Verhandlung des Tagesgeld-Zinses

Natürlich bin ich immer daran interessiert, meine Fixkosten gering zu halten oder weiter zu senken. Daher vergleiche ich regelmäßig meine Tarife für Internet, Handy und Strom. Warum das sinnvoll ist, erklärt euch freaky finance. Und damit habe ich auch schon hohe Summen gespart.

Auf der anderen Seite habe ich aber auch immer versucht, bei den Tagesgeld-Konditionen etwas mehr herauszuholen. Entweder durch einen Wechsel des Anbieters oder in dem ich verhandelt habe.

Verhandlungen im letzten Jahr

Vor etwa einem Jahr wollte die Consorsbank* meinen Zinssatz von etwa 1,00% auf fast 0,00% senken. Zugleich hat man aber Neukunden über 2% Zinsen angeboten, wenn sie mit einem Depot kommen.

Ich hatte also eine super Vorlage. Mein Argument: Wenn Neukunden mit einem Depot kommen und 2% erhalten, so könnte ich doch auch 2% bekommen wenn ich als Bestandskunde mit meinem Depot bleibe. Schließlich wäre es ja absurd, wenn die Bank mich dafür belohnen würde, wenn ich ein Jahr woanders hingehe nur um dann zurück zu kommen.

Nach zwei Telefonaten und einigen E-Mails konnten wir uns immerhin darauf einigen, dass ich für ein weiteres Jahr 1% erhalte.

Ich war sehr stolz darauf, etwas ausgehandelt zu haben, aber rückblickend war das natürlich quatsch. Bei durchschnittlich vielleicht 5.000€ auf besagtem Konto macht die Zinsdifferenz absolut gesehen 50€ aus. Da ich etwa eine Stunde „verhandelt“ habe, ergibt sich ein Stundenlohn von 50€. Gar nicht mal schlecht, aber auch nicht wahnsinnig gut.

Verhandlungen in diesem Jahr

Direkt nach den Verhandlungen im letzten Jahr habe ich mir eine Erinnerung gesetzt, um auch in diesem Jahr wieder tätig zu werden und dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.

Ein Blick auf die Seite der Consorsbank: Die Konditionen für Neukunden sind ähnlich wie im letzten Jahr. Vielleicht könnte ich also weiterhin 1% aushandeln.

Aber lohnt sich das? Seit kurzem habe ich ja auch die Möglichkeit, bei MoneYou* Tagesgeldkonten zu führen. Dort würde ich immerhin 0,5% erhalten.

Wenn ich bei der Consorsbank jetzt wieder 1% rausschlage, wären das 0,5% oder etwa 25€ mehr. Das lohnt sich kaum noch!

Daher habe ich mich in diesem Jahr dazu entschlossen, nicht lange zu verhandeln. Ich habe lediglich eine kurze E-Mail an die Consorsbank geschrieben mit der Bitte, den Zinssatz nicht zu senken und den gleichen Argumenten wie im letzten Jahr. Vielleicht klappt es ja. Und wenn nicht, dann liegt das Geld in Zukunft vielleicht bei MoneYou.

Die Lehre daraus

Lange Rede kurzer Sinn: Jedes Ersparnis und jeder Gewinn muss immer in Relation zur investierten Zeit betrachtet werden.

Es macht rein rechnerisch keinen Sinn stundenlang zu verhandeln um am Ende 25€ mehr auf dem Konto zu haben. Ich muss für mich persönlich öfter daran denken, Gewinne auch in Relation zum Aufwand zu setzen, da man sich hier leicht selbst betrügt.

Das Aber

Allerdings machen mir solche Verhandlungen auch irgendwie Spaß. Und Verhandlungen um Kleinigkeiten sind ein gutes Training für den Tag, an dem es mal um etwas größeres, wie z.B. ein Haus, geht.

Außerdem darf das Argument des Stundensatzes eigentlich nur gelten, wenn man 24/7 gegen Bezahlung arbeiten könnte und wollte. Und da dies bei mir nicht der Fall ist, könnte ich theoretisch in meiner Freizeit auch länger um kleine Beträge feilschen.

Ich finde es nur wichtig, dass man sich dieser Tatsache bewusst ist.

Fazit

Bei den aktuellen Niedrigzinsen loht es sich kaum, lange Zeit nach alternativen Banken zu suchen, regelmäßig zu wechseln oder lange mit dem bisherigen Anbieter zu verhandeln.

Statt dessen sollte man die Zeit lieber sinnvoll verwenden und zum Beispiel einen passenden ETF auszuwählen, die nächste Aktie bewerten oder einfach mal arbeiten. 😉

Bist Du eher schonungsloser Verhandler oder wägst Du Zeitaufwand und zu erwartenden Gewinn ab?

10 Gedanken zu „Verhandlung des Tagesgeld-Zinses

  1. Du merkst vollkommen richtig an, dass das Argument mit dem Stundensatz theoretisch nur bei 24/7 bezahlter Arbeit gelten kann und der extra gewonnene Betrag, ein extra Freizeitverdienst ist und in Relation mit der investierten Zeit stehen soll. Das ist bei jedem anders.

    Ich habe mir schon vor längerer Zeit angewöhnt, solche „Extra-Freizeit-Gewinne“ gezielt in einen dafür bestimmten Sparplan anzulegen. Für mich sind demnach 10 EUR immer ca. 15,60 EUR, bzw. die hier erwähnen 25 EUR sind schon knapp 39 EUR (Anlagebetrag 10 Jahre, 5% Dividende, 1,5% Ausgabeaufschlag, 0,3% TER, kein Kurszuwachs).
    Anders herum bekommt man 10 EUR in 10 Jahren heute für ca. 6,40 EUR oder den Mindestlohn von 8,84 EUR für 5,68 beim selben Modell. Jeder kann hier beliebig sein Zahlen-Modell ansetzen.

    In die Anlage dieses ETF wandert so ziemlich alles, was ich aus Bequemlichkeit bzw. ohne Nachfragen nicht erhalten hätte (Rabatte, Cash-Back, Gutscheine, Werbeprämien, …). Das ist also mein sogenannter HH-ETF (HH steht hierbei für „Hintern hoch“).

    Vorgehensweise: Einmal ein ETF-Sparplan eingerichtet und sofort ruhen lassen. Mit Einmalzahlungen ab 25 EUR kann dieser super nach und nach bespart werden. Das geht auch bei der Consorsbank.

    Zugegeben, meine Schwelle für die Bezahlung meines Freizeitwertes liegt unterhalb Deiner. Es ist aber irre, was sich da so mit der Zeit zusammenläppert und das nur durch Nachhaken, Verhandeln und Boni.

    Bei Dir sind es innerhalb von etwas mehr als einem Jahr – nur auf diesen Fall bezogen – schon zwischen 75 und 100 EUR, je nachdem wie die aktuelle Verhandlung ausgeht. Bleib dran, nimm die 25 EUR auch noch mit, denn das sind knapp 40 EUR in 10 Jahren!

    ReLindoMan

    • Hi ReLindoMan, ich finde die Idee auch super. Einfaches Nachfragen hat allerdings diesmal nichts gebracht. Ich müsste also das längere Gespräch mit der Hotline suchen oder mich auf eine langwierige E-Mail-Diskussion einlassen.

      Das kostet mich Zeit, die ich weniger in andere Dinge stecken kann. Dazu gehören neben der Arbeit auch Dinge wie Sport, Ernährung, Blog, Lernen. Das sind alles Dinge, die nicht unmittelbar Bares abwerfen. Langfristig ist diese Zeit aber auch nicht verloren, sondern bringt wahrscheinlich auch „Zinsen“. Sei es, weil sich mein Marktwert erhöht oder weil ich weniger Zeit und Geld beim Arzt lasse.

      Das lässt sich natürlich nicht in konkrete Zahlen fassen, aber man darf diesen Wert eben auch nicht mit Null bewerten. 😉

      Beste Grüße
      Der Finanzfisch

  2. Meine HH-ETF heißt Kleinviehkasse. In diesem Jahr kommen ungefähr 1,5 Tageslöhne zusammen (Jahresnetto geteilt durch 230 Arbeitstage). Schön, mal zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die so tickt. Im Bekanntenkreis würde ich davon nichts erzählen. Danke!

    • Hi Tanja,
      ja manchmal ist man verwundert, wie einfach es ist, etwas rauszuhandeln. Früher habe ich mich immer nicht getraut, aber mittlerweile bin ich da besser geworden. Mir hat dabei das Buch (Hörbuch) „Deal! Du gibst mir, was ich will“ von Jack Nasher* sehr geholfen.

      Dieses mal hat es bei der Consorsbank mit einer einfachen Mail leider nicht geklappt. Und mehr Zeit wollte ich wegen der geringen Summe, um die es geht, dieses mal auch nicht investieren 😉

      Beste Grüße
      Tobias

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