Verkaufe Wirecard – aber nur ein Bisschen

Noch ganz neu im Geschäft mit Einzelaktien kaufte ich im Februar 2016 relativ spontan die Aktie der Wirecard AG. Mehr aus einem Gefühl heraus, als auf Fakten basierend. Im Nachhinein freue ich mich über diese Entscheidung.

Auf Grund der fantastischen Entwicklung verkaufe ich jedoch heute einen Teil meiner Aktien, um der stetig wachsenden Übergewichtung (etwas) Einhalt zu gebieten.

Meine Geschichte mit Wirecard

Wirecard hat mir in den letzten Jahren viel Freude bereitet. Nachdem der Kurs der Aktie durch das sogenannte Research-Unternehmen Zatarra ordentlich in den Keller geprügelt wurde, witterte ich die Chance für einen Einstieg.

Klar, es war reine Spekulation, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich der Kurs schnell erholen würde. Und daher bin ich am 29.02.2016 bei einem Kurs von 36,599€ mit einer Position von 28 Stück eingestiegen. Damals war ich noch recht frisch mit Einzelaktien unterwegs. Meine erste Aktie, Amazon, hatte ich erst Anfang Februar 2016 gekauft. Insofern kannst du dir sicher vorstellen, wie aufregend das damals war.

Aufregender wurde es, als der Kurs Ende März auf ungefähr 33€ absackte. Das waren mal eben -10% in einem Monat. Aber mit mehr Glück als Verstand entschloss ich, am 30.03.2016 noch einmal nachzukaufen. Diesmal kaufte ich 30 Anteile für 33,339€.

Seitdem sorgte die Aktie immer für regelmäßige Freudensprünge bei mir. Heute steht die Aktie bei 167,75€. Zwar gab es zwischendurch zwar durchaus deutliche Rücksetzer, aber da ich keine Stops gesetzt hatte und diese Rücksetzer weit oberhalb meines Einstiegskurses passierten, nahm mich das nicht wirklich mit.

Wirecard Aktienkurs (Quelle: Portfolio Performance)
Wirecard Aktienkurs (Quelle: Portfolio Performance)

Wirecard entwickelte sich einfach prächtig und laufend gute Nachrichten sorgten schon schnell dafür, dass ich den Plan der kurzfristigen Spekulation verwarf und noch bis heute alle 58 Anteile im Depot habe.

Allerdings kommt diese Entwicklung in meinem Depot nicht ganz ohne Probleme. Zum Einen schwankt dieser Wert relativ stark und zum anderen hat Wirecard es mittlerweile zu einem Gewicht von über 13% meines Depots geschafft wohingegen andere Aktien eher bei 3 bis 4% liegen. Über 25% der Kursgewinne in meinem Depot verdanke ich dieser einen Aktie.

Klingt zwar erst mal ganz cool, allerdings wird mir das Klumpenrisiko hier langsam etwas zu groß.

Der Verkauf

Daher habe ich mich nach über einem Jahr des Hin-und-her-Überlegens dazu entschieden, einen Teil meiner Position zu verkaufen. Insgesamt verkaufe ich 25 Anteile. Damit bekomme ich einen Netto-Gewinn von 60% auf meine Investition und einen Steueranteil von 825€ raus. Die restlichen 33 Anteile habe ich also, von Opportunitätskosten mal abgesehen, für lau.

Lange hat mich der Gedanke, so viele Steuern zahlen zu müssen, extrem abgeschreckt. Denn schließlich könnte dieses Geld auch gut investiert bleiben und sich potenzieren. Dies hat mich (zum Glück) in den letzten Jahren von einem Verkauf abgehalten.

Allerdings wird es vielleicht nicht ewig so weiter gehen und da nun auch noch mein neuer Job in der Finanzbranche ist, gibt es doppelte Gründe, hier vorsichtig zu sein.

Was tun mit dem Geld?

Nach Steuern und Gebühren bleiben mir vom Verkauf immer noch 3352,45€ übrig. Glasklar, dass die nicht auf dem Tagesgeldkonto bleiben sollten. Daher habe ich mich wieder an die Aktienbewertung gemacht und werde wahrscheinlich zeitnah die folgenden Aktien kaufen:

Zum Einen ist da KDDI, ein japanischer Telekommunikationsdienstleister der mit guten Zahlen und einer guten historischen Entwicklung punkte kann. Bisher halte ich noch keine japanischen Einzelaktien und in der Telekommunikationsbranche sehe ich, auch auf Grund der bevorstehenden Ausbreitung des IoTs, ein hohes Potential. Derzeit ist die Aktie zudem recht günstig bewertet.

Zum Anderen haben sich Starbucks, Fastenal und Geely ein Kopf an Kopf-Rennen um die zweite Position geliefert. Die ersten beiden stehen schon länger auf meiner Watchlist und über Geely bin ich erst kürzlich gestolpert. Alles sehr unterschiedliche Unternehmen.

  • Starbucks hat im letzten Jahr etwas nachgegeben und ich sehe durchaus ein hohes Potential. Davon ausgehend ist die Aktie sehr günstig.
  • Obgleich Fastenal vom historischen KGV und der Dividendenhistorie ausgehen ebenfalls unterbewertet ist, hat die Aktie auch gerade einen historischen Höchststand markiert. Allerdings werden die Produkte des Unternehmens immer gebraucht und es ist gut aufgestellt.
  • Mit Geely könnte ich den Asien-Anteil in meinem Depot weiter ausbauen. Die Aktie hat stark nachgegeben und das Unternehmen ist günstig bewertet. Allerdings wäre es auch wieder ein Investment in der Automobilbranche.

Insgesamt werde ich in dieser Woche wahrscheinlich nur zwei Aktien kaufen. Daher muss ich mich noch festlegen.

Fazit

Der Verkauf ist mir nicht leicht gefallen. Allerdings tröstet mich der Gedanken, dass ich immer noch einen Großteil meiner ursprünglichen Anteile halte. Subjektiv fühlt es sich cool an, so viele Anteile gratis zu haben. Objektiv ist das natürlich auch Quatsch.

Allerdings habe ich so für mich das Beste aus beiden Welten: Ich bin weiterhin an der Entwicklung dieses Unternehmens beteiligt und habe ein Stück des Risikos raus genommen.

Mich interessiert, wie du vergangen wärst!
Mehr verkaufen, nix verkaufen, genau so? Und welches Unternehmen wird dein nächster Kauf?

8 Comments

  1. Hallo Tobias,

    kann Deine Entscheidung für einen Teilverkauf von Wirecard nachvollziehen im Hinblick auf das Klumpenrisiko. Ich versuche jedoch generell eher nicht mehr zu verkaufen und dafür auch größere Ungleichgewichte im Depot in Kauf zu nehmen. Zumindest in der Vermögensaufbauphase. Wenn sich dann später die Zielsetzung verschiebt und es bei entsprechender Depotgröße mehr um den Vermögenserhalt geht, würde ich Klumpenrisiken dann aber auch herausnehmen.

    Von dem Erlös würde ich an Deiner Stelle aktuell wohl Booking Holdings, Starbucks und / oder Sixt kaufen. Hier sehe ich weiterhin Qualität und langfristiges Wachstumspotential zu einem fairen Preis. Falls es demnächst zu Rücksetzern am Aktienmarkt kommt, würde ich wohl auch Microsoft und Facebook weiter aufstocken.

    Deine Depotzusammenstellung gefällt mir übrigens gut. Nur Daimler würde ich bei Gelegenheit austauschen, jedoch nicht auf dem aktuell recht niedrigen Niveau. Bei den Autobauern fehlt es mir für eine Langfristanlage an Kontinuität beim Umsatz- und Gewinnwachstum. Deshalb scheint mir diese Branche für den Vermögensaufbau nicht so gut geeignet. Die hohen Dividenden sind mir auch nicht sicher genug.

    Grüße nach Lübeck

    Colibri

    1. Moin Colibri,
      danke für die Einschätzung und den Einblick in deine Strategie 🙂

      Ich habe mich nun tatsächlich für Starbucks und KDDI entschieden. Sixt finde ich auch nicht schlecht, allerdings möchte ich die Gewichtung deutscher Unternehmen in meinem Depot derzeit etwas verringern.

      Ja was Daimler angeht, höre ich das oft. Die haben natürlich in der letzten Zeit ganz schön Federn gelassen. Ich warte weiter ab, da ich davon ausgehe, dass sich diese Entwicklung auch wieder umdrehen wird. Insgesamt (inkl. Dividende) steht die Aktie bei mir immerhin noch 10% im Plus.

      Beste Grüße
      Tobias

  2. Hallo Finanzfisch,

    das ist ein schönes Luxus-Problem, was sich da in den letzten 2 Jahren bei dir entwickelt hat. =)

    Ich bleibe meinen Wirecard Anteilen treu, da ich das Unternehmen auch langfristig als gut positioniert betrachte. Steuern auf die Gewinne zahlen, möchte ich natürlich auch nicht. Dieses Vergnügen spare ich mir für später auf.

    Aber bei mir machen die Anteile auch nicht ganz soviel Depotgewichtung aus wie bei dir, daher kann ich deine Entscheidung gut nachvollziehen.

    Ein Teilverkauf war sicher nicht verkehrt.

    Beste Grüße
    Nico

    1. Moin Nico,
      danke für deine Einschätzung. 🙂

      Ja heute hat sich mal wieder gezeigt, dass es gut ist, Wirecard-Aktionär zu sein. Da ärgere ich mich natürlich, schon verkauft zu haben. Allerdings hatte ich auch Angst, einer gewissen Euphorie zu verfallen und mich nicht mehr trennen zu können. Da ist es so besser für mich. 😉

      Beste Grüße
      Tobias

  3. Hallo Nico,

    Wirecard ist eine super Firma. Ich hab viel hin und her mit der Aktie gemacht. 2008 habe ich drei mal je 1000 Stück gekauft (um die 5 EUR), aber schnell wieder verkauft. Unterm Strich blieben nach den 3 Geschäften 133 EUR. Hätte ich die behalten …
    November 16 bin ich wieder eingestiegen zu ca. 44 EUR, aber mit einer deutlich kleineren Menge. Die bleiben erstmal im Depot. Denn trotz der hohen Bewertung ist bei der Firma immer noch Musik drin.
    Ich kann aber verstehen, dass Du ein Klumpenrisko vermeiden willst und Du bist ja mit der guten Hälfte noch dabei. Hast du auch noch etwas, das in den Miesen steht ? Aus steuerlichen Gründen kann es sinnvoll sein, das in diesem Jahr zu relisieren.

    Starbucks hätte ich nicht auf der Watchlist. Das Modell ist von zu vielen gut kopiert worden. Wenn man durch Seoul geht, dann ist da gefühlt jede 100 m so ein Café, aber jede Menge andere Ketten, die auch einen guten Kaffee machen für 20 % weniger.

    Zu KDDI kannst Du ja mal mehr erzählen, was du da recherchiert hast. Mobilfunk wird man auf jeden fall in der Zukunft weiter brauchen. Und es ist da schwer für Neueinsteiger da sich da national Oligopole gebildet haben.

    Fastenal sieht von den Zahlen erstmal nicht schlecht aus.

    Ich habe mir ein paar Check Point Software geholt (NASDAQ: CHKP)

    1. Moin KostenRunter,
      mein Artikel zum Kauf von KDDI und Starbucks erscheint Mittwoch. Bei KDDI ist Mobilfunk das eine, aber IoT das andere Thema, bei dem ich Zukunft noch viel Potential sehe. Das mit der Monopol-Stellung sehe ich hier ähnlich.
      Bei Starbucks gebe ich dir Recht, dass es viel Konkurrenz gibt. Allerdings stört das nicht wirklich. Starbucks ist wie, McDonalds auch, eine globale Marke, bei der man weiß, was man kriegt. Menschen entscheiden sich eben oft für das, was sie schon kennen. Das aktuelle Wachstum sieht gut aus.

      CHKP schau ich mir vielleicht mal an, allerdings habe ich ohnehin schon recht viel Technologie im Depot (Apple, Facebook, Amazon, Intel, SAP), weshalb das erst mal für mich nicht in Frage kommt.

      Beste Grüße
      Tobias

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