Ziele erreichen mit der SMART-Methode

Wir alle haben Ziele. Ob finanziell, beruflich, privat oder gesundheitlich: Menschen denken gerne über die Zukunft nach und schmieden Pläne dafür. Und häufig geht es nicht nur um unkonkrete Zukunftspläne sondern um ganz spezifische Wünsche, wie etwa „finanzielle Freiheit“.

Ziele können groß oder klein. kurz- oder langfristig sein. Und sie können einfach oder schwierig zu erreichen sein.

Dieser Artikel soll Dir dabei helfen, Ziele so zu definieren, dass sie erreichbar sind.

A propos finanzielle Freiheit: Ist das ein gutes Ziel? – Nein! „Ich möchte die finanzielle Freiheit erreichen“ ist keine gute Ziel-Definition.

Wenn Du Ziele so definierst, stellst Du sicher, dass Du sie nicht erreichen wirst. Eine Methode zur Ziel-Definition, die für mich sehr gut funktioniert ist die SMART-Methode:

Ziele definieren mit der SMART-Methode

SMART ist ein Akronym, das die Eigenschaften einer Ziel-Definition beschreibt. Eigentlich kommt es aus dem Projektmanagement, aber SMART funktioniert auch für persönliche Ziele sehr gut. Es steht für:

  • Spezifisch
  • Messbar
  • Attraktiv
  • Realistisch
  • Terminiert

Schauen wir uns die Eigenschaften einmal genauer am Beispiel „Finanzielle Freiheit“ an.

Spezifisch

Finanzielle Freiheit. Was soll das bedeuten? Je nach Bedarf schwankt das notwendige Vermögen vielleicht zwischen 250.000 und 1.000.000.000 Euro. Oder es bedeutet etwas ganz anderes, z.B. komplett ohne Geld leben zu können.

Dieses „Ziel“ ist also wenig konkret. Beschreibe es besser als „Mein Depot soll einen Wert von 420.0000 Euro haben und eine Rendite von 4% nach Steuern jährlich erwirtschaften“.

Messbar

Wie stellst Du sicher, dass Du auf dem richtigen Weg bist? Gerade bei langfristigen Zielen geht es im Alltag nicht darum, ob man das Ziel erreicht hat oder nicht, sondern eher darum, wie weit man noch davon entfernt ist und ob die Richtung stimmt.

Daher ist es wichtig, Ziele so zu definieren, dass man sie messen kann. Wenn man die finanzielle Freiheit so wie oben mit konkreten Zahlen definiert, wird es sehr einfach, abzuschätzen, wie weit es noch entfernt ist.

Wenn Dein Ziel ist, ordentlicher zu werden, kannst Du das z.B. daran festmachen, dass Dein Schreibtisch für einen Monat immer aufgeräumt ist.

Attraktiv

Warum willst Du Dein Ziel erreichen? Finanzielle Freiheit klingt nach einem tollen Ziel. Schließlich wollen es alle erreichen. Und dann?

Ein Ziel zu haben ist gut, aber hinterfrage auch Deine Motivation und Deine Beweggründe. In jedem Fall sollte die Motivation intrinsisch sein. Wenn Du das Ziel aus einem externen Zwang erreichen willst, wird es schwierig.

Und wenn Du nicht weißt, wieso Du ein Ziel erreichen möchtest, wird es schwierig, die Anstrengungen auf dem Weg dahin zu überwinden.

Statt „Ich möchte die finanzielle Freiheit erreichen.“, sag besser „Ich möchte die finanzielle Freiheit erreichen, um fünf Jahre um die Welt reisen zu können, ohne mir über Geld Gedanken machen zu müssen.“

Realistisch

Häufig hört man den Ratschlag, Ziele lieber zu hoch als zu niedrig anzusetzen. Die Idee: Man strengt sich mehr an um näher an das Ziel heran zu kommen. Aber das ist falsch.

Man sollte immer zwischen Zielen und Visionen unterscheiden. Letztere dürfen utopisch sein und dienen nur als grobe Orientierung für die Richtung. Ziele hingegen müssen erreichbar sein.

Sind sie das nicht, wird man demotiviert oder redet sich ein, das Ziel bereits gut genug erreicht zu haben. In beiden Fällen wird man das Ziel nicht erreichen und etwaige Folgeziele gar nicht erst in Angriff nehmen.

Natürlich dürfen Ziele anstrengend zu erreichen sein. Finanzielle Freiheit klappt eben oft nicht ohne Verzicht. Aber in keinem Fall sollten sie unrealistisch sein.

Terminiert

Die wohl wichtigste Eigenschaft überhaupt. Ziele ohne Deadline sind nichts! Ich kann fast jedes Ziel erreichen, wenn ich unendlich viel Zeit habe.

Eine Deadline baut den nötigen Druck auf. Wenn ein Ziel messbar und terminiert ist, lässt sich leicht überprüfen, ob man „on track“ ist. Habe ich das Ziel zu 50% erreicht aber nur noch 10% der Zeit, wird schnell klar, dass ich mich unter Umständen etwas mehr anstrengen muss.

Kann ich das Ziel beliebig weit in die Zukunft schieben, werde ich es auch erst dann (sprich: nie) erreichen.

Statt „Ich möchte die finanzielle Freiheit erreichen.“ sag lieber „Am 01.01.2030 bin ich finanziell frei.“

Noch ein Tipp

In meinem letzten Satz hast Du vielleicht etwas bemerkt: Ich schreibe ihn in der Gegenwartsform und nicht in der „Ich möchte…“-Variante. Letztere klingt für mich zu sehr nach Wunsch und nicht nach Tatsache. Und ich will, dass die Zielerreichung zur Tatsache wird.

Finanzielle Freiheit nach der SMART-Methode

Fassen wir die einzelnen Eigenschaften zusammen, könnte das Ziel „finanziell frei sein“ wie folgt lauten:

„Am 01.01.2030 hat mein Depot einen Wert von 420.000€ und wirft einen jährlichen Gewinn von 4% nach Steuern ab, damit ich fünf Jahre um die Welt reisen kann, ohne mich um mein Einkommen kümmern zu müssen.“

Sehr länglich, aber SMART.

Wie klappt das mit langfristigen Zielen?

Auch Ziele, die 15 oder mehr Jahre in der Zukunft liegen, kann man mit der SMART-Methode definieren (siehe oben). Allerdings wird es schwierig, aus ihnen direkte Handlungsanweisungen abzuleiten und oft ist es auch nicht einfach, zu bewerten, ob das Ziel noch realistisch ist.

Daher bietet es sich an, diese Ziele weiter herunter zu brechen. Ein 15-Jahres-Ziel könnte beispielsweise auf drei 5-Jahres-Ziele aufgesplittet werden.

Das erste davon wird wiederum auf fünf 1-Jahres-Ziele herunter gebrochen. Wiederum das erste davon wird dann auf Quartals- oder sogar Monatsziele aufgeteilt.

Letztere sind dann so konkret und kurzfristig, dass wir regelmäßige Kontrollpunkte haben und das Ziel nicht aus dem Auge verlieren.

Warum teile ich immer nur den ersten Teilabschnitt auf? Bequemlichkeit. Für mein Handeln im Hier und Jetzt reicht es, die nächsten Teilziele im Detail zu kennen. Außerdem habe ich über das nächste Jahr noch einen halbwegs konkreten Überblick und kann leichter planen.

Jetzt schon die Monatsziele für in 10 Jahren zu definieren ist schwierig. Außerdem können sich die Teilziele auch schnell mal ändern, so dass die Monatsziele in ein paar Jahren längst nicht mehr aktuell sind.

Wichtig ist aber, dass man regelmäßig weitere Teilziele definiert und überprüft, wie gut man die aktuellen Teilziele erreicht hat um ggf. nachjustieren zu können.

Beispiel Finanzielle Freiheit

Oben haben wir ja schon eine SMARTe Zieldefinition für das Ziel „Finanzielle Freiheit“. Aber 2030 ist noch fast 15 Jahre hin.

Lässt man einmal den Zinseszinseffekt außen vor, was sehr pessimistisch ist, so könnte man das Ziel 420.000€ auf drei mal 140.00€ aufteilen.

Ich muss also alle fünf Jahre 140.000€ mehr in mein Depot packen. Das macht 28.000€ pro Jahr oder 2.334€ im Monat.

Das ist eine ganze Menge und für die meisten Menschen wohl sehr unrealistisch. Zum Glück dürfte der Vermögenszuwachs in den seltensten Fällen linear verlaufen (Stichwort: Zinseszinseffekt). Daher kann die Sparquote etwas niedriger ausfallen. Evtl. „nur“ 2.000€ im Monat.

So viel? Ja das klingt erst einmal abschreckend, worauf es mir aber ankommt ist: Du kriegst jetzt ein sehr genaues Gespür dafür, wie realistisch das Ziel ist. Wenn Du das Gefühl hast, dass Du das Ziel so nicht erreichen kannst, bleiben noch drei Optionen:

  1. Genauer nachrechnen
    Ich habe oben erst einmal völlig ohne Zinsen gerechnet. Das ist einfach aber unrealistisch. Niemand, der die finanzielle Freiheit anstrebt, versucht ernsthaft, das Geld auf dem Sparbuch anzusammeln. (siehe unten)
  2. Anderen Weg einschlagen
    Möglicherweise ist ein ETF-Depot nicht der richtige Weg für Dich, da Du hier keinen Hebel hast wie beispielsweise bei einer Immobilienfinanzierung. Damit ist zwar auch das Risiko geringer aber Deine Sparrate muss zwangsläufig höher ausfallen.
  3. Zieldefinition anpassen
    Wenn Option 1 und 2 nicht funktionieren bleibt noch, das Ziel anders zu definieren. Evtl. kannst Du Dir mehr Zeit lassen oder mit weniger Geld schon finanziell frei sein.

Und wie sieht es mit Zinsen aus?: Wenn man bei einem Zinssatz von 7,5% eine Sparrate von 1.500€ monatlich über 15 Jahre durchhält, hätte man nach Steuern 420.812 Euro in seinem Depot. Und davon sind nur 270.000 Euro aus eigener Tasche. (Quelle: zinsen-berechnen.de)

Fazit

Die SMART-Methode hilft Dir dabei, Klarheit über Deine Ziele zu erlangen und diese so zu definieren, dass Du sie auch erreichen kannst. Wenn es Dir schwer fällt, Ziele so zu definieren, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass Dir noch nicht ganz klar ist, was Du eigentlich erreichen willst.

Die Anwendung der SMART-Methode zwingt Dich dazu, über die verschiedenen Aspekte Deines Zieles nachzudenken und Dir schon eine grobe Strategie zu überlegen. Dadurch merkst Du schnell, ob es eine Chance gibt, das Ziel zu erreichen.

Welche Ziele hast Du? Und mit welcher Methode gehst Du sie an?

5 Gedanken zu „Ziele erreichen mit der SMART-Methode

  1. Ich finde den Teil über Zielsetzung aus Alex Fischers Buch sehr hilfreich.
    So gibt es im deutschen nur ein einziges Wort für Ziele, während es in der englischen Sprache über 7 Definitionen für unterschiedliche Ziele gibt.
    Aus diesem Grund wird sich häufig darüber gestritten, wie Ziele gesetzt werden sollten, obwohl die Menschen unterschiedliche Vorstellungen dieses Begriffes haben und so aneinander vorbei reden.

    Meiner Meinung nach ist die SMART-Methode hilfreich um kurz- bis mittelfristige Ziele zu setzen. Es bringt nichts jeden Monat unrealistische Ziele zu setzten, denn dann wirst Du mehr deprimiert als motiviert sein.
    Die langfristigen Ziele (größer als 5 Jahre) sollten meiner Meinung nach aber eher unrealistisch angesetzt werden, damit man sich mehr anstrengt und versucht Wege zu finden. So ist mein Ziel mit 30 Finanziell Frei zu sein vielleicht unrealistisch, dafür motiviert es mich deutlich mehr als wenn mein Ziel die Finanzielle Freiheit mit 55 wäre.

    Schöne Grüße
    Dominik

    • Hallo Dominik

      ich kann mich deiner Anregung nur anschließen. Durch die vielen verschiedenen Facetten, die Ziele annehmen können, werden unterschiedliche Bedürfnisse angesprochen.

      Hallo Finanzfisch,

      terminiert sind bei mir vor allem Aufgaben, die sich aus meinen Zielen ableiten. Dafür verwende ich die personal Kanban (https://lifestyleentrepreneur.de/le005-personal-kanban-wie-ich-heute-effektiver-bin/). Aus meinen Zielen leiten sich also To-Dos für mein Quartal, meinen Monat, meine Woche und meinen heutigen Tag ab.

      Auch empfinde ich überhaupt keine Motivation dabei, wenn mein Ziel realistisch ist. (Wenn ich ein Jahresgehalt von 50.000 Euro habe und mir zum Ziel setze im nächsten Jahr 5.000 oder 10.000 Euro mehr zu verdinen, was definitiv realistisch ist, verspüre ich totale Langeweile, weil ich mich dafür nicht anstrengen müsste. Anders sieht es aber aus, wenn ich mir die Marke von insgesamt 100.000 Euro setzen würde. Ich wäre gezwungen einen weiteren Vollzeitjob in die selbe Zeit zu packen – Umdenken, Kreativität und vieles anderes wären nötig!).

      Messbar ist in fast allen Bereichen sinnvoll, aber eines meiner Lebensziele heißt, dass ich immer zufrieden mit meinen Entscheidungen bin! Und naja, das ist nicht wirklich messbar, vor allem nicht sofort.

      Spezifizität kommt wohl auf die Dimension des Ziels an. Ein weiteres sehr großes Ziel ist die nachhaltige Veränderung der Bildungslandschaft in Deutschland. Die Formulierung ist so unspezifisch, dass jeder Mensch es anders heran gehen würde. Gleichzeitig muss es für mich so offen sein, damit ich einen großen Gestaltungsfreiraum habe, den ich wiederum brauche, um eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen.

      Messbar und spezifisch sind also auch Eigenschaften, die Aufgaben aus meiner Sicht annehmen. Aufgaben leiten sich von einem Ziel ab und stellen eine klare Handlungsanweisung dar. Und genau dafü ist SMART auch eine angemessene Methode: Formulierung einer klaren Handlungsanweisung.

      Das einzige, was ich auch auf alle anderen Formen von Zielen übertragen würde, ist die Attraktivität. Ich muss Spaß, Lust, einen Mehrwert oder sonstiges an meinem Ziel erkennen, damit ich es verfolge.

      Allerdings fällt es für eine konkrete Handlungsanweisung schon wieder raus. Ich hasse es zum Beispiel zu telefonieren, aber telefonieren ist Teil meines Aufgabenfeldes.

      Beste Grüße
      Mike von den Beziehungs-Investoren

  2. Hallo Finanzfisch,
    Toller Artikel und ich wähle meine Ziele auch nach dieser Methode aus.
    Was ich jedoch noch ergänzen möchte ist, dass die Ziele niedergeschrieben werden sollen. Denn nur dann wird ein Ziel auch ein „Versprechen“ an sich selbst daran zu arbeiten.
    Liebe Grüße
    Florian

  3. Guten Abend,

    vielen Dank für den tollen Artikel. Hilfreich ist auch eine regelmäßge Überprüfung von Zwischenzielen. Wenn man sich dazu notiert, welche Fehler begangen wurden, kann das hilfreich sein, um gleiche Fehler zukünftig zu vermeiden.

    Schöne Grüße
    Marco

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