Über Sinn und Unsinn der Sparquote

In meinem letzten Artikel bin ich darauf eingegangen, wie sich die Immobilienvermietung auf meine Sparquote auswirkt. Bei den Überlegungen zu diesem Thema habe ich mir natürlich auch (mal wieder) die Frage nach Sinn und Unsinn der Sparquote gestellt.

Hä? Unsinn der Sparquote? Wie kommt der auf sowas?

Zunächst: Die Sparquote ist sinnvoll!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Für mich ist die Sparquote ein extrem wertvolles Instrument, um meine Spardisziplin und meinen Konsum zu überwachen. Sie ist das Maß, an dem ich mich im Wettkampf mit mir selbst messen kann.

Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, meine Einnahmen und Ausgaben nicht zu tracken und am Ende des Monats diese in Relation zu setzen. Ich habe mit der Zeit hier einen Korridor definiert, in dem ich mich aufhalten möchte:

Über 55% ist mein Ziel. Wenn ich mal über 65% schaffe, ist das fantastisch. Noch höher wäre grandios, aber in meiner aktuellen Situation und mit meinem derzeitigen Lebensstil auch unrealistisch. In sofern habe ich mich auf diesen Bereich mit mir selbst geeinigt. Dieses Ziel ist anspruchsvoll aber auch erreichbar. Ich kann mein Leben genießen und bin trotzdem mit meiner Sparquote zufrieden.

Aber: Die Sparquote ist gefährlich

Die Sparquote hat allerdings auch eine Schattenseite: Sie ist eine Zahl, eine Metrik, ein KPI. Und Menschen sind darauf getrimmt, Zahlen miteinander zu vergleichen. Und das ist schlecht.

Schnell kommen wir in die Versuchung, unsere Sparquote mit der einer anderen Person zu vergleichen. „Wow, die da hat 75% Sparquote. Wie kann ich das nur auch schaffen?“

Dadurch entsteht Druck und letztendlich Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung. Dabei sollten wir aber nie Vergessen, dass die Sparquote nicht vergleichbar ist.

Die Sparquote hängt von den Einnahmen und den Ausgaben ab. Hierzulande gibt es einen gewissen Sockel an Ausgaben, die man nicht unterschreiten kann, ohne sich komplett zu verbiegen. Man braucht was zu Essen, Klamotten, einen Platz zum Schlafen und die eine oder andere Versicherung wäre sicherlich auch ganz sinnvoll. Es ist also für jemanden, der kaum mehr als diesen Ausgaben-Sockel verdient, fast unmöglich, eine hohe Sparquote zu erreichen.

Umgekehrt kann jemand, der 100.000€ im Monat verdient natürlich genau so spartanisch leben und kann damit mal eben eine Sparquote von 90% oder mehr erreichen. Wenn beide Personen eine Sparquote von 50% haben, ist die dafür notwendige Anstrengung komplett unterschiedlich.

Und ob die jeweilige Sparquote zu den zukünftigen Zielen dieser Person passt, ist ebenfalls noch nicht geklärt. Dementsprechend gibt es viele Faktoren, die einen Einfluss haben und man muss die Sparquote immer im Gesamtkontext sehen. Für den Vergleich ist sie daher ungeeignet.

Wie ich auf meinen Korridor komme

Aktuell fühle ich mich mit einer Sparquote von über 50% relativ sicher und möchte sie daher beibehalten. Das liegt vor allem daran, dass ich derzeit meine sogenannte Rentenlücke auf etwa 50% schätzen würde. Natürlich unter der Annahme, dass ich bis ins Rentenalter arbeite und mein Gehalt etwa gleich bleibt.

Das heißt, dass alleine dadurch, dass ich nur 50% oder weniger meines Einkommens zum Leben brauche, die Rentenlücke quasi nicht existiert, sofern ich einem normalen Lebensmodell nachgehe.

Darüber hinaus wirkt die Sparquote natürlich verstärkend, da sie, in Aktien, P2P-Kredite oder Immobilien angelegt, über die Jahre und dank Zinseszinseffekt zu einem schönen Vermögen heranwachsen wird.

Dass ich mir statt der “notwendigen“ 50% sogar 55% als unterste Grenze gesetzt habe liegt daran, dass ich lieber auf Nummer sicher gehe und dass es ruhig etwas anspruchsvoll sein soll. Schließlich ist die Sparquote für mich auch eine wichtige Maßnahme dafür, meinen Lebensstandard nicht aus Versehen zu stark zu erhöhen.

Für mich passt es ganz gut und ich vergleiche mich in diesem Kontext mit mir selbst.

Fazit

Die Sparquote ist super für den individuellen Vergleich mit sich selbst. Sie verhilft zu Disziplin und Konsistenz. Als Benchmark für den Vergleich mit anderen ist sie allerdings völlig ungeeignet.

Darüber hinaus ist der Vergleich mit anderen Menschen ohnehin eher müßig, da wir hierbei häufig vergessen, das Gesamtbild zu sehen. Eine Person kann zwar in einem Bereich sehr erfolgreich erscheinen, aber in anderen Bereichen durchaus ihre Schwächen und Probleme haben. Gerade in der digitalen Welt sehen wir diese Schwächen häufig nicht. Und daher ist es schwierig, das Gesamtbild zu sehen. Und nur wenn wir das kennen, wäre ein halbwegs realistischer Vergleich vorstellbar.

Dann aber müssen wir uns Fragen, ob wir mit unserer Vergleichsperson im Ganzen tauschen wollen würden.

Wie stehst du zum Thema Vergleich und Wetteifern?

5 Comments

  1. Ich vergleiche mich bei Gelegenheit mit anderen, sofern ähnliche Rahmenbedingungen vorliegen. Z.B. Oli von Frugalisten ist für mich eine grobe Orientierung. Mich mit jemanden zu vergleichen, der mehr netto hat als ich brutto (z.B. Geldschnurrbart), bringt wiederum nicht so viel. Das muss man dann mit mehr Abstand betrachten. Am aussagekräftigsten ist für mich der Vermögenszuwachs beim Vergleich. So kann ich grob abschätzen, wie gut ich unterwegs bin. Ist eine reine Ego-Sache. Bisher hatte ich z.B. Glück bei meinen Aktienwerten, sodass ich trotz geringen Investitionssummen gute Depotzuwächse hatte.

    Ich betrachte immer am Jahresende meine durchschnittlichen Monatsausgaben und wie viel ich sparen konnte und vergleiche das mit meinen Vorjahren. Interessehalber berechne ich dann auch meine Sparquote, wobei die aus meiner Sicht nicht viel Aussagekraft hat. Dient eher dem Zweck sagen zu können: „Ja, ich habe auch irgendwas über 50%“. Aber ohne die Rahmenbedingungen zu kennen, kann man nicht urteilen, ob das mega gut ist oder das Gegenüber noch viel Luft nach oben hat. Dieses Jahr wird meine Sparquote z.B. sinken, weil ich mehr Ausgaben & weniger Einkommen als letztes Jahr hatte. Aber schlimm ist das nicht, ich setze mir da keine Ziele. Sonst macht man sich selbst mehr Stress als notwendig.

    Wegen der Rentenlücke: Wenn man 50% seines Einkommens ausgibt und 50% des Netto-Einkommens als Rente bekommt, ist die persönliche Rentenlücke nicht existent, weil die Einnahmen theoretisch die Ausgaben decken. Mein Ziel ist es stattdessen, früher in Rente zu gehen (mit 60 rum).

    1. Hi Jenny,
      da muss ich dir zustimmen. Die monatliche Sparquote schwankt auch bei mir immer etwas, im Jahresdurchschnitt sind die Zahlen natürlich deutlich stabiler. Allerdings hilft mir die monatliche Betrachtung bei der Disziplin. 😉

      Guter Ansatz, das mit der Rente ab 60. Wobei ich auch nix gegen „Rente“ ab 40 oder 50 hätte. 😉

      Viele Grüße
      Tobias

  2. Hallo zusammen,

    vielleicht mal ein etwas anderer Denkansatz:

    Sparquote ist für mich kein entscheidendes Kriterium, sondern eher eine Rechengröße, die als Ergebnis raus kommt…

    Jemand hat einen Traum. Für diesen ist es erforderliche oder besser finanziell frei zu sein. Dann würde ich empfehlen, sich ein Ziel zu definieren: Ich möchte mit 50 Jahren ein Portfolio von x € haben, um monatlich y € Erträge daraus zu haben, was meine monatlichen Kosten deckt.

    Dann rechne ich, wieviel Zeit mir bleibt, was ich monatlich beiseite legen muss. Monatliche Investments / meinen Einnahmen = Sparquote.

    So limitiere ich mich auch nicht durch meine aktuellen Einnahmen, sondern komme (hoffentlich) dazu, dass ich – um mein Ziel zu erreichen – evtl schauen muss, wie ich mehr Einkommen generieren kann.

    Der Hebel ist einfach viel größer, denn die Limitierung der Ausgaben ist begrenzt.

    Viele Grüße
    Thorsten

    P.S.: Ausgabencheck und -optimierung kann durchaus ein Start sein, wenn die monatlichen Ausgaben sehr hoch sind…aber warum sich nur/ sehr stark auf diese Seite der Gleichung stürzen?

    1. Moin Thorsten,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Da hast Du natürlich Recht, mit einem höheren Einkommen fällt auch das Sparen deutlich leichter. 🙂

      Gerade bei Neuligen beobachte ich aber, dass der Bericht über eine hohe Sparquote schnell auch abschreckend wirken kann, weil es Gedanken à la „Das schaffe ich doch nie“, wecken kann. Daher heute mal ein Appell, die Sparquote nicht zu sehr auf die Goldwaage zu legen. 😉

      Beste Grüße
      Tobias

  3. Pingback: Glück statt Geld – was wir von Bhutan lernen können • Thorsten Hartmann

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