P2P-Kredite als Geldanlage

In diesem Beitrag geht es darum, was Peer-To-Peer-Kredite (P2P-Kredite) sind und wie man sie für die eigene Geldanlage nutzen kann. Ich erkläre Dir, welche Gefahren bzw. Nachteile es gibt und welche Vorteile Du als Anleger hast.

Getreu dem Motto „Schulden darf man nicht haben, aber man darf sie besitzen.“ geht es in diesem Beitrag nur um die Sicht des Geldanlegers und nicht um den Standpunkt des Kreditnehmers.

Dieser Artikel enthält die allgemeinen Hintergrundinformationen zum Thema P2P-Kredite. Meine eigenen Erfahrungen in dieser Anlageklasse mit der Plattform Bondora* werde ich in zukünftigen Artikeln im Detail diskutieren.

Was sind P2P-Kredite?

Wäre dies eine Clickbait-Seite, hätte der Titel dieses Artikels in etwa so geklungen:

Das Geheimnis, für dass Dich die Banken hassen!

Denn als Anleger in P2P-Kredite trittst Du als Kreditgeber auf und übernimmst somit die Position, die andernfalls meistens durch eine Bank ausgefüllt wird. Das Prinzip basiert auf der Macht der Crowd. Einer alleine kann einen Kredit möglicherweise nicht finanzieren oder möchte dies nicht aus Diversifikationsaspekten.

Mehrere Anleger können aber zusammenlegen, um ein  Projekt gemeinsam zu finanzieren. Dadurch investieren alle Anleger nur einen Teil der Kreditsumme. Wenn die komplette Summe zusammengekommen ist, wird sie an den Kreditnehmer ausgezahlt.

Für den Kreditnehmer ist es hierbei unerheblich, ob er einen oder viele Geldgeber hat. Der Kredit wird im Idealfall dann mit den zuvor festgelegte Raten monatlich getilgt und die Kreditgeber gemäß ihrer Beteiligung ausbezahlt.

Um Kreditgeber und Kreditnehmer zusammenzuführen und den Finanzierungsprozess zu organisieren, haben sich viele Plattformen im Internet hervorgetan, die es Kreditgebern denkbar einfach machen, ihr Erspartes mit fantastischen Renditeerwartungen zu investieren.

Auch für Kreditnehmer sind diese Plattformen trotz der hohen Zinsen anscheinend reizvoll. Vermutlich, weil sie unkompliziert funktionieren und man nicht immer alle Angelegenheiten zur Bank tragen muss. Aus Kostenaspekten lohnen sich P2P-Kredite aber häufig nur für Anleger. Denn: Je nach Risiko-Klasse sind die Kosten für den Kredit deutlich höher, als die Dispozinsen auf dem Konto.

Chancen für Anleger

Welche Chancen bzw. Vorteile ergeben sich nun, wenn man in dieser Anlageklasse investiert?

Die Renditeerwartungen sind in der Regel deutlich höher, als auf dem Tages- oder Festgeldkonto. Auch mit Aktien bzw. ETFs können P2P-Kredite mithalten oder deren Rendite sogar noch übertrumpfen.

In jedem Fall sind P2P-Kredite aber eine interessante Ergänzung für das Portfolio eines Anlegers, da die Korrelation zwischen Aktienmärkten und Konsumkrediten bestenfalls gering ausfallen dürfte. Somit können P2P-Kredite die Diversifikation, also die Risikostreuung, Deines Portfolios erhöhen.

Darüber hinaus kann man in Projekte investieren, die man für unterstützenswert erachtet und somit einen Menschen in der Erfüllung seiner Wünsche, Träume oder Pläne weiter bringen. Dies kann ein sozialer Aspekt sein, den man in anderen Geldanlageprodukten nicht hat.

Ein gegensätzlicher Vorteil ergibt sich durch die Portfolio Builder oder Manager, die P2P-Kredit-Plattformen häufig anbieten. Diese automatische Tools können einem die Kreditauswahl abnehmen. Man hat also die Möglichkeit, die Investition auf Autopilot zu schalten und hat damit nur einen sehr geringen Zeitaufwand.

Risiken und Nebenwirkungen

Natürlich ist diese, relativ neue, Anlageklasse nicht ohne Risiken. Dieser Risiken muss man sich immer bewusst sein. Es ist okay, wenn Du für Dich entscheidest, dass diese Anlageform ungeeignet ist!

Als Anleger hat man bei Krediten immer das Risiko, dass diese nicht mehr zurückgezahlt werden können und somit das investierte Geld verloren ist. Daher ist es unabdingbar, möglichst breit zu diversifizieren und nicht sein gesamtes Geld in wenige Kredite zu packen.

Darüber hinaus kann es neben Totalausfällen auch zu Verzögerungen von mehreren Monaten bis hin zu Jahren kommen, wenn ein Kreditnehmer säumig wird. Die Plattformen versuchen zwar, die Kredite einzutreiben, aber das kann dauern und muss nicht immer erfolgreich sein. Man sollte also immer nur Geld investieren, dass man nicht braucht.

Darüber hinaus muss man sich bei Krediten im Klaren sein, dass das Geld für die Laufzeit des Kredits nicht mehr verfügbar ist. Zwar erhält man normalerweise laufende Rückzahlungen, den Gesamtbetrag erhält man aber erst am Ende zurück.

Zwischendurch auszusteigen ist also sehr schwierig. Zwar bieten einige Plattformen einen Zweitmarkt an, auf dem man seine Kreditanteile verkaufen kann, jedoch muss man hier deutliche Abschläge in Kauf nehmen.

Last but not least kann es je nach Plattform auch zu einem Verlustrisiko durch den Ausfall der Plattform kommen. Dies gilt im Besonderen dann, wenn das Geld nicht durch eine Bank gesondert verwaltet wird. Es kann also immer das Risiko geben, einen Totalverlust zu erleiden. Hier musst Du Dich als Anleger vorab genau informieren und Dir der Risiken, die Du eingehst, bewusst sein. Dann gibt es auch keine bösen Überraschungen!

Mein Fazit

Für mich sind P2P-Kredite eine sehr interessante Anlageform und eine gute Ergänzung zu den klassischen Produkten. Derzeit bin ich jedoch lieber noch etwas vorsichtiger und habe mir ein Maximalvolumen von 1000€ gesetzt, dass ich über eine Plattform investieren möchte. Wenn es einige Zeit gut läuft, werde ich möglicherweise über weitere Plattformen investieren oder das Volumen auf einer Plattform erhöhen.

Natürlich sind 1000€ gerade am Anfang schon ne Menge Geld. Der Grund, wieso ich mit bis zu 1000€ anfange und nicht nur mit 5 oder 25€, liegt in der Diversifikation. Wenn ich in genau einen Kredit investiere, kann dieser ausfallen oder auch nicht. Ich erhalte also die erwartete Rendite für diesen Kredit oder mache Verlust. Etwas dazwischen gibt es nicht. Aber was sagt mir das? Nix!

Erst wenn ich in mehrere Kredite investiere, ergibt sich ein belastbares Gesamtbild. Einige Kredit werden ausfallen, andere nicht. Daraus resultiert eine Gesamtrendite, die nicht nur auf einer einzigen Stichprobe basiert, sondern auf vielen verschiedenen Krediten. Damit habe ich eine Streuung über Risikoklassen, Laufzeiten, Länder, Kreditnehmer, Projektarten etc.

Die Zahl (Rendite), die ich dann sehe, ist vermutlich sehr viel belastbarer, als die Zahl, die ich sehe, wenn ich in einen einzigen Kredit investiere. Dies ist vergleichbar mit der Investition in eine Aktie versus einer Investition in einen ETF.

Darüber hinaus kann der Portfolio Manager mit mehr Geld besser diversifizieren und einen Risiko-Ausgleich vornehmen. Darüber hinaus können die monatlichen Rückflüsse direkt reinvestiert werden, wenn sie in der Summe den Mindestbetrag für eine neue Investition ergeben.

Beispiel: Der Mindestbetrag ist 5€ und ich habe bereits in 40 Projekte investiert, die 3 Jahre, also 36 Monate laufen. Insgesamt habe ich also 40 x 5€ = 200€ investiert. Nach einem Monat wird die erste Rate bei allen Krediten fällig. Also 40 x 5€/35 ≈ 5,71€. Diesen Rückfluss kann ich direkt wieder investieren.

Durch diesen Ansatz profitiere ich langfristig vom Zinseszins. Achtung: Im Beispiel habe ich die Rendite der Einfachheit halber weggelassen. Wichtig ist, zu sehen, dass dieses Reinvestieren nicht klappt, wenn ich nur 4,50€ erhalten hätte. Die lägen dann einen Monat unverzinst auf dem Konto.

Nun zu Dir!

Wie stehst Du zum Thema P2P-Kredite? Hast Du schon Erfahrungen damit gemacht und welche Plattformen nutzt Du?

Bild: geralt (pixabay.com)

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