Was soll der Wahn um Passives Einkommen? (Teilnahme Blogparade)

„Schon wieder eine Blogparade zum Thema Passives Einkommen …“

– Das war mein erster Gedanke, als ich kürzlich den Aufruf zur Blogparade zu ebendiesem Thema auf Mission Rendite las.

Gefühlt erst vor Kurzem (naja es war vor einem Jahr), rief Vincent zu einer Parade zu diesem Thema auf. Auch damals hatte ich mitgemacht: Vom Streben nach Passivität (Blogparade Passives Einkommen).

Darüber hinaus habe ich Anfang letzten Jahres bereits mit „Meine finanzielle Freiheit“ eine Serie zum Thema „Passives Einkommen“ veröffentlicht. Dieses Thema ist in meinem Blog als wahrlich nicht unterpräsentiert. Dennoch entschied ich mich dafür, dieses Thema erneut anzugehen. Und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Passives Einkommen wird viel zu häufig im selben Atemzug mit finanzieller Freiheit erwähnt.
  2. Finanzielle Freiheit ist als das Schlagwort in der Finanzblogger- und Investmentporno-Szene mittlerweile ganz schön ausgelutscht und (teilweise) zu Recht in Verruf geraten.
  3. Mittlerweile finde ich es enorm wichtig, diese zwei Buzzwords zu trennen.
  4. Meine Meinung hat sich seit dem letzten Jahr wahrscheinlich auch etwas geändert.

Also los gehts.

Passives Einkommen != Finanzielle Freiheit !!

Oft ließt man, passives Einkommen sei der einzige Weg, um finanziell frei zu werden. Es wird suggeriert, man müsse alles tun, um dem bösen bösen Hamsterrad zu entkommen.

Zwei Sätze und schon mindestens drei Fehler.

  1. Passives Einkommen ist bei Weitem nicht der einzige Weg. Lottogewinne, Erbschaften oder einfach ein Mega-Gehalt tun es genau so gut.
  2. So ein passives Einkommen kommt nicht von alleine sondern meistens nur durch harte Arbeit. D.h. passives Einkommen ist nicht der Weg, sondern eher ein Nebeneffekt.
  3. Wenn Du ein Hamster bist, ist so ein Hamsterrad eine ziemlich geile Sache. Nur weil viele Menschen keinen Bock auf Nine-to-Five haben, muss das für dich nicht auch zutreffen.

Finanzielle Freiheit ist nicht erreichbar.

Für mich hat es oft den Anschein, dass die Motivation hinter finanzieller Freiheit nicht die Sicherheit und Flexibilität ist, die man damit evtl. erlangt, sondern im Wesentlichen, dass der aktuelle Job gerade nicht so toll ist. Und da gibt es viele andere Optionen, als sich mühsam zur finanziellen Freiheit zu kämpfen: Job wechseln, Selbstständigkeit, Umschulung, …

Das Konzept der finanziellen Freiheit ist, unter anderem durch Gerd Kommer zuletzt scharf kritisiert worden. Und das zum Teil auch zu Recht: Wer erwartet, mit einem normalem Gehalt und einem üblichen Lebensstandard jemals die finanzielle Freiheit erreichen zu können, ist schon rein rechnerisch schief gewickelt. Das geht nur, indem entweder das Gehalt überdurchschnittlich oder der Lebensstandard frugaler ist. Oder am Besten beides.

Schätzungsweise 80 bis 90% der deutschen Bevölkerung können sich dieses Ziel also schon mal abschminken, wenn sie nicht zu gravierenden Veränderungen bereit sind.

Stellt sich nur die Frage: Ist das schlimm? Ist es schlimm, die finanzielle Freiheit nicht zu erreichen? – Ich sage „Nein!“.

Es gibt viele andere Wege, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Und es gibt sehr viele Wege, beim Streben nach finanzieller Freiheit unglücklich zu sterben. Und was wirklich zählt ist, ein glückliches Leben zu führen.

Und dafür ist finanzielle Freiheit gewiss keine Vorbedingung. Dennoch halte ich passives Einkommen für gut und wichtig.

Passives Einkommen, mal nicht schwarz/weiß

Sieht man passives Einkommen im Kontext der finanziellen Freiheit, gibt es zwei mögliche Zustände: Entweder es reicht, oder eben nicht.

Was wäre aber, wenn wir passives Einkommen eher als ein nettes Zubrot zum aktiven Einkommen sähen? Dann sind jährliche Dividendeneinnahmen von 1000€ im Jahr nicht mehr bloß ein schlechter Witz (denn davon kann doch keiner Leben), sondern es ist mal eben ein netter Jahresbonus on Top, ein extra Urlaub oder alle drei Jahre ein neues MacBook für lau. Cool oder?

Passives Einkommen schafft Möglichkeiten, Freiheiten, Flexibilität. Und das schon lange bevor man von „finanzieller Freiheit“ sprechen würde. Erst kann man sich vielleicht nur ein Eis leisten, dann irgendwann einen Wochenendausflug. Später könnte man sich erlauben, einfach mal einen Monat im Jahr nicht zu arbeiten oder einfach ganzjährig nur Halbzeit. Es gibt viele Grautöne zwischen Schwarz und Weiß und auch noch viele Farben drum herum.

Jeder Euro extra macht das Leben etwas leichter, gibt etwas mehr Sicherheit und Flexibilität. Und diese Vorzüge kann man auch schon genießen, wenn die finanzielle Freiheit noch meilenweit entfernt oder gar unerreichbar ist.

Warum tun wir das?

Bei der ganzen Beschäftigung mit passivem Einkommen und finanzieller Freiheit macht es Sinn, manchmal auch einen Schritt zurück zu treten und sich darauf zu besinnen, warum wir das eigentlich machen.

Finanzielle Sicherheit? Rentenlücke stopfen? Mehr Flexibilität? Einkommensdiversifikation? Nie wieder arbeiten?

Nun ja. Sicherheit ist sehr subjektiv. Aber möglicherweise fühlt man sich auch schon sicher genug, wenn man genug Reserven hat, um ein oder zwei Jahre nicht arbeiten zu müssen. Mit finanzieller Freiheit hat das offiziell nix zu tun. Passives Einkommen braucht man dafür auch nicht.

Und die Rentenlücke stopfen? Ganz was anderes, als finanzielle Freiheit. Wenn ich eine Lücke von 50% habe und eine Sparquote von ebenfalls 50%, dann habe ich keine Rentenlücke. Und nicht etwa, weil ich so viel spare (ich könnte das Geld auch genau so gut verbrennen), sondern weil ich es zum Leben nicht brauche. Darüber hinaus müsste ich bei einer Rentenlücke von eben 50% auch nur 50% meines Einkommens passiv bestreiten, damit ich die Lücke stopfen kann.

Mehr Flexibilität kann ich ebenfalls erreichen, wenn ich was auf der hohen Kante habe oder ein kleines passives Einkommen.

Einkommensdiversifikation ist ein valider Punkt. Aber auch da sind viele kleine Quellen besser als eine große. Und theoretisch können davon auch mehrere aktiv sein.

Nie wieder arbeiten. Na gut da führt wohl (fast) kein Weg an 100% passivem Einkommen vorbei. Aber erstens gibt es das wohl kaum und zweitens: wer will das schon?

Insgesamt scheint das Konzept Finanzielle Freiheit oft als eine Art Vollkasko-Versicherung für die Zukunft angesehen zu werden. Eine Versicherung, die alle Eventualitäten abdeckt. Aber hier ist die Sache: 100-prozentige Sicherheit ist eine Illusion. Such dir lieber einen goldenen Mittelweg, der für dich passt.

Back to Topic: Meine passiven Einkommensquellen

Aber zurück zum Thema: Hier geht es um passive Einkommensquellen und natürlich hat der Finanzfisch davon auch einige. Die sind zwar noch lange nicht so groß und vielfältig wie bei manch altem Hasen, aber die Tendenz stimmt.

Da wären derzeit vor allem:

  • Dividenden,
  • Mieten und
  • Affiliate-Erträge

Dividenden

Ich investiere derzeit verstärkt in Einzelaktien, die bereits eine gute Dividende ausschütten oder aber auf lange Sicht eine gute Dividende zahlen werden. Derzeit werden Ausschüttungen gnadenlos reinvestiert, aber das kann ich natürlich jederzeit ändern.

Mieten

Neuerdings habe ich auch einen kleinen monatlichen Cashflow durch meine erste Eigentumswohnung. Weitere Immobilien und somit Mieteinnahmen können folgen, wenn die Zeiten günstig sind.

Darüber hinaus habe ich eine Zeit lang auch Webspace vermietet und damit ebenfalls ein kleines passives Einkommen gehabt. Allerdings standen hier auch einige Risiken und letztendlich aktive Aufwände gegenüber, weshalb ich dies zurückgefahren habe.

Affiliate-Erträge

Ebenfalls ein kleiner Posten, aber durch einige Links auf diesem Blog verdiene ich sogar ein wenig Geld. Allerdings stecke ich derzeit noch viel Zeit in den Blog (und plane auch nicht, dies zu ändern). Daher kann man auch hier nur in Anführungszeichen von passivem Einkommen sprechen.

Sonstiges

Streng genommen zählen auch Erträge aus P2P- und anderen regelmäßigen Investitionen zu passivem Einkommen. Theoretisch auch Zinsen auf dem Tagesgeldkonto (Haha!).

Derzeit blende ich diese Quellen aber immer aus, da sie irgendwie abgeschottet vor sich hin laufen und im Normalfall kein Geld auf meinem Konto landet. Das könnte ich aber natürlich leicht ändern.

Fazit

Ich stelle fest, das mein Verhältnis zum Thema finanzielle Freiheit, aber auch zu passivem Einkommen mittlerweile etwas differenzierter geworden ist. Beides sind in sich gute Konzepte, man sollte sie aber zum Einen auch unabhängig voneinander betrachten und zum Anderen auch die Sinnhaftigkeit im eigenen persönliche Kontext hinterfragen.

Und welche passiven Einkommensquellen funktionieren für dich am besten?

8 Comments

    1. Huch,
      da bin ich jetzt aber auch verwirrt. 😀

      Da habe ich wohl glatt das Jahr überlesen, als mir die Blogparade aus irgendwelchen Gründen in meinen RSS-Feed gestreamt wurde. Naja, wer lesen kann… (ich nicht)

      Beste Grüße
      Tobias

  1. Hallo,

    ein sehr guter und interessanter Beitrag zum passivem Einkommen. Das meiste davon kann ich mit dir teilen.

    Meine derzeitige passive Einnahmen sind:
    Dividenden
    Affiliate (durch langjährige harte und lange Arbeit)
    Miete (seit 2 Jahren nicht mehr, Objekt verkauft)

    Die finanzielle Freiheit bedeutet bei mir, dass ich nur Projekte machen kann, die mir Spaß machen, die aber vielleicht nicht so viel Geld einbringen. Passives Einkommen kommt nur durch vorherige harte Arbeit zustande!

    Gruß Vita

  2. Hallo,

    guter Artikel. Ist natürlich auch immer die Frage, wie man selbst für sich finanzielle Freiheit definiert.

    Wenn man in 30 Jahren 300.000€ sparen möchte, um dann daraus ein passives Einkommen z. B. mit Dividenden zu generieren und das Ergebnis dann als finanzielle Freiheit bezeichnet, dann ist es schon machbar.

    Natürlich müssen die meisten Leute dann auch noch arbeiten, aber nicht mehr so viel. Außerdem ist man zeitlich flexibler.

    Naja, kompliziertes Thema. Ich habe auch passives Einkommen durch Dividenden, Affiliate, P2P, Crowdinvesting.

    Eine Immobilie wäre auch interessant, aber ich warte erstmal darauf das die Immobilienpreise sinken bzw. es einen Crash gibt. Derzeit ist es bei uns in der Region einfach viel zu teuer.

    1. Hallo Jens, danke für dein Feedback.
      Ja das sehe ich auch so. Selbst wenn man finanzielle Freiheit als Ziel hat und evtl. nicht ganz erreicht, so hat man doch auf jeden Fall ein deutlich entspannteres Thema, wenn man einen guten Schritt in die richtige Richtung gemacht hat.

      Das mit den Immobilienpreisen ist in der Tat ein Problem. Ich würde den Kauf einer weiteren Immobilie auch nicht ausschließen, aber es ist sehr schwierig, da etwas Gescheites zu finden. Akzeptable Rendite gibt es heute oft nur noch mit (für mich) inakzeptablem Risiko. Da bleibe ich dann doch lieber bei Aktien 😉

      Beste Grüße
      Tobias

  3. Pingback: Mythos passives Einkommen

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