Beitrag zur Blogparade „Dürfen Blogger Geld verdienen?“

Dominik von „Finanziell frei mit 30“ fragt: „Dürfen Blogger Geld verdienen?“ und ruft damit zu einer Blogparade auf. Und in der Tat scheint dieses Thema sehr unterschiedlich wahrgenommen zu werden.

Fast jeder Blogger, der seinen Blog nicht nur rein als Hobby betreibt, sondern dadurch auch (etwas) Geld verdient, sieht sich vermutlich früher oder später einmal mit dem Vorwurf konfrontiert, nur des Geldes wegen zu bloggen.

Was für ein Quatsch!

Jeder, der behauptet, es gäbe Blogger die nur bloggen, um damit Geld zu verdienen, hat vermutlich noch nie selber einen Blog betrieben. Denn um überhaupt erst mal die ersten paar Cent einzunehmen benötigt man schon ein paar Monate.

Man braucht Leser. Und wenn man von ein paar Einnahmen über Klicks auf Werbebanner (da klickt fast niemand) und den Kleckerbeträgen von Google Adsense Views einmal absieht, ist man vom großen Geld noch in etwa soweit entfernt wie die Bahn von einem kundenorientierten Dienstleistungsunternehmen.

Erst wenn man mehrere Hundert Leser am Tag hat, geht es so langsam mit den Kooperationsanfragen los. Dann kann man so langsam darüber nachdenken, 100 oder auch 200€ für einen Werbeartikel zu nehmen.

Bis es soweit ist, können durchaus Jahre vergehen. Und stunden-, nein tagelange Arbeit am Blog: Artikel schreiben, korrigieren, veröffentlichen, Social Media Kanäle mit Inhalt befüllen und dann auch noch am Blogdesign- und layout feilen.

Wer das nicht als Hobby macht, sondern lediglich den schnöden Mammon als Ziel hat, muss wirklich hart gesotten sein. Das sind dann häufig die Blogger, die bereits nach wenigen Wochen wieder von der Bildfläche verschwinden.

Also: Den Blog lediglich als Einnahmequelle zu sehen, ist wohl für die Meisten, insbesondere zu Beginn, fernab der Realität.

Nehme ich meine Blogeinnahmen der ersten zwei Jahre, so kommt zwar eine schöne Summe zusammen. Ich hätte aber in der Zeit auch einfach Putzen gehen könne und hätte vermutlich einen besseren Stundenlohn gehabt.

Aber darf ich mit einem Hobby Geld verdienen?

Ich schließe einfach mal von mir auf Andere und gehe davon aus, dass die meisten Blogs als Hobby betrieben werden. Insofern ist es für den Betreiber auch okay, Zeit und Geld reinzustecken, damit das Ding läuft.

Ist aber etwas daran verwerflich, das Hobby so auszuüben, dass es die Kosten selbst deckt oder sogar Gewinn bringt? – Ich finde nicht!

Oder ist es etwa verwerflich, wenn jemand gerne Musik macht und Geld dafür verlangt, wenn er auf einer Bühne auftritt? Welch eine Frechheit, dass ein Maler, der seine Kunst liebt, dafür plötzlich Geld verlangt…

Theoretisch, und das wäre nur fair, könnte jeder Autor Geld dafür verlangen, dass er seine Texte Dritten zum Lesen bereit stellt. Wenn ich ein Buch im Laden kaufe, ist mir das völlig klar. Im Internet: undenkbar. Da muss alles gratis sein. Qualität darf nix kosten. Oder mein Lieblingsargument: Die Inhalte der meisten Blogs sind nicht gut genug, um dafür Geld zu bezahlen. Warum haben diese Blogs dann so viele Leser? Wird einfach jeder Schrott konsumiert, wenn er nix kostet oder haben diese Blogs letztendlich doch eine gewisse Qualität?

Kann man mal drüber nachdenken …

Wie dürfen Blogger Geld verdienen?

Generell bin ich also, wenig überraschend, ein großer Freund davon, Hobby-Projekte gewinnbringend umzusetzen. Ein Blog gehört da auch dazu.

Aber für mich gibt es hierbei klare Grenzen. Gewinnmaximierung sollte für einen Blogger niemals das Ziel sein. Ich fühle mich meinen Lesern moralisch verpflichtet. Menschen vertrauen mir und schätzen meine Meinung. Sie müssen also sicher sein können, dass ich diese Meinung nicht nur des Geldes wegen vertrete.

Daher habe ich für mich persönliche die folgenden Regeln aufgestellt:

  • Affiliate-Links sind okay, aber nur wenn ich die Produkte selber nutze, davon überzeugt bin und sie auch ohne einen solchen Link empfehlen würde. Beispiel Twino*: bis vor Kurzem hatte ich hier keinen Affiliate-Link. Dennoch habe ich regelmäßig auch über meine Erfahrungen bei Twino berichtet.
  • Sponsored Posts sind auch okay. Aber nur, wenn sie als kommerzieller Inhalt erkennbar sind und etwas bewerben, von dem ich überzeugt bin. Beispiel: MoneYou Fondsanlage – obwohl ich hierzu ausgiebig mit den Stakeholdern telefoniert habe, gibt es bei mir keinen Sponsored Post dazu. Ich sehe in diesem Angebot einfach keinen Mehrwert für meine Leser und würde selber einen ETF jederzeit vorziehen. Bei Bondora* ist es hingegen anders. Hier investiere ich seit Jahren mein eigenes Geld und bin immer noch sehr zufrieden. Warum sollte ich damit also kein Geld verdienen?
  • Werbebanner sind natürlich ebenfalls okay. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass diese kaum etwas bringen. Die meisten Besucher haben ohnehin einen Adblocker aktiv und wenn nicht, dann klicken sie trotzdem noch lange nicht. Bei Google Adsense versuche ich, jene Kategorien auszuschließen, die moralisch für mich nicht vertretbar sind. Beispiel: Wilde Spekulationsmöglichkeiten mit Hebel und allem. Damit ließe sich allerdings das meiste Geld machen.

Was gibt es sonst noch?

Es ist durchaus üblich, den Blog als Kanal für die Vermarktung von weiteren digitalen und nicht digitalen Produkten zu verwenden. Das mache ich bislang noch nicht, aber ich sehe hier auch keinen Grund, der dagegen spricht.

Letztendlich muss jeder Blogger selbst entscheiden, wieviel Marketing, Werbung und Kommerzialisierung er in seinem Blog haben möchte. Ich persönlich bin von zu viel Werbebannern oder mit Marketing-Ankündigungen in jedem Blogpost schnell genervt und meide solche Blogs.

Besucher merken eben schnell, ob es jemand ernst meint oder nur auf’s schnelle Geld aus ist.

Und was geht gar nicht?

Es gibt aber auch eine Reihe von Möglichkeiten mit einem Blog Geld zu verdienen, die aus meiner Sicht völlig inakzeptabel sind. Dazu zählen:

  • Affiliate-Links und Anzeigen nicht als solche zu kennzeichnen,
  • Sponsored Posts und Anzeigen für Dinge zu veröffentlichen, die zwar lukrativ, aber gegen die eigenen Werte sind,
  • andere Wege, mit denen Lesern oder anderen Parteien schaden entsteht. Hier sei zum Beispiel das Crypto-Mining im Browser genannt, bei dem die Rechenleistung des Lesers genutzt wird, um etwas Geld zu verdienen (meistens ohne das Wissen des Besuchers).

Wieviel Geld verdienen ist okay?

Aus meiner Sicht sollte der Mehrwert für den Leser immer im Vordergrund stehen. Dies nützt sowohl dem Leser (aus offensichtlichen Gründen) als auch dem Blogger. Letzterem, weil ohne Mehrwert auch die Leser und somit auch die Gewinne ausbleiben.

Insofern kommt das Geld erst durch den Mehrwert für den Leser. Hält man sich dann noch an die Regeln, die ich für mich persönlich aufgestellt habe, entsteht dem Besucher kein Nachteil dadurch, dass ein Blogger Geld verdient. Eher im Gegenteil: Der Blogger bleibt motiviert und kann es sich leisten, mehr Zeit in den Blog zu stecken. Hieraus resultiert noch besserer Content für die Leserschaft. Win Win.

Theoretisch wäre es für mich also völlig okay, wenn ein Blogger mit jedem Beitrag hunderte von Euros verdient. Solange der Verdienst nur ein Nebenprodukt, nicht aber das Ziel ist.

Fazit

Die Monetarisierung von Blogs ist per se nichts verwerfliches. Es kommt immer auf das Wie an. Sicherlich werden viele Blogs ins Leben gerufen, weil die Hoffnung besteht, damit eines Tages Geld zu verdienen. Überleben tun aber aus meiner Sicht nur die, hinter denen eine andere Motivation steckt.

Wie stehst Du zu diesem Thema?

  • Ist Geld verdienen mit Blogs okay?
  • Welche Grenzen gibt es hierbei für dich?
  • Wie empfindest Du die Werbung, Affiliate-Links und dergleichen in meinem Blog? Welche Verbesserungsvorschläge hast Du für mich?

Ich freue mich auf deinen Beitrag zur Diskussion. 🙂

5 Comments

  1. Hallo Tobias,

    vielen Dank für Deinen Beitrag zu der Blogparade.
    Besonders der Punkt, dass Du erst einmal Monate oder Jahre kostenlos Inhalte rausgibst und keinen Cent daran verdienst oder sogar einen Verlust einfährst, wird von den meisten nicht beachtet. Ich finde es immer wieder schade, wenn deshalb der Vorwurf kommt, dass mit dem Blog nur Geld verdient werden soll.

    Hätte ich alle meine geschriebene Texte an andere Menschen verkauft, hätte ich selbst bei niedrigen Wortpreisen locker 5000 € einnehmen können. Stattdessen kann die Inhalte jeder kostenlos auf meinem Blog konsumieren und ich habe bisher nach Abzug aller Kosten wahrscheinlich (ich habe es noch nichtmal nachgerechnet) sogar draufbezahlt und einen Verlust gemacht.

    Schöne Grüße
    Dominik

    1. Moin Dominik,
      Vielen Dank für das initiieren der Parade. Ich finde das Thema sehr spannend, da es hierzu sehr kontroverse und extreme Meinungen gibt und es auch nicht immer leicht ist, das richtige Maß an Monetarisierung zu finden.

      Beste Grüße
      Tobias

  2. Ich kann das hier Geschriebene nur unterstreichen. Ich sehe es im Prinzip absolut genauso.

    Einzig eine abweichende Meinung, mit der richtigen Strategie, kann man von Anfang an die Kosten decken und dann Monat für Monat ein leichtes Plus generieren.

    Aber in der Tat wird es erst richtig interessant, sobald die Leserzahlen steigen. Und das passiert nun mal nur durch Qualität des Inhalts und nicht durch Werbung.

    Also Zustimmung auf breiter Front 🙂 !

    CU Ingo.

    1. Moin Ingo, danke für dein positives Feedback!
      Ja du hast Recht. Einen Blog zu starten kostet mittlerweile (fast) nichts mehr. Lediglich viel Zeit.

      Wenn man nur die Ausgaben decken möchte, ist dies daher ziemlich schnell möglich. Wer aber auf den schnellen Reichtum aus ist, für den ist ein Blog aber vermutlich das falsche Vehikel. 😉

      Beste Grüße
      Tobias

  3. Hallo,

    wenn man hauptberuflich bloggt, stellt sich nicht die Frage, ob es okay ist, mit Bloggen Geld zu verdienen, sondern man muss seinen Lebensunterhalt wie jeder andere verdienen, der einer Arbeit nachgeht.

    Nur so kann ich regelmäßig Artikel mit Mehrwert für meine Leser online stellen.

    In den ersten 7 Monaten habe ich nichts verdient. Im ersten Jahr waren es ein paar Hundert Euro und im zweiten Jahr ein paar Tausend Euro.

    Und mittlerweile kann ich von meinem Blog leben.

    Es ist halt die Frage, ob man sich in erster Linie als Blogger oder Online-Unternehmer versteht.

    Und als Internet-Unternehmer stellt man beisoielsweise auch digitale Informationsprodukte her und vertreibt diese über seinen Blog bzw. Webinare.

    Ich jedenfalls findes es absolut legitim, als Blogger auch Geld zu verdienen.

    Viele Grüße

    Jürgen

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