Werte statt Ziele: Warum deine Ziele ohne Werte wertlos sind

Wenn du was erreichen möchtest, brauchst du Ziele. Je größer, desto besser. Und natürlich müssen die SMART sein. Ich selber bin jahrelang der Illusion aufgesessen, dass Ziele das A und O sind. Und das ist völliger Quatsch.

In diesem Artikel erfährst du, warum Werte viel wichtiger als Ziele sind, und warum das Streben nach deinen Zielen reine Zeitverschwendung ist, wenn du keine 100-prozentige Klarheit über deine Werte hast.

Warum wir Ziele haben

Menschen sind so designt, dass sie niemals völlig zufrieden sind. Einfach mal im Hier und Jetzt zu sein ohne an die Zukunft zu denken, fällt uns oft schwierig. Wir mögen das Gefühl, dass unser Leben einen Sinn hat, dass wir einen Plan haben und ein Ziel.

Ein Ziel gibt eine Richtung vor. Etwas, das uns dazu bewegt, morgens aufzustehen, uns anzustrengen und auch einige Motivationstiefs und Herausforderungen zu überwinden.

Das kann gut sein, oder auch nicht. Das Problem ist, dass Ziele uns ganz schön in die Irre leiten können. Besonders ist das dann der Fall, wenn wir zu verbissen an ihnen festhalten oder uns schlecht fühlen, wenn wir ein Ziel aufgeben.

In unserer Gesellschaft wird dies oft als Fehler oder Versagen angesehen. Schließlich hast du ein Ziel gehabt und du hast es nicht erreicht. Looser!

Darüber hinaus ist es ein Irrglaube, dass das Erreichen von Zielen dich automatisch glücklich macht. Denn sind wir doch mal ehrlich: Kaum haben wir ein Ziel erreicht, drängt sich die Frage auf: “und was jetzt?” – wenn wir den Sinn unseres Lebens durch das Erreichen von Zielen definieren, werden wir unser ganzes Leben von einem Ziel zum nächsten Hetzen, nie genug bekommen und nie nachhaltig glücklich sein.

Das trifft insbesondere dann zu, wenn unsere Ziele nicht auf unsere Werte einzahlen.

Werte als Kompass

Weitaus stabiler als unsere Ziele sind unsere Werte: Was möchte ich vom Leben? Was brauche ich, um wirklich glücklich zu sein? Freiheit, Gesundheit, finanzielle Sicherheit, ein soziales Konstrukt von Freunden und Familie vielleicht.

Werte ändern sich normalerweise nicht über Nacht. Darüber hinaus hängt deine Zufriedenheit mit deinem Leben ganz direkt mit deinen Werten zusammen. Kurzfristig kannst du zwar Ziele verfolgen, die im Konflikt mit deinen Werten stehen, langfristig wird dich dies jedoch nicht glücklich machen.

Daher eignen sich Werte hervorragend um die Sinnhaftigkeit deiner Ziele zu überprüfen. Mache eine Liste von maximal zehn Werten: Was ist dir wichtig? Wofür hast du eine Leidenschaft oder was macht dich richtig wütend?

Schreibe jetzt alle Werte auf, die dir einfallen. Und sortiere sie dann nach Wichtigkeit. Die ersten zehn Begriffe sind von nun an das Wertesystem, an dem du alle Aktivitäten messen kannst. Wenn es mit den Werten übereinstimmt: Go! Ansonsten: Stop!

Dieser Ansatz hat mir sehr geholfen, einige Ziele in einem anderen Licht zu sehen. Oft glauben wir, dass wir etwas ganz bestimmtes erreichen wollen oder müssen um glücklich zu sein. Wenn wir uns allerdings auf unser Wertesystem verlassen, finden wir manchmal ganz andere Lösungen.

So wollte ich beispielsweise seit längerer Zeit eine eigenen Software-Company aufbauen. Mit tollen Mitarbeitern und einer coolen Kultur. Aber was wollte ich damit erreichen? Nach einiger Selbstreflexion kam heraus: Freiheit, Offenheit, Wachstum, Einfluss, Verantwortung und anderen helfen sind Werte, die mir extrem wichtig sind und die ich in diesem Ziel erfüllt sehe.

Vor ein paar Monaten bin ich aber “zufällig” in ein neues Unternehmen gestolpert, das besser ist als alles, was ich mir jemals vorgestellt hatte. Hinter jeden meiner Werte kann ich hier einen dicken Haken machen. Das alte Ziel hat sich damit also erst mal erledigt.

Das ist so, wie wenn du zu einem ganz bestimmten Strand fahren willst. Dieser Strand ist dein Ziel. Auf dem Weg dorthin kommst du an einer wunderbaren Bucht vorbei. Deine Werte sind: Sonne, Strand und Meer. Musst du wirklich noch weiter fahren, nur um dein Ziel zu erreichen? Ich denke nicht!

Werte machen frei!

Ziele geben dir eine ganz konkrete Richtung und oft auch einen konkreten Weg vor. Und viele Menschen benötigen genau das. Wenn du jedoch ein selbstständiger, denkender und freiheitsliebender Mensch bist, wird dir das nicht reichen.

Werte hingegen geben dir die Freiheit, neue Ideen, Wege und Ziele zu entwickeln und diese dann durch deine Werte zu testen. Dadurch erhältst du mehr Klarheit und gleichzeitig mehr Flexibilität. Und du stellst sicher, dass deine Ziele dich wirklich glücklich machen.

Deine Werte leiten dich, bestimmen dein Handeln, was du tust und was du sein lässt. Wenn du deine Werte kennst, kannst du immer und in jeder Situation blitzschnell entscheiden.

Werte und Stress

Ziele und Fristen können Stress verursachen. Das gilt insbesondere dann, wenn sie nicht mit deinen Werten übereinstimmen. Du findest dich dann schnell in einer Situation, in der du immer mehr machst, hart arbeitest, ein Ziel nach dem anderen Erreichst und trotzdem innerlich unruhig, gestresst und unzufrieden bist.

Ich hatte eine solche Situation in den letzten Monaten. Hingebungsvoll habe ich mich in ein Projekt gestürzt, das ohne Frage und an und für sich ein sehr gutes und ehrenwertes Unterfangen ist. Und ich habe hierfür auch viel Anerkennung erhalten. Dennoch war ich am Ende kurz vorm Burn-out. Mein Umfeld wurde nicht müde, mir zu bestätigen wie toll, wichtig, wertvoll und was nicht noch alles meine Arbeit in diesem Bereich ist. Und dennoch war ich innerlich zerrissen, antriebslose und nicht mehr ich selbst. Und ich wusste nicht, wieso.

Bis ich endlich und viel zu spät mal meine Werte-Liste hervorgeholt und meine derzeitigen Aktivitäten an meinen Werte gemessen habe. Und ich musste feststellen: Die ersten fünf meiner Top-10-Werte waren aus meiner Sicht nicht im Ansatz erfüllt. Damit war mir sofort klar, warum ich mich so miserabel gefühlt habe: Ich habe mich verrannt und meine Werte ignoriert.

Das heimtückische in diesem Fall war, dass ein Teil meiner Werte absolut erfüllt und einige andere zum Teil erfüllt waren. Dadurch war es nicht so offensichtlich, dass ich in die falsche Richtung laufe. Darüber hinaus habe ich die nachfolgende Methode ausgesetzt, da ich “zu beschäftigt” dafür war. Dummheit, die tatsächlich richtig weh tut…

Wie ich meine Werte einsetze

Deine Werte zu kennen hilft im Alltag sehr. Doch wie oft machen wir etwas, das nicht zu unseren Werten passt? Wir wollen gesund und fit sein und finden uns spät abends mit Freunden in der Kneipe wieder oder verschlingen vier Kugeln Eis am Stück.

Kurzfristig kein Problem. Langfristig erzeugt dies jedoch Unzufriedenheit und Stress. Leider setzt diese Unzufriedenheit jedoch schleichend, unterbewusst und oft verspätet ein. Wenn wir es merken, ist es meistens schon sehr extrem.

Daher habe ich für mich eine wöchentliche Retrospektive eingeführt, in der ich meine letzte Woche anhand meiner Werte evaluiere: Welche Werte habe ich zu meiner Zufriedenheit erfüllt, welche Werte sind zu kurz gekommen? Für die nächste Woche plane ich dann Aktivitäten, die meine Werte wieder ins Gleichgewicht bringen.

Wenn ich zum Beispiel merke, dass ich nicht genug Sport gemacht habe und meine Ernährung schlecht war und somit mein Wert “gute Gesundheit“ nicht zu meiner Zufriedenheit erfüllt ist, lege ich hier in der nächsten Woche mehr Fokus drauf.

Aber ich mache mich deswegen auch nicht fertig, denn schließlich kann ich an der letzten Woche nichts mehr ändern, aber ich kann viel von ihr lernen.

Fazit

Verrenne dich nicht auf dem Weg zu deinen Zielen, sondern nutze dein Wertesystem als Kompass. Nur wenn deine Ziele auf deine Werte einzahlen, helfen sie dir, glücklicher zu sein.

Werte geben dir Klarheit und die Sicherheit, auch schwierige Entscheidungen zu treffen und helfen dir, deine Unzufriedenheit zu lokalisieren und zu beseitigen.

Gerade in Zeiten des extremen Wandels, wie wir sie aktuell dank Corona erleben, ist es sehr ratsam, nicht auf Gedeih und Verderben an alten Zielen festzuhalten. Statt dessen sollten wir auf Basis unserer Werte entscheiden, was jetzt das Beste für uns ist.

Werte oder Ziele? Auf welcher Basis triffst Du Entscheidungen?

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