ETFs Teil 3: Vor- und Nachteile synthetisch replizierender ETFs

Nachdem ich im ersten Teil der Serie erwähnt habe, dass synthetisch replizierende ETFs auch kein böses Hexenwerk sind, möchte ich Dir heute erklären, was die Replikationsart „synthetisch“ bei Exchange Traded Funds bedeutet.

Du erfährst, was der Unterschied zwischen synthetisch und physisch replizierenden ETFs ist und wieso die Replikationsart für mich nur eine geringe Bedeutung bei der Auswahl meiner ETFs hat.

Was bedeutet „Replikationsart“ oder „Replikationsmethode“

Um zu verstehen, wieso es so etwas wie eine Replikationsart bei ETFs überhaupt gibt, muss man zunächst verstehen, was ein ETF ist. Ein ETF ist ein Fond, der den Wert von etwas nachbildet. Meistens ist dieses „Etwas“ ein Aktienindex.

Um die Wertentwicklung eines Indizes nachzubilden gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Einen kann man genau die Werte, die im Index enthalten sind, in genau der gleichen Relation kaufen. Wenn ein Wert aus dem Index „ausscheidet“ und dafür ein anderes Unternehmen hinzu kommt, muss man im ETF diesen Austausch ebenfalls vornehmen, um die gleiche Zusammensetzung wie der Index zu haben.

Ich gebe Dir ein Beispiel: Angenommen Du bist eine Bank und möchtest einen ETF auf den DAX anbieten. Der DAX enthält die Top 30 der deutschen Aktienunternehmen. Von Adidas über verschiedene Autobauer wie Volkswagen und BMW bis hin zu einigen Banken und Versicherungen ist alles dabei. Eine aktuelle Zusammensetzung des Indizes findest Du zum Beispiel auf Finanzen.net: Liste aller DAX-Werte

Für Dich als Bank ist diese Liste nun quasi Deine Einkaufsliste. Das heisst, du kaufst Anteile von allen 30 Unternehmen im Verhältnis, das Dir durch die Liste vorgegeben wird.

Aktuell ist das letzte Unternehmen im DAX die ehemalige Deutsche Annington (Vonovia). Sollte dieses Unternehmen weiter an Wert verlieren, kann es sein, dass es irgendwann nicht mehr zu den Top 30 der deutschen Unternehmen gehört. Es würde dann aus dem DAX genommen werden. Dafür würde das hochwertigste Unternehmen aus dem MDAX quasi nachrutschen. Damit Dein ETF weiterhin ein hundertprozentiges Abbild des DAX bleibt, müsstest Du die Vonovia-Anteile verkaufen und statt dessen Anteile des neuen Unternehmens auf  Platz 30 im DAX kaufen. Diese Methode nennt sich physische Replikation.

Natürlich kann es bei sehr großen Indizes wie dem MSCI World sein, dass es auf Grund des Fondvolumens garnicht möglich ist, Unternehmensanteile aller Unternehmen im entsprechenden Verhältnis zu kaufen. In diesem Fall wird eine Sampling-Methode angewandt, d.h. es wird nur in einen Teil der Unternehmen im Index investiert. Wie gut oder schlecht die Wahl der Unternehmen durch die Sampling-Methode war, spiegelt sich am Ende durch den Tracking-Error wieder, der angibt, wie gut der ETF den Index nachbildet.

Was ist anders bei der synthetischen Replikation?

Im Gegensatz zur physischen Replikation muss ein synthetisch replizierender ETF gar keine Werte aus dem Index kaufen. Es reicht, wenn er in irgendwelche anderen Unternehmen investiert, die in etwa eine ähnliche Entwicklung durchmachen werden.

Aber das klingt doch höchst spekulativ! In der Tat ist dies der Grund, warum die meisten Anleger abspringen, wenn sie synthetische Replikation hören. Schließlich möchte man doch in DAX-Unternehmen investieren und nicht in wer weiß was.

Nun ist es allerdings so, dass der zuvor erwähnte Tracking-Error nicht nur vom Sampling sondern auch von vielen anderen Faktoren wie unterschiedlichen Zeitzonen / Marktöffnungszeiten und sonstiger Restriktionen abhängt. Dadurch, dass sich der ETF nun nicht auf Werte aus dem Index beschränken muss, hat er mehr Spielraum um den Tracking-Error möglichst klein zu halten, d.h. den Index möglichst exakt nachzubilden, da Aktien nach belieben ausgetauscht werden können.

Den Austausch von Aktien nennt man Swap. Ein synthetisch nachbildender ETF wird auch Swap-ETF genannt. Damit der ETF tauschen kann, benötigt er jemanden der mit ihm tauschen will. Dieser jemand nennt sich Swap-Kontrahent und ist häufig eine Bank bzw. der Mutterkonzern des Emittentens. Damit einher geht ein erhöhtes Risiko, da im Falle einer Insolvenz des Kontrahenten die Möglichkeit zum Tausch entfällt. Dieses Risiko nennt man Kontrahentenrisiko.

Also ist das doch böses Hexenwerk!? Nicht ganz! Das Risiko ist gesetzlich bei ETFs, welche die UCITS-Richtlinie erfüllen, auf 10% des Fondvolumens begrenzt. Zudem versuchen viele ETFs, das Risiko weiter zu senken indem sie Sicherheiten des Kontrahenten einfordern, die Teil des Fondvermögens sind. Das heißt, im schlimmsten Fall erleidet man durch den Ausfall des Kontrahenten einen Verlust von 10%. UCITS-konforme ETFs erkennt man übrigens leicht daran, dass sie das Kürzel „UCITS“ im Namen tragen.

Vor- und Nachteile der beiden Replikationsmethoden

Für physische Replikation spricht, dass diese Methode leicht zu verstehen und relativ transparent ist. Zwar wird es durch das mögliche Sampling etwas komplizierter, aber als Anleger kann man quasi „in den Index investieren“, was im Prinzip das ist, was die meisten Leute mit einem ETF bezwecken wollen. Ein weiterer Vorteil ist, dass es kein Kontrahentenrisiko gibt.

Gegen physische Replikation spricht, dass der Tracking-Error höher sein kann, als bei synthetisch replizierenden ETFs. Außerdem ist die TER, also die Gesamtkostenquote, häufig deutlich höher.

Die Nachteile der synthetischen Replikation sind, dass man als Anleger nicht so genau weiß, in was man über den ETF eigentlich investiert. Swaps sind vergleichsweise schwer zu verstehen und man hat ein Kontrahentenrisko von maximal 10%.

Die Vorteile der synthetischen Replikation sind vor allem der geringe Tracking-Error im Regelfall und die teilweise geringere Gesamtkostenquote. In meinem Fall ergab sich ein weiterer Vorteil: Die synthetischen ComStage-ETFs sind bei der Consorsbank noch bis 2019 ohne Ausgabeaufschlag besparbar. Der Swap-Kontrahent ist in diesem Fall die Commerzbank AG.

Fazit

Insgesamt kann man sagen, dass die Replikationsmethode eigentlich garnicht so wichtig ist, wenn man den Swap-Kontrahenten als seriös und solide erachtet, der ETF UCITS-konform ist und möglicherweise noch weitere Sicherheiten das Risiko weit unter die 10%-Marke drücken.

Letztendlich ist es unter diesen Aspekten wesentlich wichtiger, dass der Tracking-Error gering ist und eine längere Historie > 5 Jahren vorliegt, um den Erfolg oder Misserfolg des ETFs, also den Tracking-Error beurteilen zu können. Darüber hinaus sollte man die TER nicht vernachlässigen, da diese einen nachhaltigen Einfluss auf die Rendite hat.

Quellen & weitere Literatur

Ich kann Dir unter anderem die folgenden Artikel auf justETF empfehlen:

Darüber hinaus ist justETF auch eine prima Anlaufstelle um Hintergrundinformationen zu den verschiedenen ETFs und ihren Parametern zu erhalten.

Nun zu Dir!

Wie ist Deine Meinung zu synthetisch replizierenden ETFs? Nutzt Du sie aktiv oder meidest Du sie doch lieber? Welchen Emittenten und welches Depot bevorzugst Du, und wieso?

Bild: jarmoluk (pixabay.com)

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