Arten von Aktien

Aktien sind Unternehmensanteile. Und im Prinzip gleicht ein Anteil dem anderen. Also sind alle Aktien gleich?

Nicht ganz. In der Praxis gibt es unterschiedliche Aktienarten und es werden Unterscheidungen bei den folgenden vier Kategorien gemacht:

  1. Übertragbarkeit der Aktien
  2. Stimmrecht des Aktieninhabers
  3. Anteilsform
  4. Alter der Aktie

Daher kann es passieren, dass es für ein Unternehmen mehre Aktien mit unterschiedlichen Wertpapierkennnummern (WKN) gibt. Meistens unterscheiden sich bei diesen Wertpapieren auch der Kurs und die Rahmendaten.

Ich stelle Dir daher heute die verschiedenen Arten von Aktien vor. Beginnen möchte ich mit der Übertragbarkeit der Aktie.

Übertragbarkeit von Aktien

Es gibt Inhaberaktien und Namensaktien.

Wenn Du über Deinen Online-Broker eine Aktie kaufst, ist dies in der Regel eine Inhaberaktie, die Du jederzeit kaufen oder verkaufen kannst ohne dass Du irgendeinen Aufwand hast. Auch für das Unternehmen ist diese Aktie im Prinzip mit keinem Aufwand verbunden und die Aktie kann nach belieben gehandelt werden da das Unternehmen darüber keine Kenntnis erhält.

Inhaberaktien haben aber für das Unternehmen einen entscheidenden Nachteil: Das Unternehmen weiß nicht, wer die Aktionäre sind und wer von wem wieviele Anteile kauft. Somit kann das Unternehmen nicht erkennen, ob ein einzelner Aktionär nach und nach alle Anteile aufkauft oder ob die Anteile auf verschiedene Aktionäre verteilt sind.

Bei Namensaktien ist das anders. Hier wird der Name des Aktionärs in das Aktienregister des Unternehmens eingetragen und das Unternehmen kennt somit die Aktionäre und weiß, welcher Aktionär wieviele Anteile besitzt.

Feindliche Übernahmen können somit vom Unternehmen frühzeitig erkannt und möglicherweise verhindert werden.

Noch komplizierter wird es bei der vinkulierten Namensaktie. Bei dieser Form wird das Unternehmen nicht nur über Aktien-Transaktionen informiert, sondern muss diesen auch noch zustimmen. Es sollte klar sein, dass mit solchen Aktien kein schneller Handel über den Online-Broker möglich ist. Für die Aktiengesellschaft ist es aber eine gute Sache um feindliche Übernahmen zu verhindern.

Stimmrecht des Aktieninhabers

Es gibt Stammaktien und Vorzugsaktien.

Wenn Du Aktien besitzt, bedeutet das nicht automatisch, dass Du ein Mitspracherecht hast. Nur bei einer der beiden Arten hast Du ein Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung. Rate mal, bei welcher Art das der Fall ist.

Ja richtig! Die Vorzugsaktie ist es nicht. Nur, wenn Du Aktienanteile einer Stammaktie besitzt, darfst Du bei der Hauptversammlung Deine Stimme abgeben. Wenn Du also eine feindliche Übernahme planst, empfehle ich Dir, nicht auf die Vorzugsaktie zu setzen. Vorzugsaktien erkennst Du häufig an der Abkürzung „o. St.“ (ohne Stimmrecht) im Namen des Wertpapiers.

Wieso heißt das Ding jetzt Vorzugsaktie, wenn das fehlende Stimmrecht offensichtlich ein Nachteil ist? Nun, als Inhaber einer Vorzugsaktie wirst Du meistens mit einer höheren Dividende entschädigt. Wenn Du also auf möglichst hohe Ausschüttungen aus bist, solltest Du die Vorzugsaktie vorziehen.

Bei einem Konkurs werden Inhaber von Vorzugsaktien in der Regel bevorzugt behandelt. Da würde ich allerdings nicht viel drauf geben, da ja zunächst die Gläubiger, also Inhaber von Anleihen, bedient werden, bevor die Aktionäre bedacht werden.

Manche Unternehmen (z.B. Volkswagen und Henkel) geben beide Aktien aus. Manche Unternehmen beschränken sich aber auch nur auf eine der beiden Aktienformen.

Unterscheidung nach Anteilsform

Es gibt Stückaktien und Nennwertaktien.

Bei Nennwertaktien hat jeder Aktienanteil ein bestimmten Nennwert, der den Anteil am Grundkapital des Unternehmens angibt. Nennwertaktien eines Unternehmens müssen nicht notwendigerweise alle den gleichen Nennwert haben sondern können sich hierin unterscheiden. Damit ist es möglich, dass ein Aktionär mit einer Nennwertaktie mit Nennwert 100€ einen größeren Anteil besitzt als ein Aktionär der zehn Aktien mit einem Nennwert von je 1€ besitzt.

Heutzutage dominiert aber die Stückaktie. Man kann sie häufig am Kürzel „o.N.“ (ohne Nennwert) im Namen des Wertpapiers erkennen. Bei Stückaktien ist jeder Anteil gleich viel wert.

Für Privatanleger spielt die Unterscheidung nach der Anteilsform allerdings eher eine geringe Rolle. Zum Einen trifft man kaum noch auf Nennwertaktien und zum Anderen ist der Unterschied eher gering. Für die eine Nennwert-Aktie muss man etwas mehr zahlen als für die andere, hat aber dafür auch einen größeren Anteil. Lediglich die Angabe eines Aktienkurses ist bei Nennwertaktien etwas schwierig, da nicht alle Anteile gleich viel wert sind.

Unterscheidung nach Alter

Es gibt alte und junge Aktien.

Was soll dieser Blödsinn? Aktien, die virtuell im Online-Depot liegen, können doch garnicht altern. Ja das stimmt natürlich. Aber dennoch kann diese Unterscheidung wichtig sein.

Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, muss festgelegt werden, wieviele Aktien und zu welchem Kurs diese ausgegeben werden. Wenn ein Unternehmen später weitere Aktien ausgeben möchte und seine Marktkapitalisierung erhöhen möchte, führt dies dazu, dass der Anteil, den Altaktionäre an dem Unternehmen haben, schrumpft.

Um diesem Problem entgegen zu wirken, kann das Unternehmen den Besitzern der alten Aktien junge Aktien zum Vorzugspreis anbieten, damit diese den gleichen Unternehmensanteil behalten.

Übrigens: Durch die Kapitalerhöhung und die Ausgabe weiterer Aktien schrumpft natürlich der Gewinn pro Aktie, da der Gewinn natürlich nicht schlagartig ansteigt. Diesen Vorgang nennt man Verwässerung. Es ist klar, dass Aktionäre das nicht notwendigerweise gerne sehen, da ihre Anteile plötzlich an Wert verlieren.

Geht es noch komplizierter?

Klar, man kann diese verschiedenen Arten auch kombinieren. So kann ein Unternehmen Stammaktien als Namensaktien ausgeben und Vorzugsaktien als Inhaberaktien. Es kann damit sicher stellen, dass es jederzeit genau weiß, wer mitreden darf und dennoch der private Aktionär der nur am Erfolg teilhaben will einfach mit Aktien handeln kann.

Fazit

Für den Privatanleger ist im Wesentliche nur die Unterscheidung zwischen Stammaktie und Vorzugsaktie interessant, da die anderen Arten in der Regel keine große Rolle spielen, wenn man nur ein paar tausend Euro investiert.

Dennoch ist es gut, zu wissen dass Aktie nicht gleich Aktie ist. Damit weißt Du nämlich, warum es in Börsenportalen nicht nur ein Wertpapier und einen Kurs für ein Unternehmen sondern manchmal auch zwei oder drei gibt.

Schreibe mir in einem Kommentar, ob Du lieber in Stammaktien oder Vorzugsaktien investierst!

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