Wieso überhaupt passives Einkommen? Vor- und Nachteile von passiven Einkommensströmen

Heute erscheint der vierte Teil der sechsteiligen Artikelserie zum Thema Passives Einkommen, welche von den Blogs Meine finanzielle Freiheit und Der Finanzfisch in Kooperation im Ping-Pong-Verfahren veröffentlicht wird.

Solltest Du einen der vorherigen Artikel verpasst haben, kannst Du ihn hier nachlesen:

Nachdem mit Artikel 3 nun geklärt ist, dass passives Einkommen ohne aktive und harte Arbeit eine Illusion ist, stelle und beantworte ich heute mal die Frage, was dieses ganze Gerede um passive Einkommensquellen überhaupt soll und welche Vor- und Nachteile ein passives Einkommen gegenüber aktiven Quellen hat.

Das Problem mit der Einkommens-Abhängigkeit

Wir alle sind von unserem Einkommen abhängig. Jeder Mensch braucht Geld oder andere Güter, die er gegen Waren und Dienstleistungen tauschen kann. Jedoch haben die meisten Menschen nur einen Job und oft auch nur eine Einkommensquelle.

Damit hängt ihr gesamter Lebensstandard an einem einzigen Faden. Fällt der Job weg, entfallen 100% des Einkommens. Das verkraftet keiner so leicht.

Als finanziell versierter Leser weißt Du, dass Diversifikation bei der Geldanlage extrem wichtig ist, um sich vor einem Totalausfall zu schützen. Und natürlich gilt dies auch in anderen Lebensbereichen. Beim Einkommen denkt ein Großteil der Menschen jedoch nicht daran.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Die Eltern und Großeltern hatten auch schon nur einen Job.
  • Der Job ist ja soo sicher.
  • Bei einem Job mit 40 Stunden pro Woche zzgl. Überstunden bleibt einfach keine Zeit über andere Einkommensquellen nachzudenken geschweige denn, dafür zu arbeiten.

Denkt man aber darüber nach, erscheint es schlichtweg wahnsinnig, seinen gesamten Lebensstandard und die Lebensplanung von einem einzigen Arbeitgeber abhängig zu machen.

Wie diversifiziert man die Einkommensquellen?

Mehrere Einkommensquellen klingen in der Theorie ja schön und gut. Wie aber soll ich als Angestellter parallel ein weiteres Einkommen erhalten. Ich kann ja schlecht nur Halbzeit und dafür für zwei Arbeitgeber arbeiten.

Und auch mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten ist auf Dauer wenig praktikabel und höchst ungesund.

Als Selbstständiger sieht es da etwas besser aus: Man kann für mehrere Kunden arbeiten und hat somit viele verschiedene Einkommensquellen. Perfekt diversifiziert also? – Wohl kaum.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass alle Kunden gleichzeitig abspringen, hängt noch immer das gesamte Einkommen von der persönlichen Arbeitsleistung ab. Im Fall einer temporären oder dauerhaften Berufsunfähigkeit oder wenn Du einfach keinen Bock mehr auf die Arbeit hast, fällt das komplette Einkommen weg.

Daher führt schlussendlich kein Weg an Einkommensquellen vorbei, die nicht 1:1 von der persönlichen Arbeitsleistung abhängen. Passive Einkommensquellen also.

Vorteile von passiven Einkommensquellen

Die Gedanken im vorherigen Abschnitt zeigen, dass passive Einkommensquellen im Prinzip der einzige Weg zu einer guten Diversifikation/ Absicherung des Einkommens sind. Damit ergeben sich eine Reihe von Vorteilen:

  1. Altersvorsorge
  2. Versicherung
  3. Flexibilität und Freizeit
  4. Skalierbarkeit

um nur einige zu nennen.

1. Altersvorsorge

Es sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben, dass nach Renteneintritt ohne weitere Vorsorge eine riesige Lücke zwischen dem letzten Gehalt und der zu erwartenden Rente klafft.

Je mehr zins- oder systembasiertes passives Einkommen man also bis zum Renteneintritt generieren konnte, bzw. je stärker die Quellen nach Renteneintritt noch sprudeln, desto weniger muss man seinen gewohnten Lebensstandard einschränken.

2. Versicherung

Die Deutschen geben Unmengen für Versicherungen aus:

  • Kasko
  • Hausrat
  • Berufsunfähigkeit
  • Rente

sind nur ein paar der Dinge, die wir absichern können. Und wir tun es oft auch. Das hat nicht selten drei- bis vierstellige monatliche Beiträge zur Folge, die im besten Fall, nämlich wenn wir die Versicherung nicht brauchen, in den Taschen der Versicherer verbleiben.

Fakt ist, dass man sich aber im Prinzip alle der obigen Versicherungen sparen kann (und noch einige mehr), wenn man über ein gutes finanzielles Polster und passive Einkommensquellen verfügt.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert beispielsweise das Risiko ab, dass ich aus welchen Gründen auch immer berufsunfähig werden und mit meinem Beruf daher kein Einkommen mehr generieren kann. Wie hoch ist aber mein Risiko, wenn 100% meiner Kosten bereits durch ein passives Einkommen gedeckt sind? – Ungefähr Null. Ich kann mir diese Versicherung dann also sparen und die Beiträge lieber in einen ETF stecken.

Passives Einkommen kann also auch als eine Art eigene Versicherung dienen. Das ist charmant, da man im besten Fall diese Versicherung nicht benötigt, das Geld aber dennoch in der eigenen Tasche hat.

Disclaimer: Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn man den entstandenen Schaden wirklich aus der eigenen Tasche begleichen kann. Eine Haftpflichtversicherung z.B. solltest Du dennoch haben, da hier schnell Schäden in Millionenhöhe entstehen können.

3. Flexibilität und Freizeit

Sprechen wir mal von etwas Schönem: Je mehr Deiner Kosten Du auch ohne Arbeitseinsatz decken kannst, desto flexibler bist Du.

Du kannst weniger arbeiten, garnicht mehr arbeiten oder Deine Arbeitskraft einfach für andere Ziele und Projekte einsetzen.

Vielleicht denkst Du über einen Berufswechsel oder die Selbständigkeit nach? Das ist natürlich viel einfacher, wenn der Druck der monatlichen Fixkosten so gering wie möglich ist.

4. Skalierbarkeit

Last but not least: Aktives Einkommen lässt sich nur sehr schlecht bis garnicht skalieren. Ich kann als Softwareentwickler noch so gute Software entwickeln und noch so hart und viel arbeiten. Irgendwann ist meine Kapazität erschöpft und der maximale Stundensatz ausgereizt. Für Maurer, Dachdecker und Finanzberater gilt natürlich exakt dasselbe.

Passive Einkommensquellen (insbesondere systembasierte) können ein Weg sein, die Arbeitszeit und das Einkommen zu entkoppeln. Zwar benötigen diese Quellen initial harte Arbeit und viel Zeit, wenn sie dann aber erst mal funktionieren, kann man die eigene Arbeitszeit reduzieren und neue Projekte (die nächste Quelle) in Angriff nehmen.

Damit ist es, jedenfalls in der Theorie, möglich, ein deutlich höheres Einkommen als mit der Ausübung des Berufs zu erhalten.

Nachteile von passiven Einkommensquellen

Ehrlich gesagt ist es mir gar nicht so leicht gefallen, wirkliche Nachteile zu finden. Zwecks Vollständigkeit liste ich aber hier die Aspekte auf, die potentiell nachteilig sein könnten.

  1. Gesellschaftliche Akzeptanz
  2. Vereinbarkeit mit dem Beruf
  3. Lücke im Lebenslauf
  4. Harte Arbeit

1. Gesellschaftliche Akzeptanz

Mir kommt es so vor, als würde man immer komisch angesehen werden, wenn man mit Mitte Zwanzig bereits darüber nachdenkt, wie man möglichst unabhängig von der Festanstellung wird.

Und wenn man dann erst davon redet, etwas aufbauen zu wollen, was irgendwann auch ohne die eigene Arbeitskraft Geld abwirft, möchten einen Freunde und Familie am liebsten zwangseinweisen.

Bestenfalls wird man als faul oder asozial bezeichnet, da man anstrebt, auch ohne Arbeit Geld zu erhalten. Es kostet viel Zeit und Geduld manchen Menschen zu erklären, warum dieses vorhaben keinesfalls unmoralisch ist und dass es sich hierbei nicht nur um ein Hirngespinst sondern um eine mathematisch plausible und realistische Lebensweise handelt. Passives Einkommen ist eben etwas ganz anderes, als viele Menschen (ich eingeschlossen) aus ihren sozialen Kreisen kennen.

2. Vereinbarkeit mit dem Beruf

Angenommen Du möchtest Deinen Job nicht gleich an den Nagel hängen sondern lediglich ein weiteres Standbein aufbauen, so kann dies zu Konflikten mit Deinem Arbeitgeber führen.

Dies trifft insbesondere bei systembasierten Ansätzen zu, die vielleicht sogar auf deinem berufsbezogenen Know-How basieren. Dann kann Dein Arbeitgeber hier einen Interessenkonflikt befürchten und Dich zu einer Entscheidung zwingen.

Solange Dein Job aber nicht darunter leidet, kannst Du Deinem Chef dieses Einkommen aber auch als positiv für die Firma verkaufen: Du bist weniger auf Dein Gehalt angewiesen und hast damit eine Gehaltserhöhung nicht ganz so nötig. Außerdem arbeitest Du nicht (nur) wegen des Geldes sondern aus Überzeugung dort. Ein guter Chef sollte das als positiv bewerten.

3. Lücke im Lebenslauf

Angenommen, Deine Bemühungen, eine passive Einkommensquelle aufzubauen, sind so erfolgreich, dass Du Deinen Job kündigst und Deine Freiheit genießt.

Dann kann es passieren, dass Du mehrere Jahre keinen „echten“ (anerkannten) Beruf ausübst. Soweit ist das natürlich nicht schlimm. Wenn Du Dich aber irgendwann doch wieder in eine Festanstellung begeben möchtest, kann diese „Lücke“ im Lebenslauf das erheblich erschweren.

Ich denke allerdings, dass wenn Du nicht nur eine sondern mehrere Quellen aufbaust und/oder die „Lücke“ vernünftig begründen kannst, dies eher kein Problem sein dürfte.

4. Harte Arbeit

Der Aufbau einer passiven Einkommensquellen kostet viel Zeit, Arbeit und manchmal auch Geld. Insbesondere wenn man an einer passiven Quelle neben dem normalen Beruf arbeitet, kann es passieren, dass das Privat- und Sozialleben darunter leidet, da man seine „Freizeit“ zur Generierung eines weiteren Einkommens nutzt.

Fazit

Passive Einkommensquellen sind die einzige mir bekannte Möglichkeit (von Erbschaften, Lottogewinnen und Banküberfällen mal abgesehen), um die Bedeutung der persönlichen Arbeitskraft für den Lebensstandard herabzusetzen.

Zwar lassen sich auch negative Aspekte finden, die Vorteile von passiven Einkommensquellen überwiegen jedoch bei Weitem. Daher bin ich überzeugt, dass sich jeder Mensch Gedanken darüber machen sollte, wie er neben seiner Haupttätigkeit auch andere Einkommensquellen aufbauen kann.

Auch wenn es Jahrzehnte dauern kann, bis passive Quellen wirklich das aktive Einkommen obsolet machen, so ist es auch schon ein riesiger Fortschritt, wenn man sich ein kleines (oder großes) Zusatzeinkommen aufbauen kann.

Ich stehe noch ganz am Anfang dieser langen Reise, aber ich sehe das Potential und weiß, was ich damit erreichen möchte.

Wie stehst Du zu passivem Einkommen? Welche Wege beschreitest Du und passive Einkommensströme aufzubauen?

Ein Gedanke zu „Wieso überhaupt passives Einkommen? Vor- und Nachteile von passiven Einkommensströmen

  1. Lieber Finanzfisch,

    vielen Dank für deinen hilfreichen Überblick. Das Versicherungsthema betreffend, kann mich sich mit etwas Cleverness optimal positionieren. Insbesondere teure Kombinationsprodukte kann man mit einer Risikolebensversicherung oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung plus einer passiven Einkommensquelle gebührenarm prima abbilden. Wer wissen möchte, welche Versicherungen unverzichtbar sind und welche man sich guten Gewissens sparen kann, findet hier nähere Informationen:

    http://vermögensanleger.de/das-finanzsetup-weiter-optimieren-versicherungen/

    Vielleicht hilft das ja weiter….

    Schöne Grüße
    Marco

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