Telekom-Aktie: Das Börsen-Trauma der Deutschen und seine Auswirkungen (Gastartikel)

Im heutigen Gastartikel von meinem Namensvetter Tobias von www.passivmoney.de geht es um das Desaster mit der Telekom-Aktie um die Jahrtausendwende und wie dieses Ereignis die Deutschen nachhaltig beeinflusst hat.

Der Gastartikel

Der Börsengang der Deutschen Telekom AG sollte augenscheinlich ein neues Zeitalter der Geldanlage einläuten.

Das erklärte Hauptziel – neben der Sanierung der Staatsfinanzen – war: Breite Bevölkerungskreise sollten sich für die Aktienwelt interessieren und in verschiedene Arten von Aktien investieren können.

Und mit kleineren Sparraten oder Investments auch einen Anteil am steigenden Wohlstand bekommen können. Die Wertschöpfung der, insbesondere von den politisch links stehenden Gruppierungen kritisierten, Großkonzerne sollte möglichst vielen Menschen zugute kommen.

Denn im Rahmen der großen politischen Auseinandersetzungen dachten die wenigsten vor dem Börsengang der „T Aktie“ daran, dass sich jedermann als Aktionär auch an den kritisierten Großunternehmen wie den Ölmultis oder auch den damals hoffnungsschwangeren Telekommunikationsgiganten beteiligen konnte und auch kann.

Dann wurde auf allen zur Verfügung stehenden (Werbe-)kanälen getrommelt: Die Aktien waren mehrfach überzeichnet. Privatanleger bekamen eine bevorzugte Zuteilung, um sie zu begeistern.

Dahinter stand auch die heute noch aktuelle Idee, dass Investment in Selbstverantwortung und eine freie Marktwirtschaft erhebliche Werte schaffen können.

Deutschland war erst einige Jahre wieder vereint, Berlin als neue Hauptstadt auserkoren und Helmut Kohls Idee der blühenden Landschaften sollte Wirklichkeit werden. Überall Hochstimmung, sozusagen.

Wo das Börsen-Trauma der Deutschen seinen Ausgang nahm lässt sich am Chart bzw. der Kursentwicklung der Deutschen Telekom AG (WKN: 555750) ebenso gut zeigen wie an der Renditeveränderung der Bundeswertpapiere.

Begleite uns also am besten gleich auf der gedanklichen Reise beginnend bei einem Emissionsflop bis hin in die heutige Zinswelt. So könnte es durchaus sein, dass die Niedrigzinsen oder Nullzinsen erst durch die Scheu vor Aktien möglich geworden ist.

Die Tragödie der Telekom Aktie: Vom Hoffnungsträger zum Kapitalvernichter

Ein paar Vergleichszahlen zeigen den Wertverzehr, den die Aktionäre hinnehmen mussten.

Anfang der 2000er-Jahre gab es eine unglaubliche Börseneuphorie bezugnehmend auf das Wertgewinn- und Wertschöpfungspotenzial der damals neuen Internet- und Telekommunikationsaktien.

Dies führte dazu, dass die Telekom-Aktie kurzzeitig über 100 Euro notierte: Am 06.03.2000 wurden Kurse um 103,50 Euro an der Frankfurter Börse gestallt.

Vergleiche dieses hohe Kursniveau doch mit der Telekom-Notierungen, die Du beispielsweise am 17.07.2018 nachmittags finden konntest. Ein Kurs von 13,61 Euro bedeutet ein rechnerisches Minus von 86 %!

Dieses haben alle diejenigen rechnerisch eingefahren, die die Aktie nicht rechtzeitig verkauft haben. Ähnliches gilt für diejenigen, die die Aktie niemals verkauft haben: Trotz enormer Kurszuwächse notiert die Telekom minus 7 % gegenüber dem Ausgabepreis. Wer die Aktien erst beim zweiten Teil des Börsengangs erwerben konnte, verlor tatsächlich beinahe zwei Drittel seines Investments.

Anders wäre ein Investment in einen Index gelaufen: Hättest Du damals schon in einen ETF Sparplan für deine Altersvorsorge investieren können, so notierte der DAX am 07.03.2000 so um die 8.060 Punkte. Derzeit pendelt er um die 12.540 Punkte. Eine schöne Rendite von 55,58%.

Mit der angeblich „sicheren“ Geldanlage in Tagesgeldern und ähnlichem hätte sich für meisten Betrachtungszeiträume weniger Rendite erzielen lassen.

Immer weniger Aktionäre in Deutschland

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland war lange rückläufig. Ist der Auslöser der Telekom-Schock?

Das Deutsche Aktieninstitut führt eine interessante Statistik über die Zahl der Aktionäre: Diese erreichte im Jahr 2001 mit 12,85 Millionen (kombinierte Zahl aus Anlegern, die Aktien oder Aktien + Aktienfonds oder nur Aktienfonds) besaßen einen Höhepunkt.

Das Abschmelzen der Kurse bei der Deutschen Telekom Aktie und die oftmals vollständigen Verluste bei kleinen „Dot.Com“-Werten (Internetblase) scheint zumindest mittelfristig ein Trauma ausgelöst zu haben.

Bloß keine Aktien mehr zu halten schien das Motto so in etwa bis zum Jahr 2010 zu sein – nur noch knapp über 8,385 Millionen Deutsche besaßen Aktien. Obwohl die Kurse schon jahrelang wieder stiegen verpassten die Anlegerinnen und Anleger seitdem die Kurssteigerungen in den Boomphasen 2004-2008 und auch in den letzten Jahren.

Zusätzlich zum Telekom-Schock bzw. den sinkenden Kursen dieses Wertpapiers können natürlich auch die insbesondere in den letzten Jahren sichtbar werdenden Probleme der Bankaktien die Menschen vor der Anlage in Aktien abgeschreckt haben.

Anleger verzichten auf Milliarden an Dividenden und Wertsteigerungen

Wenn Du einen Blick auf die früher so geschätzten Bundeswertpapiere und/oder die Zinswelt im Allgemeinen wirfst, dann wirst Du staunen: Selbst die zehnjährigen Bundesanleihen bringen weit unter 0,4 % Brutto-Rendite.

Wenn Anleger heute den Fehler machen ein Bundeswertpapier mit langer Laufzeit zu investieren, dann werden sie diese Anlageentscheidung spätestens bei jedem Jahresdepotauszug hinterfragen.

Auch wenn Vergangenheitswerte nicht unverändert in die Zukunft fortgeschrieben werden können so gibt es jeden Grund zur Annahme dass ein breit gestreutes Investment in die Aktienmärkte (beispielsweise ein Fonds oder ETF) eine höhere Rendite ermöglichen sollten.

In den USA gibt es dagegen eine viel weit verbreiterte Aktienkultur, dort setzt der Löwenanteil der Menschen auf die zusätzliche Altersvorsorge mit Aktien und nutzt Investmentprodukte auch für kürzere Anlagehorizonte. Da verwundert es nicht, dass die Wertpapiergattung ETF ihren Siegeszug von den USA aus antrat.

Die häufigsten Anlagefehler vermeiden

Viele Anlegerinnen und Anleger verlieren weiterhin Rendite, weil sie immer noch in einer traditionellen Denkwelt verhaftet bleiben.

Anstatt langsam in das ETF Universum oder die Aktienwelt einzusteigen, sehen sie fast ausschließlich die Hemmschwellen und Risiken. Exorbitante Gebühren der Bankfiliale vor Ort und fehlendes Selbstbewusstsein können genannt werden.

Wenn Du aber sofort die höheren Renditechancen wahrnehmen möchtest, dann könntest Du wie folgt vorgehen:

  • Informiere Dich grundsätzlich über Möglichkeit an der Wertentwicklung nicht nur einer Aktie, sondern eines ganzen Marktes teilzuhaben. Arbeite die Unterschiede zwischen teuren Spezialfonds und der Geldanlage in ETF heraus.
  • Mehrwert oder Kostenfresser? Bringt die Bankfiliale wirklich einen Mehrwert bei der Anlage in Aktien und Fonds oder kannst Du bei einem Direktbroker wesentlich günstiger ansparen?
  • Aus dem Desaster der Telekom Aktie lernen: Denke immer an die Risikostreuung. Investiere also nicht nur in eine einzige Aktie – sondern streue die Anlage und investiere breit gefächert z.B. auch in Social Trading oder Crowdfunding in Immobilien.
  • Früher, aber langsamer Start: Für die Eingewöhnung in die Zahlenwelt könntest Du mit einem vergleichsweise kleinen Sparvertrag in zwei unterschiedlichen Anlageformen starten. Viele Direktbroker bieten jederzeit unterbrech- oder kündbare Sparverträge schon ab einer Investition von 25 Euro pro Monat an.

Über den Autor

Dies ist ein Gastbeitrag von Tobias von www.passivmoney.de. Als Unternehmer und passiver Investor schreibt er auf seiner Website über seine Erfahrungen mit passivem Einkommen, passives Investieren und langfristigen Vermögensaufbau. In ausführlichen Blogposts zeigt er, wie auch Du Geld sparen, Geld verdienen und Geld investieren kannst – the passive way!

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