Risikovergleich: inländischen vs. ausländischen P2P-Plattformen

Wie in einem vergangenen P2P-Lending-Report erwähnt, möchte ich mich heute näher mit dem Thema Risikovergleich ausländischer und inländischer P2P- und Crowdinvesting-Plattformen beschäftigen.

Im Normalfall bieten inländische Plattformen wie Bergfürst* oder Zinsland* eine deutlich niedriger Rendite, als ausländische Pendants wie EstateGuru* oder Bulkestate*. Dafür müsste doch auch das Risiko bei inländischen Anbietern niedriger sein. Aber ist das so?

Ich persönlich kann nicht wirklich einschätzen, wie das Risiko-Verhältnis zwischen deutschen und lettischen bzw. estnischen Anbietern ist. Daher möchte ich zunächst anhand möglicher Szenarien überlegen, welche Risiken es gibt und wie sich die im In- bzw. Ausland auswirken.

Risiko 1: Ausfall eines Einzelprojektes

Was das Projekt-Ausfall-Risiko angeht, bin ich mir sehr sicher, dass man bei den Crowdinvesting-Plattformen (Bergfürst, Zinsland, EstateGuru, Bulkestate) leer ausgeht, d.h. einen Totalverlust erfährt.

Man gibt hier eben ein Nachrangdarlehen und ist somit am Ende der Nahrungskette. Durch Immobilien gesicherte Kredite können das Risiko zwar reduzieren, aber auch hier passt schlimmstenfalls der reale Wert nicht zum geschätzten und es ist dann doch nix für die Investoren übrig. Es ist zwar gut, wenn die Kredite besichert sind, aber darauf vertrauen würde ich nicht.

Allerdings habe ich den Eindruck (Achtung: subjektiv), dass Bergfürst* und Zinsland* die Projekte genauer prüfen, als es z.B. EstateGuru* tut. Das mache ich unter anderem daran fest, dass die deutschen Plattformen deutlich weniger Projekte anbieten, als EstateGuru. Allerdings trifft das Argument mit der geringeren Projektanzahl auch auf einige ausländische Plattformen wie Bulkestate* zu. Und bei Zinsland kriselt es gerade auch bei einem Projekt.

Ob sich daraus allerdings ein geringeres Ausfallrisiko inländischer Plattformen ableiten lässt, kann man jetzt noch nicht sagen. Nach meinen jetzigen Kenntnisstand sind bei allen vier Plattformen noch keine Ausfälle zu verzeichnen. Allerdings laufen Immobilienprojekte üblicherweise länger und die Plattformen sind noch sehr jung. Da das Geld meistens erst am Ende und nicht am Anfang knapp wird, bleibt also abzuwarten, ob das mit den Ausfällen so bleibt.

Und auch die Rückkaufgarantien ausländischer Plattformen wie die von Mintos* oder VIAINVEST* dürften im Ernstfall nicht all zu viel Wert sein. Zum Teil hat man hier vielleicht den Vorteil, dass die Rückkaufgarantien von verschiedenen Darlehensanbahnern gestellt werden und somit ein Totalausfall unwahrscheinlicher wird, aber wie sehr man sich im Ernstfall darauf verlassen kann, ist fraglich.

P2P- und Crowdinvestings bleiben hochriskante Investments und man sollte hier immer mit einem Totalverlust klar kommen können.

Ich persönlich rechne den P2P-Anteil in meinem Depot gedanklich als Spielgeld: Geld, dass ich notfalls verlieren könnte. Wäre unschön, aber nicht existenzbedrohend. Dafür erhalte ich bestenfalls auch eine schöne Rendite. In jedem Fall versuche ich aber, die Sicherheit durch Rückkaufgarantien komplett auszublenden. Ich lasse mich lieber positiv überraschen, als hinterher ein böses Erwachen zu erleben.

Risiko 2: Ausfall einer ganzen Plattform

Auch hier fehlen mir (zum Glück) noch die Erfahrungswerte.

Wenn eine Plattform komplett ausfällt, muss das für den Investor nicht zwingend zu einem Problem werden.

Bei Zinsland und Bergfürst hat meinen seinen Vertrag z.B. direkt mit dem Projektentwickler und ist somit ein Stück weit unabhängig von den Plattformen. Ähnlich ist es bei EstateGuru und Bulkestate. Hier würde im Falle einer Insolvenz ein Insolvenzverwalter die Abwicklung der Rückzahlungen übernehmen. Die Investitionen werden dabei getrennt vom Vermögen der Plattform behandelt.

Bei den P2P-Plattformen läuft es im Prinzip ähnlich ab. D.h. ein Plattform-Ausfall wird zwar in allen Fällen unangenehm, aber sofern die Angaben der Plattformen korrekt sind, erhält man früher oder später die Rückzahlungen der Kreditnehmer zurück, sofern sie denn zahlen.

Wie allerdings die Kommunikation mit einem Insolvenzverwalter oder Anwalt im Ernstfall klappt, wird man dann sehen. Könnte spannend werden.

Risiko 3: Unseriöse Anbieter

P2P- und Crowdinvesting-Plattformen schießen wie Pilze aus dem Boden und da wird es sich nicht vermeiden lassen, dass früher oder später auch ein unseriöser Anbieter auf den Plan tritt.

Dieser würde dann brav das Geld einsammeln und vielleicht Kreditnehmer und Gewinne vorgaukeln und irgendwann mit prall gefüllten Taschen das Weite suchen.

Im Falle eines ausländischen Betrügers gehe ich mal davon aus, dass man seine Investition komplett verliert.

Im Falle eines inländischen Betrügers hat man vielleicht noch die Chance, dass die Justiz etwas bewirken kann. Das ist aber Spekulation. Und mal ehrlich: Wenn ich kriminelle Machenschaften im Internet plane suche ich mir eher ein anderes Aufenthaltsland als Deutschland. Einen Bürositz in Deutschland kann man ja trotzdem vorgaukeln. Solche fälle gab es bereits, wenn auch nicht im P2P-Lending-Bereich.

Grundsätzlich muss also jeder für sich entscheiden, welchem Anbieter er traut und welchen er als unseriös erachtet. Bei deutschen Anbietern, wo man auch mal in Person mit Leuten sprechen kann, fällt das vielleicht etwas einfacher. Und mittlerweile kann man ja auch schon mit vielen ausländischen Anbietern zumindest über Skype sprechen.

Ansonsten ist hier der beste Schutz, langsam mit kleinen Summen anzufangen, die P2P-Nachrichten zu verfolgen und bei einem guten Gefühl mehr zu investieren.

Fazit

Wie eingangs bereits erwähnt, fällt es mir sehr schwer, die Risiken inländischer und ausländischer Plattformen zu vergleichen.

Ich konnte für mich schlichtweg noch nicht die Frage beantworten, welche Plattform das beste Rendite-Risiko-Profil hat. Mein subjektiver Eindruck ist, dass die ausländischen Plattformen den inländischen nicht in Punkto Sicherheit nachstehen. Aber dieser Eindruck unterliegt mit Sicherheit meiner Wahrnehmungsverzerrung, da ich bisher mit ausländischen Plattformen nur gute Erfahrungen gemacht habe (mit inländischen auch).

Daher streue ich mein Geld so breit wie es geht, um das Totalausfall-Risiko zu minimieren. Neue Plattformen durchleuchte ich, sofern dies über das Internet möglich ist. Und zum Glück gibt es mittlerweile genug andere Blogger, die sich die Plattformen ebenfalls näher ansehen und mit Mitarbeitern sprechen, um mehr zu erfahren.

Wie schätzt Du die Situation ein? Sind deutsche Anbieter sicherer als EstateGuru, Bulkestate und Co?

2 Comments

  1. Hi Tobias, Du bringst hier immer gute Themen. Danke für den blog !

    Was mich bei P2P etwas stört, sind die Kosten, die der Kreditnehmer zahlt und die auf jeden fall die Platform einstreicht, egal, ob die Sache platzt oder nicht. Wenn man sich bei Zinsland z.B. das neueste Projekt (Residenz Walzenmühle) anschaut und das Informationsblatt runterlädt, so liest man: Für die laufende Schwarmfinazierung erhält Zinsland die folgenden Zuwendungen: 7250 EUR pauschal für das Treuhandkonto, 4,5 % Vermittlungsgebühr, 1 % jährlich. Rechnen wir also mal mit spitzem Bleistift: Das Treuhandkonto sind auf die Gesamtsumme des Crowdfundings 0,48 %, nehmen wir an, das Projekt wird erwartungsgemäß nach 18 Monaten erfolgreich beendet. Die Platform erhält 0,48 % + 4,5 % + 18/12 * 1 % = ca. 6,5 %. Der Anleger erhält 9,75 %. Oder als TER (total expense ratio) gerechnet kommen die Gebühren auf gute 35 %. Da ist jeder Fond mit aktiven Management + Ausgabeaufschlag eine Sparnummer dagegen. Dieses Beispiel ist noch nicht das Schlimmste, Ich bin bei deutschen Platformen auf bis zu 50 % TER gekommen.
    Wie auch beim Fonds, ist das Risiko sehr asymmetrisch verteilt. Der Vermittler hat quasi Null Risiko, man muss ihm schon grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliche Falschangaben nachweisen.
    Der Schwarmteilnehmer hingegen trägt das volle Risiko, wenn der Bauträger (fast immer eine GmbH) sich verkalkuliert hat und die hochpreisigen Wohnungen doch nicht wunschgemäß verkauft werden oder sonst was passiert. Der Bauträger zahlt (Gebühren + Zinsen) 16,25 % für die 1,5 Jahre (also fast 11 % p.a.). Das da was im Insolvenzfalle übrig bleibt, sollte man sich abschminken, denn das Dahrlehen ist total nachrangig, denn > 80 % werden meist von Banken mit Grundbuchbesicherung finanziert, erst der Rest ist von der Crowd.
    Deswegen bin ich mit solchen Angeboten sehr skeptisch. Bei 6 % darf nur 1 von 20 Projekten pleite gehen, damit es sich lohnt gegen z.B. ein Tagesgeldhopping, wo man 1 % auch noch mit fast Null Risiko holen kann. Nach Steuer kann es noch schlechter ausshen, da das Finanzamt einen Totalverlust häufig nicht anerkennt.

    Kennt jemand die Gebührensituation im Ausland und könnte eine ähnliche Berechnung aufzeigen ?

    Bei ausländischen P2P mag man ggf. noch etwas besser stehen, weil man teilweise Zinsdifferenzen und ein Wohlstandsgefälle ausnutzen kann. So kann man in Osteuropa für weniger Euros ja auch ein gleich gutes Bier zischen als in Deutschland.

    Du machst es auf jeden Fall richtig. Du bist Dir des Risikos bewusst. Du verteilst das Geld breit auf viele Platformen und Projekte. Wenn man in P2P geht, dann so !

    Ich schaue, inspiriert duch die Finanzblogszene mir auch mal das eine oder andere an, habe aber bisher nur 100 EUR investiert und werde weiteres Spielgeld wohl auch mehr im Ausland investieren.

    Viele Grüße

    Julian

    1. Moin Julian, vielen Dank für das Lob! 🙂

      Ich denke du siehst das genau richtig. Für die Plattformen ist das so oder so ein guter Deal. Wobei auch die meines Erachtens ein Interesse haben, dass es für Investoren gut läuft. Sonst bleiben diese schließlich auf Dauer weg.

      Bei ausländischen P2P-Plattformen sind die Margen eher noch höher. Wenn wir TWINO nehmen: 40-45% nehmen die für einen Kredit. Der Investor kriegt davon circa 14. Daher können die sich solche Späße wie Payment-Garantien viel eher leisten als die deutschen.

      Wie es aber bei ausländischen Crowdinvesting-Plattformen aussieht kann ich nicht sagen. Müsste man mal recherchieren, wie die Margen bei EstateGuru und Bulkestate ausfallen.

      Viele Grüße
      Tobias

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