Ortsunabhängig Arbeiten auf Fuerteventura

Wie du vielleicht weißt, habe ich seit Mitte 2019 keinen festen Wohnsitz mehr. Zwar hatte ich während der Pandemie von März bis September eine Wohnung in Sofia in Bulgarien, jedoch war diese eher im AirBnB-Style, sodass ich leicht und ohne Verluste mit zwei Gepäckstücken ausziehen konnte.

Und das habe ich dann auch Anfang Oktober getan, um dem rauen Winter in Bulgarien zu entgehen. Nach einigen Wochen Aufenthalt bei der Familie in meiner (ehemaligen?) Heimat machte ich mich dann auf nach Fuerteventura.

La ParedHier gibt es ganzjährig gutes Wetter und die Pandemie ist hier ebenfalls gut im Griff. Umgeben vom Atlantischen Ozean habe ich hier alles, was das Herz begehrt: Sonnenaufgänge zum Frühstück, Sonnenuntergänge beim Abendbad und Sonne dazwischen. Und auch für jemanden, der sich nie zwischen Tauchen, Kiten, Surfen und Segeln entscheiden kann, ist die Insel perfekt. Hier ist alles möglich.

Lediglich das Internet soll hier nicht so toll sein. Und das machte mir vor der Anreise große Sorgen. Schließlich bin ich nicht zum Vergnügen hier (Scherz :D). Doch trotz alles Vergnügens arbeite ich auch. Teilzeit in Festanstellung, am Blog und an 1–2 weiteren Projekten. Gutes Internet ist also Pflicht.

Meine Unterkunft auf Fuerteventura

Unterkünfte auf Fuerteventura sind nicht gerade günstig, wenn man es mit AirBnBs in Bulgarien vergleicht. Auch verglichen mit meiner ehemaligen deutschen Miete liege ich hier etwa beim Doppelten. Rund 1.200 € zahle ich hier im Monat. Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass ich aktuell alleine Reise. Hinzu kommt, dass man hier ohne Auto nicht so gut vom Fleck kommt.

Ursprünglich wollte ich mit dem Bus vom Flughafen anreisen. Dieser fährt allerdings nur dreimal am Tag und auch nicht direkt zu meiner Unterkunft. Ich hätte hier knapp zwei Stunden warten und anschließend noch 40 Minuten laufen oder ein Taxi nehmen müssen. Daher habe ich mich spontan für die erste Woche für ein Auto von Sixt entschieden, was mich etwa 13 € pro Tag kostet. So komme ich in den Genuss, völlig unabhängig die Insel erkundigen zu können und hatte am Anreisetag noch Zeit, Einkaufen zu fahren.

Sonnenaufgang um 7:00 UhrIch habe ein extrem schönes AirBnB-Appartment* unweit von Costa Calma an der Ostküste gefunden. Es liegt etwa 50 Meter vom Meer entfernt auf einer Anhöhe mit unverbautem Blick auf den atlantischen Ozean. Ab 7:00 Uhr kann ich hier jeden Morgen bei einer Tasse Kaffee den Sonnenaufgang bestaunen. Das relativiert den Preis.

Der perfekte ArbeitsplatzAllerdings hat die Unterkunft kein WLAN, weshalb ich mir noch einen LTE-Router* und ein 300GB Datenvolumen für 30 Tage von Vodafone* besorgt habe. Auch nicht gerade günstig, aber dafür habe ich hier schnelles und praktisch unlimitiertes Internet, was für mich wichtig ist. Ich habe viele Videokonferenzen und lade auch einige Bilder und Videos hoch. Und ich möchte mir nicht die ganze Zeit Sorgen machen, ob das Internet reicht und ob ich arbeiten kann.

Glücklicherweise stellten sich die anfänglichen Sorgen als unbegründet dar. Das 4G-Netz (LTE) ist am Ort meiner Unterkunft sehr gut und schnell und ich habe überhaupt keine Probleme.

Abgesehen davon sind Einkaufsmöglichkeiten, Tauch- und Surfschulen fußläufig zu erreichen. Was will man mehr? 😀

Fuerteventura: Atemberaubende Landschaften und Natur pur

Morro JableDie Landschaft auf Fuerteventura ist größtenteils eher karg und wüstenähnlich. Hier bietet sich ein krasser Kontrast zum atemberaubend türkis-blauem Meer und den Palmenwäldern, die es in einigen Gegenden gibt.Karge Landschaften soweit das Auge reicht.

Inmitten der kargen Landschaft findet man interessante Orte, wie zum Beispiel Betancuria, ein schönes, buntes und entspanntes Dörflein.Betancuria

Playa de CofeteEndlos weite Sandstrände laden zum Spazierengehen und Verweilen ein. Hier ist es leicht, sich aus dem Weg zu gehen. Perfekte Pandemie-Residenz also. Insgesamt ist Fuerteventura eher dünn besiedelt. Der größte Teil der Bewohner im Süden sind vermutlich Touristen. Und davon gibt es im Winter 2020 nicht gerade viele hier.

Sonnenuntergang bei La ParedZu Unrecht, wie ich finde. Auch im November sind es hier tagsüber angenehme 25-30 Grad. Fuerteventura ist derzeit kein Risikogebiet und die endlosen Weiten machen es leicht, einen gesunden Mindestabstand zu wahren. Corona-technisch fühle ich mich hier jedenfalls deutlich besser aufgehoben als in Norddeutschland. Wetter-technisch auch.

Ich habe herausgefunden, dass es im Norden in Corralejo und auch in Puerto Del Rico mehr digtiale Nomaden und permanent Lebende zu geben scheint. Hier war ich bislang aber nur kurz zu Besuch.

Arbeiten auf Fuerteventura

Zum Arbeiten nach Fuerteventura zu fliegen. Da denkt man an Animateure und Surflehrer. Aber auch für ortsunabhängige Angestellte und digitale Nomaden lohnt sich die Insel. Allerdings solltest du deine Arbeit unbedingt lieben. Andernfalls dürfte es schwer werden, dich hier nicht ablenken zu lassen. 😉

Wenn du, wie ich auch, die Sonne liebst und bei viel Tageslicht produktiver bist, dann bist du hier aber absolut richtig. Im November sind es hier im Durchschnitt 7 Sonnenstunden am Tag. Im Dezember immerhin 6. Und nur 3–4 Regentage im Monat. Das lässt sich doch aushalten.

Wenn du für deine Arbeit auf gutes Internet angewiesen bist, solltest du genau schauen, wo du deine Unterkunft wählst und wie das Internet dort ist. Das 4G-Netz ist auf Fuerteventura zwar keinesfalls flächendeckend, innerhalb der Touristenorte und in deren Nähe kannst du aber mit einer guten Abdeckung rechnen. Ansonsten hat man allerdings auch stellenweise mal gar kein Netz. Wenigstens das ist etwas, was hier an Heimat erinnert. 😀

Auch Glasfaserkabel und schnelles VDSL sind hier eher nicht anzutreffen. Das 4G-Netz scheint nach meiner bisherigen Erfahrung hier die beste Option zu sein. Mit meiner Vodafon-Datenkarte und auch mit meiner bulgarischen Sim im Orange-Netz komme ich hier immerhin auf 20–30 Mbit/s Downstream und 20–30 Mbit/s Upstream. Das ist besser als manch ein DSL-Anschluss in Deutschland und auch schnell genug für Videotelefonie und Netflix. Der einzige Nachteil ist, dass das Datenvolumen begrenzt und teuer ist.

Für 300 GB Prepaid für 30 Tage von Vodafone zahlt man etwa 145 €. Ich sammle derzeit Erfahrungen, wieviel Datenvolumen ich wirklich zum Arbeiten benötige, um zukünftig einen passenden Datentarif wählen zu können. Bisher sieht es aber so aus, als ob 10 GB pro Tag mehr als reichlich für meine Arbeit sind. Das kommt aber natürlich immer darauf an, was du arbeitest. Für Foto- und Videografen, die ihr Arbeitsergebnis in die Cloud laden müssen, könnte das zu wenig sein.

Fuerteventura gehört zwar noch zur EU, liegt aber sehr weit westlich und ist damit eine Stunde vor der deutschen Zeit. Das ist zu beachten, wenn du Meetings mit Kollegen hast. Abgesehen davon arbeitet es sich hier aber wie überall sonst. 😀

Fazit

Die Kanaren haben sich für mich als guter Ort zum Leben und Arbeiten entpuppt. Das Klima ist freundlich und die Menschen sind entspannt. Fuerteventura hat landschaftlich einiges zu bieten.

Wer mehr Anschluss sucht, ist im Norden besser aufgehoben als im Süden. In den Touristenregionen, wie Costa Calma, sind logischerweise mehr Touristen als permanent Lebende. Das macht es schwierig, langfristige Freundschaften aufzubauen, zumal sich ein Großteil des Lebens hier in den Hotelanlagen abspielt und Corona nicht gerade förderlich für das Sozialleben ist.

In Corralejo im Norden hingegen sieht die Lage anders aus. Diese Stadt ist gewissermaßen der Digitale-Nomaden-Hotspot auf Fuerteventura und verfügt damit über eine deutliche bessere Infrastruktur und man trifft öfter auf Menschen, die hier leben und nicht nur Urlaub machen.

Daher spiele ich derzeit mit dem Gedanken, im Dezember nach Corralejo umzuziehen, wenn ich aus meinem Apartment im Süden ohnehin rausmuss.

Kannst du dir Leben und Arbeiten auf den Kanaren vorstellen? Hast du es schon mal ausprobiert?

3 Comments

  1. Hallo Tobias,

    sehr coole Auswahl. Bin auch ein Freund der Kanaren 😉

    Wie genau machst du das als Angestellter? Je nach Land kann sich das ja ändern mit Steuer und Sozialversicherungen…auch cool, wenn dein AG das dir so ermöglicht.

    Viele Grüße
    Dennis

    1. Hi Dennis,
      ich bin noch regulär in Deutschland gemeldet und zahle auch normal Steuern und Krankenversicherungs-Beiträge in Deutschland.

      Wenn ich mich irgendwann mal für ein Land entschieden habe, werde ich mal schauen, ob ein offizieller Wohnsitzwechsel in Frage kommt, damit ich wirklich dort Steuern zahle, wo ich lebe.

      Beste Grüße
      Tobias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.