Seine Kollegen hassen ihn für diesen Trick: Wie der Finanzfisch dem Winter entkam

Endlich kann ich in diesem Blog auch mal eine Clickbait-Überschrift platzieren. Ich habe gehört, dass das gut ankommt. 😉

Und wie üblich für solche Artikel, hält der Inhalt nicht, was der Titel verspricht. Weder hassen mich meine Kollegen noch handelt es sich um einen Trick. Aber wenigstens dem Winter bin ich entkommen. 🙂

In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, wie es dazu kam und wie das Leben auf der anderen Seite des Äquators so ist.

Ausgangslage: Ein neuer Job

Der Ausgangspunkt für die Winterflucht war mein Jobwechsel in 2018.

Im Juli 2018 habe ich eine neue Festanstellung als Software Entwickler angenommen. Die Besonderheit hieran: Es handelt sich um eine Remote-Stelle, d.h. ich habe kein festes Büro, sondern arbeite von zu Hause, wo auch immer das gerade ist.

In 2018 waren wir erstmal mit dem Aufbau des Teams beschäftigt und auch aus privaten Gründen wollte ich noch in Deutschland bleiben. Nachdem das Team nun aber aufgebaut und verteilt ist und sehr gut zusammen arbeitet, war es an der Zeit, die mögliche Flexibilität auch mal auszureizen.

Im Dezember 2018 hatte ich dann endgültig genug von der Dunkelheit und Kälte in Deutschland und da mich im Prinzip nichts zwingt, dort zu bleiben, habe ich kurzerhand Flüge und Unterkunft gebucht und bin abgezischt.

Mentale Hindernisse

„Kurzerhand abgezischt“ stimmt eigentlich nicht ganz. Denn zunächst hatte ich mit vielen Blockaden zu kämpfen, die ich mir selber in den Weg gelegt hatte.

  • „Viel zu teuer! Das darf ich mir nicht leisten.“
  • „Das Internet ist da bestimmt viel zu langsam. Und die Latenz…“
  • „Ich werde sicherlich meinen Arbeitsplatz mit den Monitoren und allem vermissen.“
  • „Was ist, wenn es mir nicht gefällt?“

Direkt nach dem Gedanken aus dem Ausland zu arbeiten fielen mir tausend Gründe ein, warum das gar nicht klappen kann. Auch wenn ich eigentlich weiß, dass das totaler Quatsch ist.

Gerade um den Punkt „Internetqualität“ habe ich mir riesige Sorgen gemacht. Wir kommunizieren derzeit noch viel synchron über WebEx bzw. Videotelefonie. Was wäre, wenn das nicht funktioniert? Ich brauche sicherlich mindestens 50Mbit…

Daher habe ich statt ursprünglich angedachten zwei Monaten die Zeit auf 45 Tage verkürzt. Die kriege ich zur Not irgendwie mit Urlaub überbrückt, wenn das mit dem Arbeiten gar nicht klappt…

Doch obwohl ich irgendwie Angst vor der Reise hatte, wusste ich, dass ich sie machen will und auch muss. Und somit habe ich in einer Mischung aus Vorfreude und Bedenken die letzen Tage bis zum Abflug verbracht und bin genau rechtzeitig mit dem ersten Schnee abgezischt.

Die Destination

Derzeit möchten mein Team und die Firma, dass wir ungefähr in derselben Zeitzone sind. Das schränkt die möglichen Reiseziele natürlich etwas ein. Und natürlich hatte ich weitere Konstraints:

  • möglichst gutes Internet
  • möglichst günstig
  • möglichst warm

Portugal und Marokko schienen mir um diese Jahreszeit noch nicht warm genug und da ich noch schöne Erinnerungen an Südafrika hatte, wo derzeit Hochsommer ist, war das Ziel schnell gefunden.

Die meisten Touristen wollen, wenn sie an Südafrika denken, nach Kapstadt. Dementsprechend teuer, laut und touristisch ist es dort auch. Kapstadt hat schöne Ecken, ganz klar, und man kann dort auch viel erleben. Ich habe mich aber für Port Elizabeth entschieden.

Hier war ich schon mal für etwa zwei Wochen und hatte viel Spaß beim Tauchen und mit den Menschen dort. Außerdem ist es deutlich günstiger als Kapstadt.

Die Temperaturen liegen hier um die 25 Grad und meistens scheint die Sonne. In der Freizeit könnte ich hier tauchen, surfen oder einfach nur am Strand entspannen. Der Indische Ozean ist auch angenehm warm.

Die Kosten

Natürlich ist ganz klar, dass man für so eine lange Zeit besser nicht in ein Hotel geht. Viel zu teuer. Daher habe ich mich für ein günstiges Privatzimmer über AirBnB* entschieden. Mit 15€ pro Nacht ist das sogar günstiger als meine Wohnung in Lübeck. Hätte ich nicht noch die Miete dafür an der Backe, würde ich sogar Geld sparen können.

Dafür habe ich ein bequemes Bett, ein eigenes Zimmer, kann alles mitbenutzen und habe einen sehr netten Host zur Seite, der mir Tipps gibt, mit dem ich zusammen kochen kann und der stets für Unternehmungen zu haben ist. Top!

Na gut. Und dann kommt da noch der Flug der insgesamt (Hin- und Rückflug) etwa 540€ gekostet hat. Das lohnt sich natürlich nur, wenn man auch länger bleibt.

Abgesehen davon sind die Lebenskosten in Südafrika natürlich deutlich niedriger als in Deutschland. Egal ob man ausgeht oder selber kocht, man spart im Vergleich schon einiges.

Transport per Uber* kostet hier etwa so viel wie in Deutschland die Fahrt mit dem Bus. Ist halt nur viel bequemer und schneller. Unglaublich, dass wir darauf in Deutschland verzichten müssen.

Übrigens, wenn du dich über den obigen Link bei AirBnB* registrierst, erhältst Du ein Startguthaben von 25€ und ich ebenfalls eine kleine Provision. Die Registrierung bei Uber* über die Links in diesem Artikel bringt dir und mir eine Freifahrt. 🙂

Arbeiten in Südafrika

Meine größte Sorge, dass ich hier wegen des Internets nicht arbeiten könnte, löste sich in Luft auf, als ich am Montag nach meiner Anreise meinen Laptop aufklappte.

Bei 7Mbit/s Downstream und 700kbit/s Upstream habe ich mir wirklich den Kopf zerbrochen, was ich mache, wenn es nicht funktioniert. Völlig umsonst: Das erste WebEx-Meeting lief genau so gut und flüssig wie aus dem Home Office in Lübeck. Meine Kollegen bestätigten mir, dass auch sie keinen Unterschied feststellen konnten. Erleichterung.

Abgesehen davon ist mein „Büro“ hier viel schöner als zu Hause. Ich sitze nämlich den ganzen Tag draußen an der frischen Luft und ab etwa 14 Uhr scheint mir die Sonne auf den Rücken.

Sicherlich von der Ergonomie verbesserungswürdig, aber die Lebensqualität gewinnt gegen bürokratische Vorgaben.
Sicherlich von der Ergonomie verbesserungswürdig, aber die Lebensqualität gewinnt gegen bürokratische Vorgaben.

Daher bin ich hier auch viel motivierter und arbeite entgegen meiner Erwartungen sogar mehr als in Deutschland. Hier muss ich wirklich aufpassen…

Auch neben der eigentliche Arbeit in meinem Job finde ich hier mehr Motivation, an anderen Projekten wie diesem Blog zu arbeiten. So habe ich mein Pinterest ordentlich nach vorne gebracht und bin fleißig am Schreiben neuer Artikel.

Außerdem finde ich mehr Zeit zum Lesen und Lernen. Es ist fast so, als hätten die Tage hier mehr Stunden. Ich schiebe es darauf, dass es länger hell ist und es mir wegen der Sonne einfach viel viel besser geht.

Freizeitbeschäftigungen

Natürlich bin ich hier nicht nur am arbeiten. Ich hatte zwar befürchtet, dass ich im Endeffekt hier nur arbeite und nicht viel Freizeit habe, aber das hat sich absolut nicht bewahrheitet.

Ich fange meistens früh mit der Arbeit an und bin dementsprechend um 14:00 oder 15:00 Uhr fertig. Danach habe ich Zeit zum Lesen oder für Sport. Auch zum Sport habe ich hier übrigens viel mehr Lust als in Deutschland.

Manchmal gehe ich auch schon vor der Arbeit surfen. Einfach toll, morgens um kurz vor sieben in der Morgensonne auf dem indischen Ozean unterwegs zu sein. 🙂

Ansonsten steht auch das Tauchen noch auf dem Plan. Derzeit (Mitte Februar), bin ich aber noch nicht dazu gekommen, da ich gerade mehr Zeit auf das Surfen-lernen verwende. Ein Surfbrett kann man sich hier übrigens für einen halben Tag für unter 10€ leihen. Mit Neoprenanzug ist man bei knapp 15€, wobei man sich den auch sparen kann. Eine Stunde mit Privatlehrer (inkl. Board und Anzug) kostet mich etwa 14€.

Das ist also durchaus ein erschwingliches Hobby, auch wenn ich natürlich in Deutschland deutlich weniger für Hobbies ausgebe.

Port Elizabeth: Meistens sehr windig
Port Elizabeth: Meistens sehr windig

Ansonsten gehe ich auch hier viel spazieren oder laufen. Vorab hat sich bei mir das Vorurteil verankert, dass man wegen der Verkehrssicherheit und der Kriminalität hier besser nicht zu Fuß unterwegs ist, aber das hat sich bisher absolut nicht bestätigt. Jedenfalls, wenn man weiß, welche Straßen man meiden sollte. Was die Medien so mit einem anstellen…

Es läuft nicht alles nach Plan

Ich möchte auch nicht verschweigen, dass es durchaus auch ein paar unangenehme Situationen gab. So ist zum Beispiel mein Aufgabegepäck mit all meinen Klamotten erst mal in London hängen geblieben. Zum Glück hatte ich meine Laptops und Zahnputzzeug im Handgepäck.

Und nach drei Tagen kam mein Aufgabegepäck auch vollständig und unversehrt in Port Elizabeth an. Da war ich ziemlich froh, endlich Klamotten zum Wechseln zu haben. 😀

Auch gebe ich hier tendenziell doch etwas mehr Geld aus als in Deutschland, da ich öfter mit Uber fahre, wohingegen ich in Deutschland entweder zu Fuß gehe oder mit dem Rad fahre. Außerdem unternehme ich hier mehr und gehe öfter aus. Das ist zwar alles günstiger als in Deutschland, aber in Deutschland mache ich so etwas halt nicht so oft. Egal, das war mir vorher bewusst und es ist mir das auch wert.

Zwischenfazit und Ausblick

Ich schreibe diesen Artikel Mitte Februar. Dementsprechend habe ich noch fast einen Monat vor mir. Und bis jetzt kann ich sagen, dass diese Reise eine der besten Entscheidungen seit sehr langer Zeit war.

Es ist meine erste AirBnB*-Erfahrung und die ist durchweg positiv. Das eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten. 🙂

Bisher habe ich noch nicht einen einzigen Tag Urlaub genommen und dennoch fühlt sich diese Reise ganz schön nach Urlaub an. Das macht mich sehr glücklich. 🙂

Sie macht definitiv Lust auf mehr. Deshalb habe ich im April auch gleich zwei Wochen Gran Canaria gebucht. Dort ist eine Konferenz, die SoCraCan, zu der ich schon immer mal wollte und mit etwas längerem Aufenthalt lohnt sich die Anreise auch. Auch hier komme ich mit unter 20€ pro Nacht wieder sehr günstig via AirBnB* unter.

Weitere Reisen sind (noch) nicht geplant. Das größte „Problem“ ist aktuell meine Wohnung in Lübeck, die als ständiger Kostenfaktor in Kombination mit den Reisen an meiner Sparquote nagt. Hier muss ich dahin kommen, dass ich sie entweder untervermiete oder ganz aufgebe. Ich ringe derzeit noch mit mir, was die beste Entscheidung ist.

Wenn Du mehr Einblicke in meine Reise bekommen möchtest, folge mir auch auf Instagram.

10 Comments

  1. Pingback: Monatsretrospektive Februar 2019 – Der Finanzfisch

    1. Moin Marcus,
      danke für das nette Feedback. Ja es wird sicherlich auch in Zukunft noch mehr Artikel in Richtung „Reisen“ geben. 🙂

      Beste Grüße
      Tobias

  2. Toller Beitrag, man merkt richtig wie gut es dir tut!

    Bezüglich deiner Wohnung in Lübeck: Vermiete die ebenfalls bei Airbnb. Machen wir mit unserer Wohnung auch, wenn wir im Urlaub sind. Putzfrauen, die zwischendurch die Bettwäsche und die Handtücher wechseln findest du im Internet zu hauf 😀

    Beste Grüße und viel Spaß. Gran Canaria können wir sehr empfehlen!
    Alexander

    1. Moin Alex,
      danke für den Tipp. Ja über AirBnB habe ich auch schon nachgedacht. Wie macht ihr das da mit der Schlüsselübergabe und wie sind eure Erfahrungen?

      Ich habe deinen Bericht zu eurem Gran Canaria Urlaub mit Interesse gelesen. Freue mich schon richtig drauf! 🙂

      Viele Grüße
      Tobias

  3. Moin Tobias,
    danke für den schönen Bericht. 🙂 Da bekommt man richtig Lust, die Koffer und den Laptop zu packen und in die Sonne zu ziehen. Sehr inspirierend!
    Wünsche Dir noch schöne Tage in Südafrika,
    Slingsby

  4. Coole Sache, hört sich wirklich prima an! Ich fand die Leute in Südafrika auch super nett und das Leben dort weniger hektisch als in Deutschland. Auf meiner 2,5-wöchigen Reise bin ich allerdings nur durch Port Elizabeth durchgereist.

    Wenn du länger weg bist (2 Monate oder mehr) könntest du deine Wohnung auch an Studenten / Praktikanten vermieten, da kannst du die Person auch vorher kennenlernen. Ansonsten AirBnB. Schlüsselübergabe kann man z.B. mittels eines kleinen Kästchens machen das mit Zahlencode gesichert ist.

    1. Hallo Noemi, danke für deinen Kommentar. Ja in Südafrika ist alles etwas entspannter. Da muss man sich als Deutscher erst mal dran gewöhnen 😀
      Aber dann ist es super. 🙂

      Danke für die Tipps bezüglich der Wohnung. Ja AirBnB ist eine weitere Idee. Da muss ich noch mal mit meinem Vermieter sprechen.

      Viele Grüße
      Tobias

  5. Pingback: Monatsretrospektive März 2019 – Der Finanzfisch

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