Welche Versicherungen braucht man wirklich?

Versicherungen sind das zweite Hass-Thema der Deutschen. Direkt nach Finanzen.

Deshalb ist es nur konsequent, sich in diesem Blog auch mit dem Thema Versicherungen zu beschäftigen. Und in der Tat hängen Versicherungen auch unmittelbar mit dem Thema Finanzen zusammen.

Ich möchte mit diesem Artikel einen Überblick über Versicherungen geben, die man meines Erachtens wirklich braucht. Und ich erzähle dir, welche Versicherungen ich für überflüssig oder optional halte.

Versicherungen vs. Finanzen

Mit Versicherungen verhält es sich wie mit den Finanzen. Wir haben keine Lust, uns mit diesem drögen Thema zu beschäftigen. Es gibt viele Produkte. Die Produkte sind nur schwierig zu vergleichen.

Darüber hinaus gibt es Versicherungsvertreter, die einer konkreten Versicherungsgesellschaft angehören. Es gibt Berater, die auf Provision arbeiten und es gibt Honorarberater, die wir uns nicht leisten wollen, da wir da direkt sehen, was uns die Beratung kostet.

Jeder berufstätige Deutsche gibt einen mindestens vierstelligen Betrag für Versicherungen aus. Jedes Jahr.

Nicht oft befinden sich die Ausgaben für Versicherungen sogar im oberen vierstelligen Bereich. Teilweise sogar im fünfstelligen.

Das liegt zum Teil daran, dass wir Versicherungen besitzen, die wir nicht oder nicht mehr brauchen. Darüber hinaus haben wir einige Versicherungen seit Jahren ohne neu zu verhandeln. Diese sind meist viel zu teuer. Hinzu kommt, dass wir relativ teuren Luxus angesammelt haben, der sich ebenfalls ungünstig auf die Versicherungen auswirkt (Auto, Hausrat, …).

Als wäre das nicht genug, treibt uns dasselbe Sicherheitsbedürfnis das uns dazu bringt, das Geld auf dem Tagesgeldkonto zu behalten und nicht zu investieren ebenfalls dazu, möglichst alle wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Szenarien abzusichern.

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Was muss ich versichern?

Eigentlich musst du nur die Versicherungen haben, die gesetzlich vorgeschrieben sind.

Das sind zum Einen die Krankenversicherung und zum Anderen die KFZ-Haftpflicht, wenn du ein Auto hast. Je nach Hobbys und Lebensumständen können noch andere Versicherungen, z.B. für Hunde oder Pferde, dazu kommen. Darauf gehe ich aber an dieser Stelle nicht weiter ein.

Mit Sicherheit reicht aber dieser gesetzliche Mindestschutz nicht. Generell sollte man alle Existenzrisiken, also Risiken, die einen existenziell ruinieren könnten, versichern.

Immer, wenn du über eine Versicherung nachdenkst, frage dich, ob das, gegen das du dich da versichern willst, wirklich deine Existenz bedroht.

Beispiel: Die Zusatzversicherung fürs iPhone. Wenn das iPhone kaputt geht oder geklaut wird, kommt die Versicherung dafür auf. Sie kostet dich etwa 80€ im Jahr.

Früher hatte ich eine solche Versicherung. Mittlerweile weiß ich aber, dass das Geldverschwendung war. Zum Einen ist mir noch nie ein iPhone kaputt gegangen oder geklaut worden. Zum Anderen ist es aber auch kein existenzielles Risiko.

Natürlich ist es nicht erfreulich und die Kosten für ein neues iPhone tun weh. Aber ich werde mich dafür nicht bis ans Ende meines Lebens verschulden müssen oder mein Leben verlieren. Also ist es auch kein existenzielles Risiko.

Mit dieser Überlegung können wir uns nun die einzelnen Versicherungen ansehen.

Notwending: Die Privathaftpflichtversicherung

Zwar ist eine Privathaftpflichtversicherung keine Pflichtversicherung im gesetzlichen Sinne, jedoch empfehle ich sie dir wärmstens.

Diese Versicherung übernimmt deine Haftpflicht, wenn du jemandem einen Schaden zufügst. Dieser Schaden kann ein Sachschaden sein, also wenn z.B. dein Fahrrad gegen ein Auto fällt. Es kann aber auch ein Personenschaden sein, wenn du beispielsweise jemanden anrempelst und der vor ein Auto fällt.

Im schlimmsten Fall richtig teuer für dich werden. Kosten im sech- bis siebenstelligen Bereich können auf dich zukommen, wenn du keine Privathaftpflichtversicherung hast.

Dies kann sich schnell zu einem existenziellen Risiko entwickeln. Derartig hohe Summen kann fast niemand aus der Portokasse zahlen. Möglicherweise müsstest du einen Kredit aufnehmen oder letztendliche Privatinsolvenz anmelden, wenn du den Schaden nicht bezahlen kannst.

Daher ist eine Privathaftpflichtversicherung extrem sinnvoll. Zudem kostet dich die Versicherungen nur wenige Euro im Jahr.

Achte beim Abschluss einer solchen Versicherung auf eine ausreichend hohe Deckungssumme. Es bringt dir nichts, wenn nur wenige tausend Euro abgesichert sind. Mindestens 5 Millionen Euro sollten schon abgesichert sein. Mehr ist besser.

Kinder sind übrigens über ihre Eltern mitversichert.

Empfehlenswert: Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) versichert das Risiko, dass du unfähig wirst, deinen Beruf auszuüben. In diesem Fall würdest du von der Versicherung eine monatliche Rente bekommen, von der du deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst.

Ohne diese Versicherung würdest du vom Staat erst dann Unterstützung bekommen, wenn du arbeitsunfähig bist. Der Unterschied zwischen berufsunfähig und arbeitsunfähig liegt darin, dass du berufsunfähig bist, sobald du deinen erlernten oder studierten Beruf nicht mehr ausüben kannst, während du erst dann arbeitsunfähig bist, wenn du garnicht mehr arbeiten kannst.

Wenn du als Softwareentwickler beispielsweise nicht mehr am Computer arbeiten kannst, könnte dies ein Grund für die Berufsunfähigkeit sein. Du bist aber trotzdem noch arbeitsfähig, da du beispielsweise Teller waschen oder Zeitung austragen kannst.

Man kann argumentieren, dass die eigene Existenz auch ohne diese Versicherung nicht bedroht ist. Allerdings besteht das Risiko, dass man trotz guter Ausbildung wegen eines Unfalls oder einer Krankheit am Existenzminimum überleben muss, wenn man seinen Job nicht mehr ausüben kann.

Ich habe eine BU, die mir im Falle eines Falles bis zum Renteneintritt monatlich eine Art Rente bezahlt, von der ich mit meinem jetzigen Lebensstandard weiterleben und weiterhin etwas fürs Alter zurücklegen kann. Die Versicherung ist neben der Krankenversicherung die teuerste Versicherung, die ich habe.

Übrigens würde ich die Versicherung nicht empfehlen, wenn dein Einkommen nicht von deiner Arbeitskraft abhängt. Wenn du es geschafft hast, von deinem passiven Einkommen zu leben, bringt die Versicherung im Prinzip keinen Vorteil mehr.

Optional: Die Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung zahlt bei einem Unfall, wenn ein bleibender Schaden entsteht. Abhängig davon, wie schlimm der Schaden ist (Verlust eines Fingers, Armes, Beines) fällt die Summe unterschiedlich aus.

Für Erwachsene macht diese Versicherung meines Erachtens nur dann wirklich Sinn, wenn sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Denn sobald sich der Unfall negativ auf die Berufsfähigkeit auswirkt, springt die BU sowieso ein.

Der einzige Vorteil der Unfallversicherung wäre hier höchstens, dass man mit der Einmalzahlung Aufwände für den behindertengerechten Umbau der Wohnung oder des Autos vornehmen kann. Diese Kosten kann man im unwahrscheinlichen Fall eines solchen Unfalls zur Not aber auch selber tragen.

Unwahrscheinlich? Ja. Laut dem statistischen Bundesamt sind Unfälle nur die Ursache für 2% aller Schwerbehinderungen. Krankheiten hingegen von 82%.

Für Kinder und Senioren kann die Unfallversicherung aber durchaus Sinn ergeben, da es für diese Bevölkerungsgruppen keine Berufsunfähigkeitsversicherung gibt. Das hängt letztendlich aber sehr vom persönlichen Risiko ab. Extremsportler unterliegen einer höheren Unfallwahrscheinlichkeit als Normalos.

Optional: Die Hausratversicherung

Bei der Hausratversicherung lohnt es sich ebenfalls, gut abzuwägen.

Natürlich ist es ein heftiger Verlust, wenn das gesamte Hab und Gut abfackelt. Und es ist auch nicht schön, wenn Dinge durch einen Rohrbruch kaputt gehen oder das Fahrrad geklaut wird.

Aber: Nicht immer lohnt sich eine Hausratversicherung wirklich.

Wenn du nicht viele teure Gegenstände in deiner Wohnung hast und schlimmsten Falls auch die notwendigen Dinge einfach neu kaufen kannst, lohnt sich diese Versicherung vermutlich nicht.

Wenn du hingegen teure Designer-Möbel, teuren Schmuck oder Kunstwerke in deiner Wohnung hast, ist eine Hausratversicherung durchaus zu empfehlen.

Letztendlich geht es darum, wie sehr dich der Verlust deines Hausrats unter finanziellen Gesichtspunkten zurück wirft. Wenn du im Falle eines Falles direkt einen Kredit aufnehmen musst, um notwendige Anschaffungen zu tätigen, empfehle ich dir die Hausratversicherung dringend.

Optional: Die Reisekrankenversicherung

Sinnvoll ist eine Reisekrankenversicherung, wenn du im Ausland Urlaub machst. Diese Versicherung kommt für Behandlungen im Ausland auf, für die die Krankenkasse nicht zahlt. Außerdem übernimmt sie die Kosten für den Rücktransport aus medizinischen Gründen.

Für Singles gibt es eine solche Versicherung bereits für unter 10€ im Jahr. Als Familie ist man mit unter 20€ im Jahr dabei.

Zumindest in Jahren, in denen du einen Auslandsaufenthalt planst, solltest du eine Reisekrankenversicherung abschließen.

Aber Achtung: Normalerweise gilt die Versicherung nur für Reisen von einer Dauer bis zu 42 Tagen. Dies ist aber von Tarif zu Tarif unterschiedlich.

Manchmal werden diese Versicherung als Paket mit einer Reiserücktrittsversicherung und einer Gepäckversicherung angeboten. Das macht überhaupt keinen Sinn! Erstere lohnt sich eigentlich nur bei teureren Reisen oder wenn ein erhöhtes Ausfallrisiko (z.B. durch chronische Krankheiten) besteht.

Die Gepäckversicherung zahlt im Übrigen meistens nur, wenn du das Gepäck nicht unbeaufsichtigt lässt. Es muss dir schon gewaltsam entrissen werden, damit die Versicherung einspringt.

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Totaler Mist: Kapitallebensversicherung & Rentenversicherungen

Sowohl Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen sind Sparprodukte für die Altersvorsorge oder den Todesfall. Erstere wird zu einem bestimmten Zeitpunkt (Renteneintritt, Tod) auf einen Schlag ausgezahlt. Die Renteversicherung wird bei Renteneintritt in eine lebenslange Rente umgewandelt.

Beide Versicherungen sind aber totaler Mist. Die garantierten Zinsen sind meistens derart niedrig, dass man seinem Geld beim Verschwinden zusehen kann. Oft fallen auch noch teure Abschlussgebühren an. In meinen Augen ist ein ETF-Sparplan die deutlich bessere Wahl.

Je nach dem: Krankenzusatzversicherungen

Chefarzt-Berhandlung

Eine Versicherung, die einem Chefarztbehandlung versichert, kann man getrost vergessen. Nichts garantiert einem, dass der Chefarzt besser behandelt, als seine Untergebenen. Häufig ist es sogar so, dass der Chefarzt durch seine Pflichten viel seltener im OP steht, als andere Ärzte.

Krankenhaus Einzelzimmer

Ja es kann nervig sein, in einem Zimmer mit ein bis drei anderen Personen zu liegen. Insbesondere wenn die noch eine Familie haben, die regelmäßig zu Besuch ist.

Insgesamt bringt ein Einzelzimmer aber zu wenige Vorteile im Vergleich zu den Kosten der Zusatzversicherung. Daher ist das eher ein Luxus-Ding.

Zahnzusatzversicherung

Zähne sind ein teures Hobby. Die Zahnzusatzversicherung kann sich daher richtig lohnen, da sie den Eigenanteil senkt. Damit kann man für ein Implantat schnell mal 1500 bis 2000€ sparen. Bei einer einfachen Brücke sind es immerhin 400€.

Ich persönlich werde etwa ab meinem 35. Lebensjahr über eine solche Zusatzversicherung nachdenken. Denn je älter man wird, desto mehr kann sich diese Versicherung lohnen, desto teurer wird sie allerdings auch.

Weitere Informationen zu Krankenzusatzversicherungen kannst du diesem Artikel auf Finanztip.de entnehmen.

Fazit

Nur die wenigsten Versicherungen sind wirklich notwendig. Natürlich gibt es Produkte, die einen gegen jedes denkbare und undenkbare Risiko absichern.

Wenn man aber alle diese Versicherungen blind abschließt, muss man sich nicht wundern, wieso es mit dem Vermögensaufbau nicht so recht klappt.

Wie bei Finanzprodukten ist es auch bei Versicherungen letztendlich eine Frage der persönlichen Lebensumstände und er Risikobereitschaft, ob ein bestimmtes Produkt sinnvoll ist oder nicht.

Welche Versicherungen hast du?

Ich bin gespannt: Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Schreibe mir deine Meinung in einem Kommentar!

2 Gedanken zu „Welche Versicherungen braucht man wirklich?

  1. Hallo,
    ich vermisse in deiner Aufzählung die Risiko-Lebensversicherung. Als zur Miete wohnender Single braucht man so was nicht, aber wenn man Kinder und/oder eine noch nicht abbezahlte Immobilie hat, ist so was sehr sinnvoll. Im Todesfall stehen Kinder und/oder Partner nicht mit einem Haufen Schulden da.

    Ich finde deinen Ansatz mit der Frage nach der Existenzbedrohnung gut. Demnach müsste ich behalten: Haftpflicht-V., Berufsunfähigkeitsv.; aber meine Zahnzusatzversicherung kündigen.
    In den 3 oder 4 Jahren seit ich die Zahnversicherung habe, habe ich pro Jahr 1-2 Mal je 60 Euro für professionelle Zahnreinigung darüber abgerechnet, außerdem 2 Kronen für je mehrere hundert Euro. Deshalb behalte ich sie wohl doch noch, obwohl ich schon ob der rund 250 Euro im Jahr schlucke, die die Versicherung kostet.

    • Hallo Julia,
      guter Punkt! Eine Risiko-Lebensversicherung macht natürlich Sinn, wenn die Tilgung von Schulden wesentlich vom Einkommen einer Person abhängt. In diesem Fall wäre das ein Existenzrisiko für die Hinterbliebenen.
      Ich habe gehört, dass viele Banken bei der Eigenheimfinanzierung sogar so eine Versicherung fordern, wenn es in dieser Hinsicht ein Kreditausfallrisiko gibt.

      Ich habe diese Versicherung jedoch in diesem Artikel nicht aufgeführt, da die Notwendigkeit sehr von der persönlichen Lebenssituation abhängt. Hat man kein Eigenheim auf Kredit und/oder keine Kinder oder wenn auch eine Person alleine dafür aufkommen könnte, ist diese Versicherung nicht mehr zwingend notwendig.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

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