ETFs Teil 2: Jetzt aber richtig!

Im letzten Beitrag ging es um meine ersten zaghaften Gehversuche mit einem ETF auf den MSCI World. Im zweiten Teil der Serie erzähle ich Dir, warum ich gerade mal einen Monat bei diesem Sparplan blieb und wieso ich mich zu „mehr“ entschieden habe.

In diesem Artikel erfährst Du, wieso ich mich dazu entschlossen habe, stärker in ETFs zu investieren und welche Exchange Traded Funds mein ETF-Portfolio in Kombination mit dem MSCI World ETF abrunden.

Ich hatte jetzt also einen Sparplan auf den MSCI World. In diesen ETF hätte ich laut Sparplan gerade mal 100€ monatlich eingezahlt. Als ich mir meine monatliche Sparqoute ansah, die derzeit etwa 15 mal höher lag, dachte ich mir: Das passt nicht! Das passt weder zu meiner monatlichen Sparrate noch dazu, dass ich mir so viele Gedanken über ETFs mache.

Dies führte dazu, dass ich die Sparrate auf den EFT110 in diesem Monat drastisch anhob und weitere Sparpläne für andere ETFs einrichtete.

Welcher ETF ergänzt das Portfolio am besten?

Zum einen gibt es da ja noch die Schwellenländer, die durch den MSCI World nicht abgedeckt sind. Und die wollte ich ja auch nicht aus dem Auge verlieren. Für jedes Problem gibt es ein passendes Produkt. In meinem Fall den ETF127 (ComStage MSCI Emerging Markets TRN UCITS ETF) der den MSCI Emerging Markets, also einen Index für die Entwicklung von Schwellenländern nachbildet.

Diese beiden ETFs, einer auf den MSCI World und einer auf den MSCI Emerging Markets, sollten von nun an die beiden Hauptpfeiler meines ETF-Portfolios sein. Von dem Budget, welches ich monatlich für ETFs eingeplant habe, gehen hierbei 60% an den MSCI World und 30% an den MSCI Emerging Markets.

Fehlen da nicht 10%?

Ja richtig! Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, auch noch einen geringen Anteil in einen DAX-ETF und einen Exchange Traded Fund auf den NASDAQ-100 in mein Portfolio aufzunehmen. Hierbei bildet der DAX natürlich die großen deutschen Unternehmen ab, während der NASDAQ-100 die Top 100 der US-amerikanischen Technologieunternehmen enthält.

Unter Diversifikationsaspekten bringen diese beiden ETFs also nichts. Schließlich sind im MSCI World bereits große deutsche und große amerikanische Technologie-Unternehmen enthalten. Warum also zwei weitere ETFs besparen?

Für mich hat das eher psychologische Gründe: Wenn ich mein eigenes Geld in etwas investiere, kümmere ich mich mehr um dessen Entwicklung. Soll heißen: Ich achte mehr darauf, wie sich die deutsche Wirtschaft und der für mich relativ wichtige Technologiesektor entwickeln. Diese „Verbundenheit“ hätte ich nicht, wenn ich die Indizes nur auf meiner Watchlist hätte.

Hätten nicht auch ein Musterdepot oder eine Watchlist gereicht?

Nein, für mich hatten sowohl eine Watchlist als auch ein Musterdepot nicht denselben Effekt. Zwar ist ein Musterdepot eine gute Gelegenheit, sich mit Aktien und ETFs auseinander zu setzen, jedoch betrügt man sich hierbei schnell selbst.

Wenn es gut läuft, neigt man dazu, es sich selbst zuzuschreiben: „Das war eine klasse Idee! Ich bist so ein toller Hecht! Ich habe echt verstanden, wie es an der Börse läuft!“

Wenn es dann mal schlecht läuft, redet man sich raus: „Die Aktie hätte ich im echten Leben NIE gekauft. Die Aktie ist viel zu riskant. War ja klar, dass es so kommt. Das war eh nur Spielgeld!“

Diese Möglichkeit der Wahrnehmungsverzerrung und des Selbstbetrugs entfällt bei echten Investitionen. Hinzu kommt, dass viele Musterdepots Aspekte wie den Ausgabeaufschlag bzw. die Ordergebühren nicht abbilden. Somit ist es wesentlich leichter, in einem Musterdepot „Gewinne“ zu erwirtschaften.

Bevor ich meine ersten Schritte an der Börse gemacht habe, hatte ich auch Watchlists und Musterdepots (bei Finanzen.net). Das war auch ganz interessant und bei einigen Aktien habe ich mich hinterher „geärgert“, da ich nicht gekauft hatte, aber ich war irgendwie nicht richtig „betroffen“.

Daraus habe ich gelernt, dass es für mich wichtig ist, etwas mit echtem Geld auszuprobieren und ich nur dann richtig involviert bin.

Zusammenfassung

Derzeit bespare ich vier ComStage-ETFs, da ich diese ohne Ausgabeaufschlag besparen kann und ich diese ETFs für ein gutes Produkt halte.

Meine ETF-Budget teile ich derzeit wie folgt auf:

ComStage MSCI World TRN UCITS ETF 60%
ComStage MSCI Emerging Markets TRN UCITS ETF 30%
ComStage DAX TR UCITS ETF 5%
ComStage Nasdaq-100 UCITS ETF 5%

Im dritten und letzten Teil der Serie wird es um das Thema „Replikationsart“ und den Unterschied zwischen physisch und synthetisch replizierenden Exchange Traded Funds gehen.

Nun zu Dir!

Besitzt Du auch ETF-Sparpläne? Wie teilst Du Deine Sparraten auf? Und welche Erfahrungen hast Du bisher gemacht?

Bild: geralt (pixabay.com)

5 Gedanken zu „ETFs Teil 2: Jetzt aber richtig!

  1. Hallo,
    ich habe in meinem Depot 3+1 ETFs:
    ca. 80% MSCI World
    ca. 10% Emerging Markets
    ca. 10% Anleihen Euro-Raum –> jetzt wo die ersten beiden ETFs in den „roten Zahlen“ stecken, ist dieser ETF positiv. Die Idee dass dieser Anleihen-ETF die anderen (Aktien-ETFs) etwas „ausbalanciert“ hat also funktioniert.

    Zusätzlich zu diesem eher grundsoliden Depot, in das ich regelmäßig per Sparplan investiere, habe ich noch eine kleine Summe einmalig in einen ETF gesteckt, der Firmen abdeckt, die „saubere Energien“ liefern (Windkraft, Photovoltaik etc.).
    Also 3 klassische ETFs die ich regelmäßig bespare plus einen in dem einmalig ein wenig „Spielgeld“ gesteckt wurde.

    Zu deinem Depot, ich verstehe nicht warum du die deutsche und US-amerikanische Wirtschaft mit dem DAX und dem NASDAQ so überbewertest in deinem Depot… aber du bist dir dessen wenigstens bewusst.
    So lange du keine Ordergebühren zahlst für deine Sparpläne ist die Anzahl der besparten ETFs nicht so wichtig. Vielleicht ändern viele Anbieter das bald und wir werden Gebühren für den ETF-Kauf zahlen müssen. Würdest du dann immer noch 5 ETFs besparen?

    • Hallo Julia, vielen Bank für deinen Beitrag. Die Idee mit den Anleihe-ETFs finde ich sehr gut.

      Zu der Anzahl: Es sind nur 4 ;-), aber definitiv würde ich die letzten beiden ETFs, also DAX und NASDAQ-100, nicht mehr besparen, wenn ich dafür Gebühren bezahlen müsste. In dem Fall wäre meine Aufteilung 70/30.

      Das schöne an ETF-Sparplänen ist für mich gerade, dass ich sie jederzeit pausieren und ändern kann, wenn sich an meiner Strategie und den Konditionen etwas ändert. Da ich gerade erst anfange und noch etwa 20-30 Jahre vor mir habe, ist mein Portfolio eher auf Risiko getrimmt und ich habe noch kein Gold oder Anleihen im Depot. Dies werde ich aber auf lange Sicht ändern, um das Depot zum Ende hin abzusichern. Darüber hinaus habe ich noch andere Investitionen abseits des Aktienmarktes laufen, die kaum mit der Aktienentwicklung korrelieren. Dies sind u.A. Privatkredite und P2P-Kredite. In letzteres investiere ich aber nur „Spielgeld“.

  2. Hallo Finanzfisch,

    ich bespare zwar keine Sparpläne, habe aber mittels Direktkäufen ein ETF-Depot aufgebaut. Deshalb stelle ich mein Portfolio gerne vor:

    Ich investiere 2x jährlich größere Summen statt monatlicher Sparpläne weil es für mich besser passt und teilweise auf von mir bevorzugte ETFs keine Sparpläne gibt.

    Derzeit besteht mein risikobehaftetes Depot aus
    47% MSCI World
    27% MSCI Emerging Markets
    18% STOXX Europe 600 (wegen der Übergewichtung der USA im MSCI World) und
    9% FTSE EPRA/NAREIT Developed

    Der risikoarme Teil wird mittels Tagesgeld abgedeckt, Anleihen meide ich momentan. Die Gewichtung liegt aktuell bei 45% Tagesgeld, 55% ETF Depot und 10% P2P-Kredite.

    Ich möchte an dieser Stelle auf die Übersicht der wichtigsten ETFs auf Standardindizes aufmerksam machen. Diese stelle ich auf meiner Seite zur Verfügung, inklusive ihrem Steuerstatus in Deutschland. Man erspart sich dadurch eventuell das Durchforsten des Bundesanzeigers bei der ETF-Suche;-)

    Liebe Grüße
    ETF-Wahl

    • Hallo ETF-Wahl,
      was ist denn der Grund dafür, dass Du nur zweimal jährlich und nicht quartalsweise oder monatlich investierst? Hohe Fixkosten pro Transaktion oder einfach nur der Zeitaufwand?

      Das mit der Übergewichtung der USA im MSCI World ist so eine Sache. Auf der einen Seite stellen sie natürlich mit knapp 60% den Löwenanteil. Auf der anderen Seite bildet das allerdings ihre Größe und die Marktkapitalisierung der US-Unternehmen ab. Daher ist es meiner Meinung nach gerechtfertigt, dass der US-Anteil so groß ist.

      Mit einer Investition in den Euro-Stoxx oder den Dax (wie in meinem Fall), kommt es eher zu einer Übergewichtung europäischer oder deutscher Aktienunternehmen. Das ist zwar absolut legitim aber es muss einem bewusst sein, dass ein Anteil von 60% per se erst einmal keine Übergewichtung von US-Unternehmen bedeutet.

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

      • Ja, bei einer quartalsweisen oder monatlichen Investition würden die Oderkosten zu stark an der Rendite knabbern. Zudem gibt es Berechnungen denen zufolge halbjährliche Investitionsintervalle besser performen als monatliche. Das ist natürlich auch immer abhängig welches Portfolio und vor allem welchen Zeitraum man betrachet.

        Natürlich kann man einfach die Gewichtung nach Marktkapitalisierung der zugrunde liegenden Indizes so lassen, ich gewichte allerdings lieber nach BIP. Daher das europäische Gegengewicht, denn die europäische Wirtschaft ist viel größer als ihre Marktkapitalisierung.

        Viele Grüße
        ETF-Wahl

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