5 Denkfehler von „Buy and Hold“-Anlegern

Buy and hold (deutsch: Kaufen und behalten) ist eine Anlagestrategie, die darauf abzielt, Geldanlagen langfristig zu behalten.

Wikipedia

Buy and Hold ist einfach. Einfach zu erklären. Einfach zu verstehen. Einfach umzusetzen.

Im Prinzip geht es bei Buy and Hold darum, etwas (meistens eine Aktie) einmal zu kaufen und langfristig zu halten. Damit steht es im krassen Gegensatz zum Swingtrading oder anderen Strategien, die versuchen die richtigen Kauf- und Verkaufzeitpunkte zu erwischen und somit eine Gewinnmaximierung zu erreichen.

Buy and Hold ist also deutlich stressfreier, als andere Anlagestrategien und nicht unbedingt weniger erfolgreich. Darüber hinaus halten sich die Transaktionskosten auf Grund der wenigen Order-Ausführungen im Vergleich zu aktiven Anlagestrategien sehr in Grenzen.

Aber: Buy and Hold ist keine Wunderwaffe!

Mit diesem Artikel möchte ich auf diesen Umstand hinweisen und einige Denkfehler aufführen, die Anleger bei Buy and Hold gerne machen.

Denkfehler Nr 1: Buy and Hold ist einfach.

Der größte Fehler, den man an der Börse machen kann ist, ihre Komplexität zu unterschätzen. Viele Faktoren haben Einfluss auf die Entwicklung von Unternehmen und die Entwicklung ihrer Aktienkurse. Und diese Faktoren müssen noch nicht mal zusammenhängen.

Es wäre fatal zu glauben, dass man mit Buy and Hold sich nicht so sehr mit der Entwicklung der Unternehmen und dem wirtschaftlichen Geschehen beschäftigen müsse.

Mit Sicherheit stimmt es, dass man als „Buy and Hold“-Anleger nicht täglich sein Depot checken und Kaufs- und Verkaufsentscheidungen treffen muss. Trotzdem muss man verstehen, was man tut und wie Aktien und Unternehmen funktionieren.

Denkfehler Nr 2: Es ist nicht so wichtig, was man kauft, sondern wie lange man es hält.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass viele Anleger die Anlagestrategie Buy and Hold als Rechtfertigung sehen, sich weniger intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen und dessen Aktie zu beschäftigen.

Die Denkweise scheint oft zu sein: Irgendwann wird es schon nach oben gehen. Das funktioniert vielleicht bei breit streuenden ETFs, keinesfalls aber bei Aktien im Allgemeinen.

Wenn du Mist kaufst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch Mist bleibt.

Wer 1999 die Telekom-Aktie kaufte, ist heute (17 Jahre später) noch immer nicht auf einem grünen Zweig.

Denkfehler Nr 3: Buy and Hold kostet keine Zeit.

Einmal eine Aktie auswählen, kaufen und dann halten, bis man alt und grau ist. Und dann schöne Gewinne einstreichen und seinen glücklichen Lebensabend in Wohlstand und Reichtum verbringen. So oder so ähnlich ist der Plan beim Buy and Hold.

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

André Kostolany

Das kann so sein, muss es aber nicht. Erfolg in der Vergangenheit ist kein Garant für Erfolg in der Zukunft. Und so kann es sein, dass ein Unternehmen irgendwann auf dem absteigenden Ast ist und der Kurs fällt und fällt und fällt.

In so einem Fall wacht man irgendwann auf und steht vor einem Scherbenhaufen. Auch bei Buy and Hold muss man regelmäßig Zeit in die Analyse der Unternehmen stecken, in die man investiert hat.

Buy and Hold bedeutet nicht, dass man die Entwicklung des Unternehmens völlig ignorieren kann. Vielmehr bedeutet es, dass man sich von kurzfristigen Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Denkfehler Nr 4: Die zwischenzeitliche Entwicklung ist bei Buy and Hold egal.

Man hört es immer wieder: Wenn du einen langfristigen Anlagehorizont hast, können dir zwischenzeitliche Tiefs total egal sein.

Und ja: es stimmt. Eigentlich interessiert mich nur der Kurs am Verkaufstag. Aber wer garantiert mir, dass der Kurs jemals wieder steigt? Der Einstandskurs muss nicht zwangsläufig wieder erreicht werden.

Buy and Hold bedeutet nicht, dass man auch an schlechten Unternehmen festhält. Es bedeutet lediglich, dass man sich von den Launen der Börse und der alltäglichen Börsenpornographie nicht zu einer Entscheidung drängen lässt. Wenn ein Unternehmen jedoch fundamental schlecht ist, sollte man das sinkende Schiff besser früher als später verlassen.

Wenn die Zahlen jedoch nach wie vor für das Unternehmen sprechen, kann man in Krisenzeiten auch getrost nachkaufen oder die Füße still halten.

Denkfehler Nr 5: Bei Buy and Hold braucht man keine Austiegsstrategie

Manchmal habe ich den Eindruck, als hätten insbesondere Einsteiger bei Buy and Hold überhaupt keinen Plan, was sie mit dem Kauf einer Aktie erreichen möchten. Also wieviel Rendite pro Jahr sie erhalten wollen oder unter welchen Umständen sie sich wieder von der Aktie trennen würden.

Das kommt daher, dass es nicht im Sinne von Buy and Hold ist, viel zu handeln und das man erst nach einer längeren Haltephase wieder verkaufen sollte, um nicht von kurzfristigen Schwankungen beeinflusst zu sein und um die Gebühren überschaubar zu halten.

Wenn ich eine Aktie kaufen und erst in 15 oder 20 Jahren wieder verkaufen möchte, wieso sollte ich mir dann heute bereits einen Plan für den Ausstieg zurecht legen?

Ganz einfach: Wenn sich eine Aktie langfristig deutlich schlechter entwickelt, als ich es erwartet habe und wenn ich eine bessere Alternative kenne, warum sollte ich dann an dieser Aktie festhalten? Warum sollte ich Aktien in meinem Depot haben, bei denen das zugehörige Unternehmen nicht so solide ist, wie ursprünglich gedacht? Nur weil Buy and Hold es mir vorschreibt?

Natürlich nicht. Eine Verschlechterung der Geschäftszahlen, ein Wechsel des Managements oder die Änderung des Geschäftsfeldes können gute Gründe sein, sich von einer Aktie zu trennen, auch wenn man eigentlich „Buy and Hold“-Anleger ist.

Der größte Denkfehler überhaupt: Buy and Hold bedeutet, eine Aktie bis ins hohe Alter halten zu müssen.

Lange Zeit habe ich die Philosophie von Buy and Hold so aufgefasst: Einmal kaufen, nie wieder verkaufen.

Tatsächlich ist das aber nicht so gedacht. Viel mehr ist es eine Übertreibung, die es Neulingen leichter macht, die Füße still zu halten.

Buy and Hold bedeutet, nicht jeden Trend mitzumachen und auch mal abzuwarten, wenn die Zeiten gerade schwierig sind. Es bedeutet jedoch nicht, dass man bei rationalen und fundamental begründeten Gründen eine Aktie nicht nach wenigen Jahren wieder verkaufen darf.

Im Wesentlichen ist der Hauptunterschied zu aktiven Anlagestrategien, dass man seine Entscheidungen nicht monatlich, wöchentlich, täglich oder gar stündlich ändert. Aber man darf sie ändern.

Mein Fazit zu Buy and Hold

Ich mag Buy and Hold. Einen Großteil meiner Aktien kaufe und halte ich mit dieser Strategie.

Die Strategie ist mir deutlich sympathischer als irgendwelche technischen Analysen, Swing Trading oder Trendfolge-Strategien. Ich bin der festen Überzeugung, dass man an guten Unternehmen festhalten sollte, auch wenn sie gerade durch ein finsteres Tal wandern.

Dennoch ist es meines Erachtens auch bei Buy and Hold erlaubt, sich einen Fehler bei der Aktienauswahl einzugestehen und Aktien schlechter Unternehmen auch vorzeitig abzustoßen.

In jedem Fall würde ich auch bei Buy and Hold mindestens quartalsweise auf die Kennzahlen und Berichte der Unternehmen schauen, in die ich investiert habe. Damit weiß ich jeder Zeit, wie sich das Unternehmen entwickelt hat und welche Pläne es für die Zukunft hat. Wenn ich das Geschäftsmodell verstehe (und das sollte so sein), dann kann ich abschätzen, ob der Weg des Unternehmens noch für mich passt.

Ein Beispiel aus meinem Depot: Apple

Wie Du vielleicht weißt, habe ich Aktienanteile von Apple im Depot. Zwischenzeitlich stand ich bei +12%.

Nun hat Apple allerdings zum ersten Mal seit 13 Jahren im ersten Quartal 2016 einen Umsatzrückgang verzeichnen (-13%) müssen. Auch der Nettogewinn ist im ersten Quartal um 23% gefallen. Es ist klar, dass das viele Aktionäre zum Verkauf bewegt hat, zumal Apple die ohnehin geringeren Erwartungen der Analysten noch untertroffen hat.

Aktuell dominiert die Sorge darum, dass Apple sich zu sehr aufs iPhone konzentriert hat, den Aktienkurs. Ein Großteil von Apples Erfolg basiert auf dem iPhone-Erfolg (2/3 der Umsätze), der aktuell langsam abflacht. Auch das ist verständlich: Apple senkt die Preise und bringt günstige Einsteigermodelle heraus, um auch andere Kundengruppen anzulocken. Aber: In der letzten Zeit gab es keine echte iPhone-Revolution.

Somit ist es nach den Zahlen nicht mehr überraschend, dass die Apple-Position bei mir derzeit bei -9,5% steht. Also ein Rückgang von mehr als 20%.

Habe ich deshalb meine Anteile verkauft? Natürlich nicht!

Apple ist und bleibt ein solides Unternehmen. Es hat einiges auf der hohen Kante und auch einige Projekte in der Pipeline. In meinen Augen darf es ruhig auch mal zwei bis drei Jahre dauern, bis ein neues revolutionäres Produkt auf den Markt gebracht wird. Das geht nun mal nicht quartalsweise oder halbjährlich.

Auch wenn Apple im letzten Quartal erstmals seit der Einführung des iPhones weniger Smartphones verkauft hat, bedeutet das für mich keinen Weltuntergang. Der Grund: Apple hat ein Ökosystem geschaffen, das derzeit kein anderer Konkurrent bieten kann. Alle Apple-Geräte sind perfekt integriert und können nahtlos miteinander arbeiten. Dies wird meines Erachtens dazu führen, dass iPhone-Käufe sich langfristig auch auf die anderen Zweige positiv auswirken.

Darüber hinaus gibt es auch in China und besonders in Indien noch viele potentielle Kunden.

Abgesehen vom iPhone hat Apple aber auch noch andere Eisen im Feuer. Die Apple Watch in ihrer ersten Version ist zwar ein Ladenhüter, hat aber gerade deshalb noch ein unglaubliches Potential. Zum Einen konzentriert sich Apple gerade besonders auf den eHealth-Sektor und erforscht, wie sich eine Smartwatch dort sinnvoll einsetzen lässt. Zum Anderen ist die Apple Watch ein Erstlingswerk, an dem Apple lernen kann und in den nächsten Versionen Verbesserungen vornehmen wird. Darüber hinaus ist es noch „relativ früh“ für Smartwatches. Die Akzeptanz ist nicht nur bei der Apple Watch im Markt eher gering. Und obwohl Apple nicht der erste Anbieter von Smartwatches war und obwohl es noch nicht der größte Erfolg aller Zeiten war, kommt laut Marktforschern jede zweite Smartwatch von Apple.

Neben diesen Projekten gibt es aber seit Langem die Gerüchte um ein Apple Car. Außerdem haben Apple und SAP gerade ihre Zusammenarbeit im Geschäftsbereich angekündigt. Und auch Apple Pay und Apple Music sind noch nicht ausgereizt.

Klar ist, dass sich Apple gerade ein Stück weit neu erfinden muss. Es reicht nicht mehr, einfach ein noch größeres iPhone vorzustellen. Aber so wie ich das sehe, tut Apple gerade genau das. Und da ist es für mich auch relativ normal, dass die Innovationsdichte zeitweise nachlässt.

Darüber hinaus muss man auch sagen, dass Apple nicht dafür bekannt ist, große Innovationen vorher anzukündigen bzw. vorzustellen. Das iPhone 1 hat schließlich vorher auch keiner kommen sehen. Insofern beobachte ich das Geschehen mit Spannung und werde wahrscheinlich nochmal nachkaufen.

Bist du „Buy and Hold“-Anleger? Was sind deine Erfahrungen?

Welche Erfahrungen hast Du gemacht und wie legst Du an?

8 Comments

  1. Hallo,

    ich stimme den meisten deiner Bedenken zu aber primär nur wenn es sich um einzelne Aktien handelt.
    Wie du schon weit am Anfang erwähnt hast, trifft das nicht unbedingt auf breitstreuende ETF zu. Warum also in Einzelaktien investieren? Soll ich auf die 50% Chance hoffen den Markt zu schlagen?

    Viele Grüße
    Alex

    1. Hallo Alex, vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast Recht, dass sich dieser Artikel im Prinzip nur auf Aktien bezieht. Bei ETFs sieht es ganz anders aus.

      Für die Investition in Einzelaktien kann es viele Argumente geben. Zum Einen natürlich die Hoffnung auf Outperformance. Zum Anderen kann es aber auch einen psychologischen Grund haben: Bei einer Aktie besitzt Du einen Unternehmensanteil. Bei einem ETF nur ein abstraktes Zertifikat von einer Bank.

      Außerdem: wenn man Spaß an der Bewertung von Unternehmen hat, wieso sollte man dann nicht auch mal was riskieren? Letztendlich täusche ich nur höhere Sicherheit gegen ein höheres Potential ein.

      Mit welcher Strategie man besser fährt, weiß man immer erst hinterher. Ich persönlich investiere sowohl passiv, als auch aktiv, wenn es mich mal wieder „juckt“.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

    1. Hallo Jens,
      stimmt, die geringen Transaktionskosten sind ein riesiger Vorteil. Und das schöne an Buy and Hold ist ja auch, dass einem die zwischenzeitlichen Schwankungen egal sein können, solange die Aktie zum Zeitpunkt des Verkaufs gut dasteht. Selbiges gilt, wenn man garnicht verkaufen will, da man eine ausreichend große Dividende erhält.

      Die Entscheidung, ob man verkaufen soll, oder nicht, ist immer ein Drahtseilakt. Schließlich ist es nicht immer so einfach zwischen allgemeiner Hysterie und einem echten Problem unterscheiden zu können. Bei Buy and Hold würde ich immer zu Halten tendieren, wenn ich mir unsicher bin.
      Wenn ich mir hingegen aber sicher bin, aufs falsche Pferd gesetzt zu habe, sollte ich auch bei Buy and Hold den Verkauf wagen.

      Das mit dem Risiko kann ich gut verstehen. Zum Glück gibt es ja heute auch gute und günstige Alternativen wie z.B. ETFs. Da ich derzeit zu Gunsten besserer Chancen ohnehin bereit bin, ein höheres Risiko einzugehen und ich darüber hinaus Spaß am Lesen von Geschäftsberichten gefunden habe, setze ich mich aktuell auch verstärkt mit Einzelaktien auseinander und kaufe ggf. auch welche.

      Aber egal, was man macht und wie man investiert: Hauptsache man macht es aus eigenen Überlegungen heraus und nicht, weil jemand sagt: „Du müsstest doch mal …“. Denn dann kann man auch mit dem jeweiligen Risiko besser umgehen.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

  2. Hallo Finanzfisch,

    es ist eine gute Taktik finde ich, seine „Spieltrieb“ etwas zu befriedigen. Ich mach das auch mit sehr kleinen Summen. Hilft mir bei meinem „eigentlichen“ Depot die Füße still zu halten.

    Ich wollte nur noch anmerken, dass ein ETF kein Zertifikat darstellt.
    Ein ETF ist vielmehr ein Anteil an einen Sondervermögen, indem sich, genau so real wie bei einem Einzelkauf, Aktien befinden. Auch wenn der Fondsbetreiber pleitegeht bleibt das Sondervermögen bestehen und theoretisch sollte nichts passieren.
    Ein Zertifikat ist hingegen eine Schuldverschreibung einer Bank und kann sich auf viele Dinge beziehen, auch einem Index. Wenn die Bank pleite geht, dann steht man vor einem Problem.

    Viele Grüße
    Alex

    1. Hallo Alex, da hast Du natürlich Recht, Zertifikat ist falsch. Ich meine eher ein „abstraktes Finanzprodukt“. Und im Fall von swapbasierten ETFs besteht das Risiko des Ausfalls des Kontrahentens, das aber heute bei UCITS-konformen ETFs auf 10% begrenzt ist.

      Definitiv sind ETFs eine gute Sache, aber ich kann auch Leute verstehen, den Aktien lieber sind 😉

      Ja wenn die Depot-führende Bank pleite geht, sieht es eh schlecht aus. Da rettet einen mit Glück die deutsche Einlagensicherung. Und ggf. macht es ja auch Sinn, bei den Banken zu diversifizieren und nicht alles bei einer Bank zu haben. Genau so könnte es auch Sinn ergeben, nicht alle ETFs von einem Emittenten zu haben. Allerdings bin ich aktuell was das angeht auch noch sehr einseitig aufgestellt. ETFs von Comstage und Depot bei der Consorsbank.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

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  4. Ich habe Sixt Vz zwischen 1998 und 2000 5x gekauft, wovon ich jetzt noch die ersten 4 Positionen halte ( Kaufkurs Schnitt 7,6 incl Kosten ), bisher habe ich 8,55 Netto-Dividende erhalten. Klar kann der Kurs auch mal fallen, aber wenn die AG vernünftig wirtschaftet und einen Markt hat, dann wird diese auch wachsen und dann auch langfristig der Gewinn, Dividende und auch der Aktienkurs ( wenn nicht zu teuer gekauft ).

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