Warum es (fast) egal ist, in welchem Bereich Du Dich weiterbildest

Im fünften Teil meiner Humankapital-Serie möchte ich darauf eingehen, wieso es eigentlich garnicht so wichtig ist, in welchem Bereich Du Dich weiterbildest, sondern dass es vielmehr darum geht, dass Du Dich fortbildest.

Wenn ich mit Freunden und Bekannten darüber rede, wie wichtig für mich die persönliche Entwicklung ist und dass ich der Auffassung bin, dass meine Fortbildung nach dem Studium erst so richtig los geht und dass ich viel Zeit und Energie (und auch Geld) in mein Humankapital investiere, sind die Reaktionen recht unterschiedlich.

Ein paar meiner Freunde tuen es mir gleich und lerne stetig weiter oder engagieren sich in “Side-Projects” um daraus neues Wissen oder neue Fähigkeiten zu erhalten. Ein Großteil meiner Bekannten jedoch sieht das etwas anders: “Ich arbeite schon 40 Stunden die Woche, da möchte ich dann auch mal frei haben.” oder “In meinem Fachgebiet ist es garnicht möglich, sich weiter zu entwickeln.”

Ich kann beide Argumente verstehen aber beide sind ungültig. Denn wenn man einmal davon ausgeht, dass der Bereich, in dem man sich weiterbildet garnicht so entscheidend ist, so kann man sich einfach etwas suchen, was einen zwar weiter bringt aber sich dennoch eher wie ein Hobby oder Freizeit anfühlt. Optimal ist es natürlich, wenn Hobby und Beruf nicht sehr weit auseinander liegen.

Und auch das Fachgebiet-Argument lässt sich damit natürlich wirkungsvoll entkräften. Nicht jeder hat nun mal das Glück, im Beruf etwas zu machen, das er auch mit geringem finanziellen und sonstigen Aufwand auch in seiner Freizeit praktizieren kann. Trotzdem gibt es natürlich unzählige andere Dinge, die man lernen könnte.

Die Welt ist im Wandel

Mit der Globalisierung und Digitalisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft ist alles schneller geworden. Alle Prozesse, alle Beziehungen und jede Veränderung. Quasi von jetzt auf gleich läuft ein Großteil der Bevölkerung wie bekloppt durch die Gegend und jagt virtuelle Viecher, die man nur durchs Smartphone sehen kann.

Wer hätte das vor ein paar Monaten vorhersage können? Oder vor einem Jahr?

Mit dem Aufkommen eines solchen Trends oder Hypes ergeben sich viele neue Chancen und Risiken. Werbung auf Plakaten spielt plötzlich keine Rolle mehr, da die Welt wie gebannt auf ihr Smartphone starrt. Wer hingegen ein Pokemon in seinem Café sitzen hat, ist der King. Damit einher gehend verlieren manche Berufe ihre Bedeutung bzw. ihre Daseinsberechtigung. Im Ausgleich werden neue Berufe geschaffen, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab.

Logisch, dass man vor ein paar Jahren also noch ganz andere Kompetenzen besitzen musste, als heutzutage.

Was die Zukunft bringt…

… weiß niemand so genau. Die Welt verändert sich in einem Affenzahn. Qualifikationen, die heute noch sehr gefragt sind, können morgen schon überflüssig sein.

Wir können das gut finden oder auch nicht. Dagegen weheren aber, können wir uns nicht. Wir müssen uns daran gewöhnen und damit umgehen oder sogar davon profitieren.

Wie aber stellen wir uns auf etwas ein, das wir noch nicht kennen? Garnicht.

Natürlich können wir uns in eine Richtung entwickeln die mit etwas Glück zur Zukunft passt. Eine Garantie gibt es dafür nicht. Wenn ich eine neue Programmiersprache lernen, kann es sein, dass sie in 5 Jahren in sämtlichen Projekten und Firmen zum Einsatz kommt oder aber keine Sau mehr darüber noch ein Wort verliert. Ich habe schon etliche Programmiersprachen gelernt. Und einige davon kommen heute kaum noch zum Einsatz.

Ist das schlimm? Natürlich nicht. Solang man nicht erwartet, dass die Fähigkeiten von vor 20 Jahren auch heute noch den gleichen Wert haben, ist alles gut. Wenn man sich nämlich regelmäßig weiterentwickelt hat das ein paar riesige Vorteile:

  • Man bleibt flexibel
  • Man erweitert seinen Horizont
  • Man lernt das Lernen

Flexibel bleiben

Wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, müssen wir uns anpassen. Je mehr wir daran gewöhnt sind, uns auf etwas völlig Neues und Unbekanntes einzulassen, desto einfacher fällt es uns.

In meinem Beispiel: Je mehr Programmiersprachen ich schon gelernt habe, desto einfacher fällt es mir, mit einer neuen Sprache anzufangen. Hat es früher vielleicht einen Monat gedauert, so benötige ich jetzt nur noch Stunden oder Tage um mit ihr produktiv arbeiten zu können.

In anderen Bereichen ist es genau so. Je mehr Sportarten man beherrscht, desto einfacher ist es, neue zu lernen, da man ein viel besseres Körpergefühl entwickelt.

Außerdem optimiert man den persönlichen Prozess, mit dem man in unbekannte Themengebiete vordringt und sich in etwas einarbeitet. Man wird schneller und kann sich plötzlich Dinge aneignen, die einem zuvor unmöglich erschienen.

Horizont erweitern

Ein weiterer Punkt ist wie gesagt die Horizonterweiterung. Gerade, wenn man mal etwas anderes macht als seinen Alltagsjob kommt man auf völlig neue Gedanken.

Diese helfen einem möglicherweise sogar dabei, neue Denkanstöße für die Arbeit zu bekommen oder bieten wenigstens interessanten Gesprächsstoff.

Darüber hinaus stößt man vielleicht auf Bereiche, die einem so viel Spaß bereiten, dass man sich beruflich neu orientieren möchte.

In jedem Fall diversifiziert man aber seine Fähigkeiten und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Zukunft wenigstens eine davon gewinnbringend einsetzen lässt.

Fazit

In dem wir uns vielseitig Weiterbilden bleiben wir flexibel und können uns schnell auf neue Situationen einstellen. Wenn uns eine Fähigkeit fehlt, lassen wir uns davon nicht abschrecken, da wir genug Erfahrung im Lernen haben, um dieses Defizit schnell auszugleichen oder zu beheben.

In Zeit stetiger und schneller Veränderung ist es sinnvoll, sich genau so schnell anpassen zu können. Uns selbst zu verändern und weiter zu entwickeln sorgt dafür, dass wir Veränderungen gegenüber aufgeschlossen bleiben und auch Jahrzehnte nach unserer Ausbildung noch “Schritt halten können”.

Wie stehst Du dazu?

Investierst Du auch Deine Freizeit in Dein Humankapital? Und lernst Du dann eher etwas Berufsbezogenes oder doch lieber etwas ganz Anderes?

2 Gedanken zu „Warum es (fast) egal ist, in welchem Bereich Du Dich weiterbildest

  1. Ich denke, dass mittlerweile die Zeiten sich extrem schnell verändern und dass dies besonders für die Menschen schwierig ist, die glauben man würde einmal etwas in der Ausbildung oder dem Studium lernen und dann nie mehr etwas machen müssen.
    Früher war es so, dass Du eine bestimmte Ausbildung gemacht hast und den Rest Deines Lebens dann ohne größere Probleme in Deinem Bereich arbeiten konntest.

    Wenn heutzutage sich jemand mit einem Informatikstudium von vor 10 Jahren bei einem Unternehmen bewirbt und sich seitdem nicht mehr fortgebildet hat, dann wird sein Wissen fast komplett wertlos sein. Wir stehen heutzutage vor teilweise unvorstellbar großen und schnellen Veränderungen.
    Wir können uns entweder immer weiterentwickeln und von dieser Entwicklung profitieren oder wir werden irgendwann von den anderen abgehängt.

    Dazu gibt es ein schönes Beispiel:

    “Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Wer aufhört, treibt zurück.”

    Auch werden wir keine 40-jährige Karriere bei einem einzigen Unternehmen mehr sehen, wie es früher häufig der Fall war.

    Natürlich bedeutet jede Veränderung auch immer ein Ausbrechen aus den alten Gewohnheiten, sodass viele sich nur ungern verändern. Es ist so schön gemütlich genau das immer weiter zu machen, was man bereits seit vielen Jahren macht. Einfach um dieser gefährlich verlockenden Gemütlichkeit vorzubeugen, sollte man sich einfach immer irgendwo weiterentwickeln.

    Schöne Grüße

    Dominik

    • Ja das stimmt. Durch die Globalisierung und Digitalisierung verändert sich alle rasend schnell. Alte Berufe fallen weg und neue kommen auf. Niemand weiß, was er in 10 oder 20 Jahren genau machen wird. Die einzige Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten ist, sich auf Veränderung einzustellen.

      Getreu dem Motto: “Veränderung ist die einzige Konstante.”

      Das heißt für mich: Beweglich bleiben und immer weiter Lernen um das Lernen nicht zu verlernen und um in meinem Bereich auf dem aktuellen Stand zu bleiben und auch über den Tellerrand hinaus zu blicken.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

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