalismus identifizieren kann, desto weniger wird einem der sogenannte „Verzicht“ als solcher vorkommen. Das Depot dankt.

Schritt Fünf: Minimalismus ausweiten

Minimalismus muss sich nicht nur auf physische Dinge beschränken sondern kann in fast allen Bereichen des Lebens Einzug erhalten.

Dazu gehören auch Hobbies, Beziehungen und Finanzprodukte.

Bezeihungen

Gerade bei Beziehungen neigen wir dazu, auch an ihnen festzuhalten, wenn sie uns eigentlich nicht mehr gut tun. Gerade wenn wir Freunde schon lange kennen fällt es uns schwer irgendwann einmal getrennte Wege zu gehen. Dabei ist es völlig normal, dass wir uns in verschiedene Richtungen entwickeln.

Sandkastenfreunde können als Erwachsene in völlig anderen Kreise mit völlig unterschiedlichen Interessen und Ansichten leben. Das kann toll sein, weil man sich gegenseitig durch diese Unterschiede bereichert. Wenn es aber dazu führt, dass man sich nichts mehr zu sagen hat oder sich nach jedem Treffen über die Eigenarten des Anderen aufregt, dann sollte man dankbar für die schöne gemeinsame Vergangenheit sein und in Zukunft lieber getrennte Wege gehen.

Das Leben ist zu kurz um es mit den „falschen“ Menschen und/oder Dingen zu „verschwenden“. Sich in diesem Thema richtig zu entscheiden kann sich stark auf das eigene Wohlgefühl und die verfügbare Zeit (und damit nicht zuletzt vielleicht auf auf die Finanzen) auswirken.

Finanzprodukte

Der schön diversifizierende Dachfond mit seinen unzähligen Unterfonds ist eine echt „tolle“ Sache. Zum Einen versteht ihn kein Kunde und zum anderen bringt er seinem Emittenten satte Gewinne ein.

Wenn Du aber wie ich eher auf der Anleger-Seite unterwegs bist, ist er vor allem eines: ein komplexes und teures Finanzprodukt. Auch im Finanzbereich können wir minimalistischer agieren.

Komplexe Produkte durch einfache ersetzen, teure durch günstige. Produkte, die uns viel Zeit kosten durch solche, die weitgehend automatisiert ablaufen. Evtl. statt vieler verschiedener Produkte die wir alle nicht verstehen und über die wir daher keinen Überblick habe vielleicht ein paar wenige, die leicht zu überschauen sind.

Auch im persönlichen Portfolio sammelt sich über die Jahre möglicherweise eine Menge Ballast an. Das gilt besonders dann, wenn Dritte die Portfolio-Pflege für einen übernehmen oder man jeden Trend mitmacht. Auch hier kann es sich also lohnen, mal auszumisten und dabei auch noch Geld zu sparen.

Achtung: Minimalismus heißt hier aber bitte nicht, alles auf eine Aktie zu setzen weil das ja so einfach und überschaubar ist. 😉 Diversifikation muss natürlich immer sein.

Fazit

Wenn man es richtig angestellt, kann Minimalismus einen sehr positiven Einfluss auf die Finanzen haben und ist daher definitiv etwas, mit dem man sich befassen sollte, wenn man sich intensiv mit dem Thema Finanzen und einem schnellen und nachhaltigen Vermögensaufbau beschäftigt.

Mit „Weniger“ glücklich zu sein ist in meinen Augen einer der wesentlichen Pfeiler von finanziellem Erfolg.

Nach meiner eigenen Definition bin ich noch lange kein Minimalist. Aber die Richtung stimmt schon mal und der Effekt ist bisher in jeder Hinsicht positiv. 🙂

Im letzten Teil meiner Serie werde ich Dir eine 31-Tage-Challange vorstellen, die uns dabei helfen soll, das richtige Maß „Minimalismus“ zu finden.

Wie minimalistisch lebst Du und welchen Einfluss hat das auf Deine Finanzen?

6 Comments

  1. Bei mir war der Minimalismus auch ein Anstoßpunkt mich mit meinen eigenen Zielen im Leben auseinanderzusetzen und zu überlegen, was mir wirklich wichtig ist.
    Besonders bei der Verwendung meiner Zeit hat sich die minimalistische Lebensweise stark ausgewirkt.
    So habe ich früher sehr viel Ferngesehen und Spiele gespielt und kaum etwas anderes gemacht (außer zur Schule gehen).

    Erst später ist mir dann klar geworden, dass diese Aktivitäten nicht glücklich machen und mir nur meine Zeit rauben. Später wird niemand sagen: „Ach hätte ich doch mehr Ferngesehen. Hätte ich doch mehr Tatorte angeschaut.“
    Es sind die eigenen Erlebnisse, Erfahrungen, persönliche Entwicklung und ständiges Lernen die einen weiter nach vorne bringen und immer glücklicher machen.
    Auf diesem Weg habe ich mich von vielen materiellen Sachen getrennt, die nur Ballast waren und mich nicht glücklich machten.

    Unter anderem durch diese Entwicklung kam ich dann auch darauf mich mit meinen eigenen Finanzen auseinanderzusetzen und so zu gestalten, dass sie meine Ziele im Leben unterstützen. Für viele sind die Finanzen etwas limitierendes und ärgerliches, da sie sich nicht richtig damit auseinandersetzen und jeden Monat mit dem Geld kämpfen müssen.

    Hier noch mein Beitrag zur Verknüpfung von Minimalismus und Finanzen:
    (http://finanziell-frei-mit-30.de/minimalismus-meine-sparphilosophie/)

    Schöne Grüße

    Dominik

  2. Hallo Finanzfisch,

    finde den Punkt mit dem Lebensraum sehr interessant und ich kann dies nur bestätigen. Je mehr Platz wir haben desto mehr unnützes Zeug wird angehäuft. Dies habe ich in meiner alten Wohnung gesehen und sehe ich auch in meinem Umfeld. Dies ist ein wenig auf das Parkinsonsche Gesetz zurückzuführen, nach und nach füllen wir selbst den größten Schrank.

    Persönlich sehe ich mich da aktuell etwas vor einer Herausforderung. Den ich bin im Februar in ein Haus eingezogen und versuche diesem Gesetz seit dem ein Schnippchen zu schlagen.

    Bei den Finanzen habe ich vor etwa zwei Jahren einmal ordentlich „aussortiert. Ich habe alle Produkte und Versicherungen aufgelöst und gekündigt die ich angehäuft habe und nicht wirklich in Anspruch genommen habe. Somit konnte ich meine Fixkosten deutlich senken und ich fühle mich auch um einiges besser.

    Gruß

    Christian

  3. Hallo Finanzfisch,

    wir haben auch begonnen uns mit diesem Thema auseinander zusetzen. Und es stimmt, wir oftmals bemerkt man überhaupt nicht, dass all die Dinge im Haus nur herumstehen. Inzwischen empfinde ich sogar viele Gegenstände als störend.

    Wohnungstechnisch haben wir zu viert ein Häuschen mit knapp 100 qm Wohnfläche +40 qm Nutzfläche und einer Garage extra. Für uns vollkommen ausreichend. Unter dem Dach haben wir, wenn die Kids größer werden eine Ausbaureserve von knapp 30 qm. Der Grundriss ist quadratisch praktisch gut. Für zwei Personen, wenn die Kids aus dem Haus sind, mehr als ausreichend, wobei dann jeder Erwachsene ein eigenes Zimmer für sich hätte (fraglich, ob man das braucht).
    Heizungstechnisch hat mir vor kurzem der Energieberater gesagt, dass unsere Heizkosten inkl. Warmwasserbereitung für ein Haus Baujahr 1954 exorbitant niedrig seien. Sie liegen deutlich unter 60 Euro im Monat. Zurückzuführen ist dies auf die kompakte Bauweise und eine vernünftige Dämmung (8 cm Fassade und doppelte Dämmung im Dach (Zwischensparren und Zwischenboden) Eine neue Dämmung mit ca. 20 bis 30 cm würde etwa 15 bis 25 tausend Euro Kosten. Amortisieren würde sich die Investition in etwa 50 bis 60 Jahren, wenn überhaupt. Was bei uns etwas bringen würde, währe bspw. eine Solaranlage auf dem Dach für die Warmwasserbereitung. Müsste aber auch durchgerechnet werden.
    Das lustige daran ist jedoch, dass hier hohe Investitionskosten einem geringen Nutzen gegenüber stehen würden. Daher versuche ich auch in diesem Bereich mit kleinen Lösungen einen großen Nutzen herauszuschlagen.

    VG alelab

  4. Hi!

    Der Punkt ‚Freunde ausmisten‘ stößt mir doch recht negativ auf sowohl hier als auch in der Esoterik Szene. Beziehungen einfach aufgeben weil Sie einem nicht mehr genug Nutzen in Bezug zum Aufwand geben…

    Wenn ich jemanden treffe mit dessen Art ich einfach nicht klarkomme – klar da versucht man die Berührungspunkte zu minimieren.

    Aber einen jahrelangen Sandkasten Freund einfach so ‚aufzugeben‘ weil man sich zu viel über ihn ärgert… Ich denke da wäre eher mal eine Aussprache nötig. Es ist eine Sache des Vertrauens über Probleme zu reden, gutes Feedback zu geben und es ist einer der wichtisten Punkte in einer Freundschaft (wie auch in einer Ehe) nicht gleich aufzugeben. Wer sich nicht verletzlich macht und vertrauen beweist kann auch keine tiefgehenden Freundschaften erleben. Und gerade die schwierigen Phasen (in der Sie gerade aufgeben wollen) machen aus einer oberflächlichen (gewordenen) Freundschaft eine auf die man zählen kann.

    Was materialisitische Dinge angeht stimme ich jedoch duraus zu 🙂 ob jetzt physisch im Haus, odnung auf dem PC und die eigenen Gedanken (Mindfullness Meditation) Minimalismus ist in diesen DIngen sehr erstrebenswert aber auch mit viel Arbeit verbunden ihn zu erreichen. (hoffentlich etwas weniger Arbeit es beizubehalten wo bleibt sonst die viel gepriesene Zeiterspaarniss?)

    Minimalismuss soll einem ja helfen Zeit für die Wesentlichen Dinge im Leben verschaffen. Da gehören für mich Beziehungen dazu.

    liebe Grüße
    Raven

    1. Hallo Raven,
      danke für deinen Kommentar.

      Ich denke man muss unterscheiden zwischen flüchtigen Facebook-Freunden und richtig guten Freunden aus der frühsten Kindheit. Letztere gibt man natürlich nicht so schnell auf sondern tut alles, um eine gute Beziehung miteinander zu haben.

      Aber auch da denke ich, wenn das nachhaltig nicht mehr funktioniert und man merkt, dass man sich nicht gut tut, ist es falsch auf Gedeih und Verderben diese Freundschaft am Leben zu halten nur weil sie schon so lange existiert. Im Endeffekt gibt das allen Beteiligten die Chance, die gewonnene Zeit in andere Freundschaften zu investieren, die ihnen besser tuen.

      Allerdings ist der Grad dazwischen sehr schmal und ich plädiere keinesfalls dafür, gute Freunde vorschnell aufzugeben.

      Schöne Grüße
      Tobias

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