Von 62 Quadratmetern auf 40 Liter in 3 Monaten

Wie in meinem letzten Artikel angekündigt möchte ich heute näher darauf eingehen, wie ich vorgegangen bin, um innerhalb von drei Monaten von einer 62qm-Wohnung voll mit Möbeln und Dingen runter auf Handgepäck (plus einer kleinen Anzahl Bananenkartons) zu kommen und nebenbei noch alle notwendigen Schritte zu erledigen, die für ein Leben ohne Wohnung notwendig sind.

Am Anfang steht die Planung

Noch während meiner Zeit in Südafrika im Februar und März habe ich mir Gedanken gemacht, welche Dinge ich auf eBay und welche auf eBay Kleinanzeigen verkaufen möchte.

Aus der Ferne denkt man zwar nicht an alles, aber man hat die nötige Distanz um viele Dinge als unwichtig zu erachten. Wenn ich etwas auf einer sechswöchigen Reise nicht benötige, stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich gänzlich darauf verzichten kann.

Ich habe mir also ein Trello-Board mit Spalten für eBay und eBay Kleinanzeigen sowie für Sperrmüll und für Aufgaben, die ich erledigen muss, angelegt.

Südafrika hat mir genau die Motivation gegeben, die ich brauchte, um dieses Projekt in Angriff zu nehmen.

Act immediately

Im Prinzip ist es eh klar: Wenn man lange wartet, verschwindet die Motivation wieder und die Zweifel gewinnen die Oberhand.

Auch mein Host in Südafrika hat mir mehrfach den Tipp gegeben, sofort nach meiner Ankunft in Deutschland aktiv zu werden. Und so habe ich noch am Tag meiner Rückkehr die ersten Dinge auf eBay bzw. eBay Kleinanzeigen eingestellt und in der darauf folgenden Woche damit weiter gemacht.

Das war Mitte März. Zu Ende März habe ich dann mein Schicksal mit der Kündigung meiner Wohnung besiegelt. Jetzt gab es eine Deadline, zu der ich alle Möbel losgeworden und den Großteil meiner Besitztümer verkauft haben musste.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Den „Point of no return“ habe ich somit zum ersten April überschritten. An fast jedem Wochenende und teils auch unter der Woche habe ich mehrere Stunden investiert, um weitere Möbel leer zu bekommen und auf eBay Kleinanzeigen einzustellen. Außerdem habe ich viele Habseligkeiten auf eBay eingestellt.

Hier bin ich so vorgegangen, dass ich die Dinge zum Sofortkauf mit einem zunächst relativ hohem Preis angeboten habe. Preisvorschläge habe ich zugelassen. In regelmäßigen Abständen habe ich den Preis reduziert, bis ich die Artikel verkaufen konnte. Alles was so nicht weggegangen ist, habe ich in der letzten Woche auf Auktion umgestellt. Endspurt!

So habe ich vergleichsweise hohe Preise erzielen können, da ich am Anfang ja noch keinen Zeitdruck hatte.

Nach und nach hatte ich mehr oder weniger alle Möbel leer bekommen und zum Verkauf eingestellt. Auch den Sperrmüll hatte ich für Mitte Juni schon angemeldet. Alles, was bis dahin nicht verkauft oder verschenkt war, wurde leider entsorgt.

Regelmäßige Motivationsreisen – die beste Entscheidung

Ursprünglich wollte ich in den drei Monaten gar nicht für längere Zeit aus meiner Wohnung raus, sondern einfach Vollgas geben, um das Projekt abzuschließen.

Glücklicherweise habe ich mich aber doch dafür entschieden, sowohl etwas Zeit auf Gran Canaria zu verbringen als auch Anfang Juni nach Riga zu fliegen.

Diese kurzen Reisen haben mir immer wieder neue Motivation gegeben, die ich auch dringend nötig hatte.

Endspurt Ende Juni

Die letzte Juni-Woche hatte ich mir frei genommen. Hier wollte ich die Behördengänge für die Ummeldung vollziehen, die letzten Dinge aus der Wohnung räumen und entsorgen bzw. einlagern und ggf. auch Renovierungsarbeiten durchführen, die ich evtl. noch zu tätigen hätte.

Allerdings ergab sich nach einer Vorabbesichtigung mit meinen Vermietern, dass ich im Prinzip nichts zu machen hätte. TOP! So konnte ich die letzte Woche auch etwas mehr Zeit in andere Projekte stecken und etwas abschalten.

Auch die Wohnungsübergabe habe ich schon am zweiten Urlaubstag, also am Dienstag den 25.06.2019, vollständig über die Bühne gebracht.

Ein strukturiertes Vorgehen ist essentiell

Manch einer mag es vielleicht als etwas hochtrabend erachten, so etwas profanes wie eine Wohnungsaufgabe oder einen Auszug als Projekt zu betrachten.

Mir gab das aber die notwendige Struktur, um nicht völlig durchzudrehen. Immer wenn mir etwas eingefallen ist, was noch zu erledigen ist, habe ich das ganz im Sinne von GTD auf meine ToDo-Liste gepackt. So konnte ich den Kopf frei kriegen und dennoch (hoffentlich) nichts vergessen.

Die Aufgaben habe ich mir dann regelmäßig in meinen Wochenplan gelegt und das Gesamtprojekt in verschiedene Teilprojekte unterteilt:

  1. Wohnung leer kriegen
  2. Letzte Woche
  3. Endreinigung
  4. Adressänderungen

Das Thema als Projekt zu betrachten hat mir in jedem Fall sehr geholfen, da ich hier meine gewohnten Routinen und Vorgehensweisen anwenden konnte.

Aber man braucht doch eine Wohnung?!?

Lange Zeit habe ich gedacht, dass es ohne Wohnung überhaupt nicht geht. Schließlich braucht man eine Meldeadresse und irgendwo muss die Post ja hingeschickt werden.

Das sind aber zum Glück Probleme, die sich im 21. Jahrhundert weitgehend lösen lassen. Gemeldet bin ich jetzt einfach im Haus meiner Mutter. Dort stehen auch einige Kartons und ich könnte dort notfalls auch schlafen. Passt also. Damit ist das Steuer- und Job-Thema schon mal kein Problem.

Für meine Briefpost setze ich bereits seit November 2018 auf CAYA*. Dieser Services kostet eine kleine monatliche Gebühr und funktioniert so, dass die Post mittels Nachsendeauftrag an CAYA gesendet wird, wo die Post geöffnet und gescannt wird. Somit erhalte ich meine Post dann als PDF.

Nach meiner Ummeldung musste ich also lediglich einen weiteren Nachsendeauftrag einrichten und alles läuft weiter wie gehabt.

Fazit

Natürlich kann ich noch nicht genau sagen, wie lange ich diesem neuen Lebensstil frönen möchte. Ob es mir langfristig gefällt, permanent „unterwegs“ zu sein, weiß ich jetzt noch nicht. Auch daher ist die Wohnungsaufgabe nicht einfach für mich gewesen.

Aber es gibt genau einen Weg, das heraus zu finden. Und diesen Weg gehe ich jetzt. Und für dieses Jahr sind die Reisepläne auch schon weitgehend in trockenen Tüchern. Und auch in der ersten Hälfte des nächsten Jahres werde ich die nördliche Halbkugel vermutlich weitgehend meiden.

Fakt ist jedenfalls, dass dieser Lebensstil eine Menge Freiheit, Flexibilität und Erlebnisse mitbringt und das Potential hat, einen Haufen Geld zu sparen.

Wenn dieser Artikel erscheint, bin ich übrigens gerade auf dem Weg nach Sofia, wo ich bis Mitte/Ende August bleiben werde.

Wäre dieser Lebensstil etwas für dich? Was würde dir am meisten fehlen?

2 Comments

  1. Hallo Finanzfisch, gratuliere zum tollen Projekt und natürlich ist ein solcher Auszug ein größeres Lebensprojekt, das eine To-do-Liste verdient hat.
    Ich könnte mir das schon auch vorstellen und habe das im Prinzip auch schon hinter mir, da ich während des Studiums ein Jahr im Ausland gelebt habe. Mehr als den 20 kg Koffer konnte man da nicht mitnehmen und mein Wohnheimszimmer in D habe ich in der Zeit natürlich gekündigt.
    Für mein Lebensglück ist es unerheblich, ob ich viel oder wenig Dinge besitze. Andere Dinge wie Freundschaften, Gesundheit und Erlebnisse sind wichtiger. Auf Dauer möchte ich aber doch irgendwo ankommen und ertappe mich in letzter Zeit sogar, vom Häuschen im Grünen mit Kindern und Haustieren zu träumen. Vielleicht ist es auch eine Frage des Alters. Natürlich reizt mich noch eine Weltreise, aber Reisen als Lebensziel oder Sinnsuche ist eher was für die „Quarter-Life-Crisis“. Das habe ich schon hinter mir… kommt vielleicht in der Midlife-Crisis wieder 😉
    Ich miste regelmäßig meine Wohnung aus, aber habe auch schon einiges Weggegebene wieder nachgekauft… Minimalist werde ich wohl nicht mehr.

    1. Hallo Eowin, vielen Dank!

      Ja so ändern sich manchmal die Prioritäten. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich in einigen Jahren etwas mehr „Stabilität“ vielleicht ganz gut finde. Aber bis dahin nutze ich die Flexibilität, die ich jetzt noch habe. 😉

      Ist das bei mir mit Ende 20 jetzt eine späte Quarter-Life-Crisis oder eine frühe Mid-Life-Crisis? 😀

      Beste Grüße
      Tobias

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