Wie geht es eigentlich der Telekommunikationsbranche? (Gastartikel)

Immer wieder hört man von Menschen, die bisher noch nicht so viel Kontakt mit den Themen Aktien und Börse hatten, dass das Ganze doch viel zu riskant sei. Das muss allerdings nicht so sein! In einem clever angelegten Aktiendepot sollte sich das Risiko in Grenzen halten.

Um dies zu erreichen, sollten die Investitionen möglichst breit gestreut werden. Anleger sprechen dabei von „Diversifikation“. Eine gute Diversifikation bedeutet, dass darauf geachtet werden sollte, nicht nur Aktien im Depot zu haben, deren Wertentwicklung sehr stark miteinander korreliert. Beispielsweise ist davon auszugehen, dass Aktien aus dem Automobilsektor (z.B. Automobilhersteller- und Zulieferer) sich untereinander relativ ähnlich entwickeln werden. Wenn ein Automobilhersteller Rekordumsätze macht, dann wird in der Regel auch der Zulieferer davon profitieren.

Umgekehrt gilt natürlich auch: Wenn in Krisenzeiten der Automobilabsatz stagniert oder gar einbricht, dann wird sich das vermutlich auch auf die Zulieferer auswirken. Im Sinne einer guten Diversifikation, wäre es daher ratsam, sich nicht nur auf eine einzige Branche zu fokussieren – auch wenn man sich dort vielleicht berufsbedingt besonders gut auszukennen glaubt.

Häufig wird in diesem Zusammenhang die Telekommunikationsbranche als ein Industriezweig angesehen, der sich gut dazu eignet, etwas Stabilität in das eigene Depot zu bringen. Aus diesem Grund, schauen wir uns heute diese Branche etwas genauer an.

Telekommunikationsbranche – was ist das?

Unter Telekommunikationsbranche verstehen wir den Markt für Kommunikationsdienstleistungen und digitale Güter. Darunter fallen also in erster Linie Anbieter für Telefonie, Internet und sonstige Dienstleistungen, die eine gewisse Netzabhängigkeit aufweisen. Im weiteren Sinne können auch Hardwarehersteller, die sich auf entsprechende Produkte spezialisiert haben der Telekommunikationsbranche zugeordnet werden.

Das Spektrum der Produkte, die der Telekommunikationsbranche direkt oder indirekt zuzuordnen sind, ist also ziemlich groß. Dennoch denken die meisten Menschen bei dem Thema automatisch an Festnetztelefonie, Mobilfunk und das Internet. Und das ist durchaus berechtigt! Wenn wir allein den deutschen Markt betrachten, dann Betrug der Umsatz im Bereich der Telekommunikation 2018 knapp 60 Milliarden €. Auch wenn das Festnetz allmählich an Bedeutung verliert, so sind noch immer 55% des Umsatzes auf das Festnetzgeschäft zurückzuführen.

Das liegt allerdings weniger an der Festnetztelefonie, sondern am Internet, das auch in die Festnetzstatistik mit einfließt. Die anderen 45% des Umsatzes lassen sich dem Bereich Mobilfunk zuordnen, was in etwa einer Summe von 27 Milliarden € entspricht. Insgesamt ist der Markt relativ stabil (siehe Abbildung 1). Auch die einzelnen Marktanteile der Anbieter haben sich zuletzt kaum verändert. Im Bereich der Kommunikationsdienste sind die drei wesentlichen Provider die Deutsche Telekom (Platz 1), Vodafone (Platz 2) und Telefonica (Platz 3).

Abbildung 1: Umsatzerlöse auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt (in Mrd. €; Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2017)
Abbildung 1: Umsatzerlöse auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt (in Mrd. €; Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2017)

Das Nutzerverhalten ändert sich

Anfang 2018 gab es in Deutschland ca. 135 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Dort hat Vodafone mit 46 Millionen Anschlüssen die Spitzenposition belegt. Besonders interessant ist dabei, dass trotz der steigenden Anzahl von Anschlüssen, die Anzahl der Gesprächsminuten abnimmt.

Durchschnittlich nur 11 Minuten täglich wird pro Person in Deutschland telefoniert. Überraschend ist diese Entwicklung auch, weil immer mehr Menschen Verträge besitzen, die Flatrates beinhalten. Zusätzliche Gesprächsminuten verursachen also für den Nutzer keine Mehrkosten. Man könnte meinen, dass solche Verträge dazu animieren, mehr zu telefonieren. Allerdings haben Untersuchungen festgestellt, dass sich das Nutzerverhalten in den letzten Jahren entscheidend verändert hat.

Social Media und Messaging Apps machen viele Telefonate überflüssig. Auch muss heutzutage nicht mehr jeder mobile Anschluss für die Telefonie bestimmt sein. Einige Anschlüsse dienen lediglich der Bereitstellung einer Internetverbindung, beispielsweise für Tablet-PCs oder auch immer mehr für die Automobilindustrie. Wichtig ist dem (Privat-)Kunden daher vor allem eines: eine stabile und leistungsfähige mobile Datenverbindung!

Steigende Investitionen und rückläufige Mitarbeiterzahlen

Insbesondere beim mobilen Internet gilt die Devise: „höher, weiter, besser“. Es wird nicht nur massiv in den Netzausbau investiert, sondern auch in neue Technologien (siehe Abbildung 2). Aktuell werden in Deutschland beispielsweise die 5G Frequenzen versteigert, die noch höhere Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung ermöglichen sollen, allerdings auch immense Kosten verursachen.

Das stagnierende Wachstum bei gleichzeitig immer höheren Investitionen, zwingt die im Markt tätigen Unternehmen zu Kosteneinsparungen an anderer Stelle, was sich in sinkenden Mitarbeiterzahlen widerspiegelt (siehe Abbildung 3). Beschleunigt wird diese Entwicklung auch durch den anhaltenden Preisverfall und Wettbewerbsdruck.

Hat beispielsweise vor 20 Jahren eine Sim-Karte monatlich noch 57,26€ in die Kassen gespült, sind es heute durchschnittlich nur noch 16,68€. Teilweise ist dies auch auf regulatorische Entwicklungen zurück zu führen, wie beispielsweise den Entfall der Roaming-Gebühren in der Europäischen Union.

Abbildung 2: Sachinvestitionen in den deutschen Telekommunikationsmarkt (in Mrd. €; Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2017)
Abbildung 2: Sachinvestitionen in den deutschen Telekommunikationsmarkt (in Mrd. €; Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2017)
Abbildung 3: Mitarbeiter auf dem Telekommunikationsmarkt (in Tsd.; Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2017)
Abbildung 3: Mitarbeiter auf dem Telekommunikationsmarkt (in Tsd.; Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2017)

Was bedeutet das aus Investorensicht?

Für diejenigen, die sich fragen, ob ein Investment in den Telekommunikationssektor attraktiv ist oder nicht, gilt es nun die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. Sinnvoll könnte es beispielsweise sein, sich mit der Entwicklung an der Börse in den vergangenen Jahren zu befassen.

Exemplarisch dafür ist in Abbildung 4 die Entwicklung eines ETFs von iShares abgebildet, der sich auf die europäische Telekommunikationsbranche spezialisiert hat (WKN: A0H08R). Demzufolge fließen in das Chart nicht nur Entwicklungen aus dem deutschen Markt ein, sondern auch anderen europäischen Ländern (z.B. Norwegen, Frankreich, Spanien, etc.). Betrachtet man nur das Chart von 2012 bis 2019, dann scheint die Volatilität im Vergleich zur Umsatzentwicklung im deutschen Markt (Abbildung 1) ziemlich hoch zu sein.

Zwischen den Jahren 2015 und 2016 hat es einen sehr steilen Kursanstieg gegeben, gefolgt von einem stetigen Abwärtstrend. Der Kurs aus dem Jahr 2019 notiert aktuell deutlich unter dem Kurs von 2012. Die Anleger scheinen also zunehmend skeptisch gegenüber der Telekommunikationsbranche zu sein.

Ganz rational betrachtet ist das ein wenig überraschend, denn insgesamt haben sich seit 2016 die meisten Indizes sehr positiv entwickelt. Zudem bietet die Telekommunikationsbranche ein einerseits sehr leicht verständliches Geschäftsmodell und andererseits eine gute Vorhersagbarkeit der Umsatzerlöse, denn die meisten Kunden sind vertraglich an einen Anbieter gebunden. Die Nachfrage ist dementsprechend stabil.

Wer selbst schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, in der Support-Hotline seines Providers kostbare Lebenszeit unwiederbringlich zu verschwenden, dem sollte spätestens in diesem Moment bewusst geworden sein, wie abhängig wir von der Telekommunikationsbranche sind. Das grundsätzliche Geschäftsmodell ist also durchaus solide und zumindest mittelfristig wird sich das auch nicht ändern.

Auf Grund der vergleichsweise stabilen Umsatzerlöse sind zudem im Bereich der Telekommunikation regelmäßige Dividendenzahlungen üblich.

Abbildung 4: Entwicklung des iShares STOXX Europe 600 Telecommunications UCITS ETF (DE) (Quelle: Finanzen.net)
Abbildung 4: Entwicklung des iShares STOXX Europe 600 Telecommunications UCITS ETF (DE) (Quelle: Finanzen.net)

Fazit: Ist die Telekommunikationsbranche ein Investment wert?

Wann und wie in welche Wertpapiere investiert werden sollte, das muss letztendlich jeder Anleger selbst entscheiden. Uninteressant ist die Telekommunikationsbranche allerdings nicht. Die Umsatzerlöse wachsen zwar hierzulande nicht mehr, dennoch scheint der Markt relativ stabil.

Es ist außerdem davon auszugehen, dass Telekommunikation (auch in Verbindung mit neuen Anwendungen und Technologien) noch eine Weile ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens sein wird. Zudem ist das Geschäft auf Grund von bestehenden Verträgen verhältnismäßig gut planbar.

Nicht vergessen werden sollte aber auch, dass in dem Markt ein hoher Kosten-, Investitions- und Wettbewerbsdruck herrscht, der zu sinkenden Margen führt. Auch die Beschäftigtenzahlen sind rückläufig. Im Vergleich zu anderen Branchen scheint auch der Aktienboom der letzten Jahre nicht für steigende Kurse gesorgt zu haben – ganz im Gegenteil sogar!

Dennoch gibt es auch Aspekte, die die Branche für Investoren attraktiv machen könnten. Die Kurse sind beispielsweise aktuell niedrig (historisch gesehen). Außerdem sollte gerade aus der Perspektive der Risikostreuung beachtet werden, dass es auch von Vorteil sein kann, in eine Branche zu investieren, deren Kurse sich scheinbar unabhängig von anderen Indizes entwickeln. Die regelmäßigen Dividendenzahlungen können ebenfalls verlockend sein.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass es sowohl Argumente gibt, die für eine Investition in die Telekommunikationsbranche sprechen, als auch Gründe dagegen. Ein eindeutiges Urteil kann an dieser Stelle nicht gefällt werden und liegt im Ermessen des Anlegers.

Über die Autoren

Mit unserem Blog „kreativ-investieren“ möchten wir (Raphael & Paul) ganz normalen Menschen das Thema Finanzen etwas näher bringen.

Unser Motto lautet daher „Finanzbildung für jedermann“! In diesem Sinne möchten wir unsere Leser dazu motivieren, mehr Verantwortung für den eigenen finanziellen Erfolg zu übernehmen. Thematisch sind wir dabei offen für verschiedene Investitionsformen, wie z.B. Aktien, Immobilien oder P2P-Kredite.

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