Die 5 schlechtesten Berater bei der Geldanlage

In diesem Beitrag geht es nicht darum, warum Bankberater Dich nicht optimal beraten können. Statt dessen geht es um Gefühle.

Du erfährst, welche fünf Gefühle bzw. Charaktereigenschaften Dich beim Vermögensaufbau behindern und Dir kontraproduktive Ratschläge geben. Darüber hinaus erzähle ich Dir, was Du tun kannst, um Deine Emotionen in den Griff zu bekommen.

Fangen wir also gleich an!

Die 5 gefährlichsten Gefühle bei der Geldanlage

1. Angst / Panik

Dieses Gefühl wird in der aktuellen Marktlage gezielt durch die Medien adressiert: „Bald kommt der Crash!“, „So retten Sie Ihr Vermögen“, „Schützen Sie Ihr Vermögen vor dem drohenden Kollaps!“ oder auch „So entkommen Sie der Altersarmut!“.

Das Gefühl

In den zuvor genannten Beispielen wird besonders die Verlustangst angesprochen oder die Angst vor der Zukunft und der Ungewissheit. Und auch durch die aktuellen Börsenbewegungen, die im Wesentlichen nach unten tendieren, kann einem Angst und Bange werden. Insbesondere, wenn man Geld an der Börse investiert hat. Im Depot sieht man derzeit möglicherweise eine ganze Menge Rot.

Schnell kann da ein echt ungutes Gefühl aufkommen. Das kann sich steigern bis hin zu Beklemmung, Atemproblemen und Panikattacken. In einer solchen Situation siegt der instinktive Steinzeitmensch in uns über das rational denkenden Ergebnis der Evolution, zu dem wir eigentlich geworden sind. Wir reagieren instinktiv, reflexartig und ohne nachzudenken.

Das Gegenmittel

Es ist klar, dass das nur selten zum optimalen Ergebnis führt. Wäre diese Strategie so erfolgreich gewesen, hätte die Evolution sie als höchstes Gut über den Verstand gestellt. Also was tun? Anstatt die riesigen Verluste zu realisieren ist es ratsam, das Depot bzw. das Browserfenster direkt zu schließen, wenn man Angst in sich aufsteigen fühlt.

Atme erst mal durch! Überlege, warum Du Dich für den Kauf einer bestimmten Aktie / eines Finanzproduktes entschieden hast. Gilt der Grund noch immer? Fein! Dann lass alles so wie es ist. Ist Dir schon lange klar, dass der Kauf eine reine Spekulation war und Du überhaupt nicht absehen kannst, wie sich der Kurs entwickelt? Möglicherweise solltest Du dann über einen Verkauf nachdenken. Dies gilt besonders, wenn Du dann besser schläfst.

Ich war am Anfang auch sehr aufgeregt, als meine Aktien direkt nach dem Einstieg um 15% an Wert verloren hatten. Aber ich glaube an die Unternehmen und daran, dass die Aktien langfristig Gewinne abwerfen. Darum kann ich die aktuellen Turbulenzen einfach aussitzen und über die ganze Börsenpornographie in den Medien nur müde lächeln.

2. Gier

Auch dieses Gefühl wird durch Medien und Verkäufer genutzt, um Dich zum Handeln zu bewegen: „So werden Sie reich in 5 Jahren!“, „Sicher Sie sich nur noch heute 15% Rendite für 10 Jahre!“, …

Das Gefühl

Gier ist das Gefühl, immer mehr haben zu wollen. Egal wieviel man hat, man möchte mehr. Die Gier verleitet einen dazu, höhere Risiken einzugehen, um möglichst schnell möglichst große Gewinne einzufahren.

Aber damit nicht genug. Gier benebelt, wie auch die Angst, den Verstand. Rationale Einwände gegen eine Anlageklasse oder ein Produkt werden heruntergespielt oder ignoriert.

Dabei ist es unerheblich, ob die Einwände aus unserem Verstand oder von einer anderen Person kommen. Die Gier weiß auf jeden Einwand eine passenden Antwort und wenn nicht, dann liegt das mit Sicherheit an der Absurdität des Einwands und nicht etwa daran, dass an ihm möglicherweise etwas Wahres dran sein könnte.

Im Gegensatz zur Angst ist es viel schwieriger, sich selber einzugestehen, dass man gierig ist. Darum ist es auch schwieriger, diese Emotion bei sich zu erkennen und etwas dagegen zu tun.

Das Gegenmittel

Gegen manche Krankheiten gibt es kein Heilmittel, aber man kann sich vorher impfen. Bei der Gier ist es ähnlich. Mache Dir einmal bewusst, welche Faktoren Gier in Dir erwecken könnten. Bei mir wären das zum Beispiel hohe Renditeerwartungen. Wenn ich 10%, 15% oder 20% Rendite sehe, werde ich ganz aufgeregt.

Mache Dir nun klar, was die Schattenseiten sind, welche von der Gier heruntergespielt bzw. ausgeblendet werden. Im Fall der Renditeerwartung wären das die hohen Risiken. Eine hohe Rendite geht immer auch mit einem hohen Risiko einher. Niemand hat Geld zu verschenken.

Wenn Du diese Paare aus „Gut“ und „Böse“, also z.B. Rendite und Risiko, einmal verinnerlicht hast, wirst Du automatisch, wenn Du das Gute siehst, auch an das Böse denken. Somit bekommt die Gier einen würdigen Gegenspieler vorsetzen.

Mache Dir darüber hinaus klar, dass es keinen einfachen, schnellen und risikofreien Weg zum Reichtum gibt. Denn dann würde ihn ja jeder gehen.

3. Euphorie

Euphorie ist der genaue Gegenspieler zur Angst. Die Medien wissen auch, dieses Gefühl gewinnbringend einzusetzen: „Der Crash ist überstanden! Jetzt einsteigen!“, „So günstig können Sie nie wieder einsteigen!“, „Chinas Wirtschaft boomt, jetzt investieren und gewinnen!“ …

Das Gefühl

Euphorie klingt nicht nur wie eine Droge, sondern wirkt auch so. Wie auch jedes andere Gefühl, spricht die Euphorie unsere Ur-Instinke an und umgeht den Verstand.

Häufig tritt diese Emotion nicht nur bei Einzelnen auf, sondern bei ganzen Personengruppen. Beim Goldrausch in den USA war plötzlich jeder/jede voller Hoffnung, durch Gold schnell reich werden zu können. Ein Trugschluss.

Heutzutage sieht man an den Börsen ein ähnliches Bild. Steigen die Kurse, berichten die Medien und immer mehr Menschen steigen bei Höchstkursen ein. Fallen die Kurse, übernimmt die Angst und es wird verkauft.

Jetzt wird auch klar, wieso Angst und Euphorie Gegenspieler sind. Und es wird klar, wer der Ping-Pong-Ball ist, mit dem sie spielen: Du!

Das Gegenmittel

Wie auch bei der Angst, merkt man bei der Euphorie relativ schnell, dass sie dabei ist, den Verstand zu besiegen. Wenn es an  der Börse aufwärts geht und man gute Laune verspürt, ist Obacht geboten.

Investiere nicht blind, nur weil es alle tun. Oder weil die Medien sagen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Setzte Dich erst mal hin und schau Dir die Aktie oder das Produkt, in dass Du investieren möchtest, genau an.

Ist der Preis bereits stark gestiegen? Hängt das mit Medienberichten oder Ereignissen zusammen, die nur einmalig sind und deren Effekt bald wieder verfliegt? Würdest Du auch über den Kauf nachdenken, wenn Du nicht durch die Medien davon erfahren hättest? Dann kaufe nicht!

Hältst Du die Aktie für günstig? Denkst Du, dass, auf Basis der Fundamentaldaten und Unternehmensberichte, das Unternehmen wirklich unterbewertet ist? Siehst Du Chancen, dass die Aktie noch weiter steigt? Möglicherweise solltest Du dann kaufen.

Bedenke aber immer, dass eine Aktie, die durch die Medien gehypt wurde, meistens dadurch steigt, dass die Masse blind einkauft. Wenn die Masseneuphorie verflogen ist, wird die Aktie genau so schnell wieder fallen. Im Normalfall ist es für den Einstieg zu spät, wenn erst mal die Medien darüber berichten. Sei also vorsichtig!

4. Überheblichkeit

Wenn wir uns viel mit etwas beschäftigen, neigen wir dazu, uns sehr sicher damit zu fühlen. Und das ist auch gut so. Andernfalls würden wir vermutlich nie anfangen, an der Börse zu investieren. Oder allgemein damit, etwas neues ausprobieren.

Das Gefühl

Wenn wir es mit der Sicherheit jedoch übertreiben, also uns extrem sicher fühlen, oder wenn „der Erfolg uns Recht gibt“, dann ist die Gefahr groß, dass wir überheblich werden.

Beim Ski fahren und anderen Sportarten kann man dieses Phänomen häufig beobachten. Klappen die ersten einfachen Sprünge gut, fühlt man sich sicher und traut sich mehr zu. Irgendwann überschätzt man sich möglicherweise und verletzt sich.

Bei der Geldanlage ist es nicht anders. Wenn man Erfolg hat, schreibt man das dem eigenen Können bzw. der eigenen Genialität zu. Schon bald sucht man sich ertragreichere Investments, da man ja verstanden hat, wie es geht. Man investiert immer mehr und immer risikoreicher.

Bis es irgendwann nicht mehr weiter geht. Eine Blase platz, man verspekuliert sich und verliert alles, was man zuvor gewonnen hat. Einige Börsenexperten sind sich sicher, dass es nichts Gefährlicheres gibt, als beim ersten Investment Erfolg zu haben.

Ich glaube, das stimmt. Gerade in Bullenmärkten ist es sehr einfach, Gewinne einzufahren. Das hat nichts mit Können, manchmal noch nicht mal etwas mit Glück zu tun. Wenn man in einer solche Phase einsteigt, wird man Erfolg haben. Man muss unbedingt aufpassen, dass einem der Erfolg nicht zu Kopf steigt.

Das Gegenmittel

Gewöhne Dir an, auch Deine Erfolge kritisch zu hinterfragen. Und ich meine wirklich kritisch. Wir neigen dazu, Gründe für Erfolge bei uns zu suchen, Gründe für Misserfolge hingegen aber bei anderen. Tu das nicht!

Es sind Deine Finanzen, es sind Deine Entscheidungen. Jeder Erfolg oder Misserfolg liegt in Deiner Verantwortung. Du hast einem Bankberater vertraut? Deine Schuld! Du hast alles auf den todsicheren Börsentipp gesetzt? Auch Deine Verantwortung!

Wenn Du dies verinnerlicht hast, dann kannst Du die Realität schonmal nicht mehr dadurch verzerren, dass Du die Misserfolge von Dir wegschiebst. Das ist sehr gut! – Auch wenn es hart klingt!

Zurück zu den Erfolgen: Hinterfrage jeden Erfolg kritisch. Analysiere die Gründe genau so, wie Du es bei Misserfolgen tun solltest.

Haben wir gerade einfach einen Bullenmarkt? Hätte man einfach blind eine Aktie auswählen können und man wäre jetzt im Plus? Herzlichen Glückwunsch, Deine Entscheidung, einzusteigen, war richtig!

Allerdings solltest Du diesen Erfolg nicht deinem Können bei der Aktienauswahl zuschreiben. Schließlich hätte fast jede andere Aktie ähnlich gut performt.

Schau Dir immer auch andere Aktien an. Haben andere Aktien noch besser abgeschnitten? Frage Dich, wieso Du nicht in sie investiert hast. Schnell wirst Du merken, dass Deine Entscheidung zwar gut, aber nicht perfekt war. Das wird Dir helfen, auf dem Boden zu bleiben. Freuen darfst Du dich natürlich trotzdem! 😉

5. Neid

Last but not least: Der Neid – Nicht nur eine Todsünde, sondern auch ein riesiges Hindernis bei der Vermögensbildung.

Das Gefühl

Von Klein auf werden wir mir anderen verglichen und vergleichen uns auch selbst. Als Kinder entwickelt sich Neid auf das Spielzeug der anderen oder auf die guten Noten. Später neiden wir anderen dann den Job oder das Auto und gönnen ihnen die Erfolge nicht.

Für Kinder ist Neid vielleicht noch okay. Schließlich kann er sie dazu antreiben, für etwas zu kämpfen oder zu arbeiten. Das kann immer dann gut sein, wenn man keine eigenen Ziele hat. Du hast eigene Ziele? Dann wird Dich der Neid an ihrer Erreichung hindern.

Der Neid verleitet uns dazu, immer auf andere zu schauen und uns an denen zu orientieren: Der Nachbar hat ein neues Auto? – Ich brauche auch eins!

Das führt dazu, dass wir uns Dinge anschaffen, die wir eigentlich doch nicht wirklich brauchen. Somit verschwenden wir bares Geld. Darüber hinaus versäumen wir es, an uns zu arbeiten, wenn wir immer nur auf andere schauen. Damit verringert sich unser persönlicher Fortschritt und wir erreichen unsere eigenen Ziele nicht.

Bestenfalls erreichen wir die Ziele der anderen, wenn wir ihnen nacheifern.

Das Gegenmittel

Dabei ist es ganz einfach: Jeder bekommt das, was er verdient und jeder bekommt das, wofür er arbeitet. Wenn wir erstmal verinnerlicht haben, dass wir für alle unsere Erfolge und Misserfolge selbst die Verantwortung tragen, können wir Anderen im gleichen Maße auch ihre Erfolge gönnen. Denn auch sie sind genau wie wir, selbst verantwortlich.

Wenn Du merkst, dass Du neidisch auf jemanden wirst, frage dich, woran das liegt? Was ist der Auslöser? Das neue Auto?

Möglicherweise hat er hierfür einen Kredit aufgenommen und sich verschuldet. Das willst Du nicht! Möglicherweise hat er lange und hart dafür gearbeitet und darauf hin gespart. Das kannst Du auch! Gönne es ihm und nimm ihn als Vorbild, wenn Du ebenfalls ein Auto willst.

Oder erinnere Dich daran, warum Du kein Auto hast. Hast Du Dich bewusst dagegen entschieden, weil Du andere Ziele hast? Perfekt! Gönne Deinem Nachbarn sein Auto. Aber das war sein Ziel, nicht Deins!

Natürlich gilt das nicht nur für das Auto. Auch wenn jemand sehr schnell sehr reich geworden ist oder allgemein wohlhabend ist, kann es passieren, das man neidisch wird.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch okay. Man kann ja evtl. etwas von ihm lernen oder sich von seinem Weg inspirieren lassen. Auf keinen Fall sollte man das Gefühl aber ins Negative umschwenken lassen und ihm seinen Erfolg nicht gönnen oder ihn verachten. Denn dann wird man nicht von seinem Wissen profitieren können und darüber hinaus auch nicht glücklich sein.

Zusammenfassung

Die 5 Gefühle bzw. Charaktereigenschaften

  1. Angst
  2. Gier
  3. Euphorie
  4. Überheblichkeit und
  5. Neid

sind schlechte Berater in Sachen Finanzen. Auch in anderen Dingen solltest Du Dich nicht von diesen Gefühlen lenken lassen.

All dieses Gefühle haben eins gemeinsam: Sie benebeln Deinen Verstand und hindern Dich daran, rational zu denken. Das heißt: Immer wenn Du eine dieser Emotionen in Dir spürst, mache Dir bewusst, was der Auslöser ist und was dies zu bedeuten hat. Du kannst diese Gefühle dann als Indikatoren nutzen, und dennoch mit dem Verstand arbeiten.

Ich halte es für sehr wichtig, dies verinnerlicht zu haben. Nicht nur in finanziellen Angelegenheiten, sondern auch im beruflichen und privaten Alltag hilft es Dir, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Somit wirst Du langfristig erfolgreicher sein.

Nun zu Dir!

Ich hoffe, dass Du aus diesem, etwas anderen, Beitrag etwas für Dich mitnehmen konntest.

Kennst Du Situationen, in denen Dich Emotionen zu etwas bewegt haben, was du im Nachhinein nicht tun wolltest? Wie bist Du damit umgegangen?

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Bild: geralt (pixabay.com)

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