Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung: Dilemma für Digitale Nomaden

Wer ausgetretene Wege verlässt und seinen eigenen Lebensweg einschlägt bekommt schnell zu spüren, dass dies nicht im Sinne der deutschen Bürokratie und Gesetzgebung ist.

Und so habe auch ich zum Jahreswechsel bzw. in der Zeit davor zu spüren bekommen, das es oft gar nicht so einfach und finanziell sogar nachteilig ist, wenn man nicht den 08/15-Lebensentwurf verfolgt.

Im konkreten Fall wird mir die Reduzierung der Arbeitszeit und damit auch die Reduzierung meines Einkommens zum “Verhängnis”: Der Gesetzgeber zwingt mich zurück in die GKV, in der ich oft keine Leistung erhalte.

Wechsel in die private Krankenversicherung

Wenn du meinen Blog bereits länger verfolgst, weist du, dass ich 2018 in die PKV gewechselt bin. Deutlich geringere Beiträge und gleichzeitig bessere Leistung machten den Wechsel bei meinem Lebensentwurf eigentlich zum No-Brainer.

In der PKV war ich etwa ein Jahr lang auch super glücklich. Ich nahm die Leistungen fast nicht in Anspruch, zahlte niedrige Beiträge und bekam zum Jahresende eine fette Rückzahlung.

Außerdem war ich auch im Ausland auf meinen Reisen perfekt abgesichert.

Zwang zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

Leider ist es in Deutschland so, dass man über 62.550€ im Jahr in der Festanstellung verdienen muss, um weiterhin die Freiheit zu haben, in der PKV bleiben zu dürfen.

Durch meine Reduktion auf Teilzeit (60%) falle ich jedoch unter diese Grenze. Mit meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit konzentriere ich mich auf den langfristigen Aufbau “passiver” Einnahmequellen, so dass ich hier kurzfristig auch nicht wirklich hohe Einnahmen zu erwarten habe.

Dies sähe als Freelancer anders aus. Allerdings habe ich mich bewusst gegen diesen Weg entschieden, da ich eher langfristige Ziele verfolge.

Heißt also: Obwohl ich einen Großteil meiner Zeit in den Aufbau der Selbstständigkeit stecke, ist für meinen Versicherungsstatus das Einkommen aus der Festanstellung ausschlaggebend. Und das bedeutet: Bye bye PKV.

Dies wurde leider durch ein Statusfeststellungsverfahren durch die GKV bestätigt.

Und so wurde ich zum Jahreswechsel 2019/2020 wieder zurück in die GKV gezwungen. Trotz reduzierter Arbeitszeit steigt mein Versicherungsbeitrag damit um etwa 60€ monatlich. Sinkende Einnahmen bei steigenden Ausgaben. Ich bin sehr erfreut.

Darüber hinaus habe ich mich entschieden, noch eine Anwartschaft für die PKV abzuschließen, da ich positiv denke und davon ausgehe, dass die Einnahmen aus der Selbstständigkeit schon bald die Einnahmen aus der Festanstellung übersteigen werden. Dann kann ich günstig zurück in die PKV.

Teuer aber naja… soweit so gesetzestreu.

Wo ist nun der Haken?

Bis hierhin könnte man sagen: Schön und gut, aber das ist doch die ganz normale Gesetzgebung in Deutschland.

Lustig wird es allerdings, wenn man bedenkt, dass ich mich trotz Festanstellung in Deutschland im außereuropäischen Ausland aufhalten möchte. Wenn ich beispielsweise nach Thailand reisen würde, so gäbe es hier kein Versicherungsabkommen mit Deutschland.

Das bedeutet: Meine GKV bietet mir überhaupt keine Leistungen, sofern ich nicht in Deutschland bzw. der EU bin (und auch hier nur eingeschränkt). Viele Deutsche, die längere Zeit verreisen setzen daher ihre GKV auf eine Anwartschaft und lassen diese ruhen, solange sie keine Leistung beanspruchen können.

Das ist für mich nicht möglich. Dank meines Angestellten-Status in Deutschland habe ich diese Option nicht, solange ich arbeite. In der Gesetzgebung wurde die Konstellation “Ich arbeite für eine deutsche Firma aus dem Ausland und es handelt sich nicht um eine jobbedingte Entsendung” einfach nicht vorgesehen.

Wenn der Arbeitgeber mich entsendet gibt es eine Lösung. Genau so, wenn ich ein Sabatical mache und nicht aus dem Ausland arbeite. Ich befinde mich jedoch irgendwo dazwischen. 😀

Heißt: Ich muss weiterhin die GKV-Beiträge bezahlen und erhalte hierfür keine Leistung. Außerdem habe ich die Anwartschaft in der PKV, was meine eigene Entscheidung war. Darüber hinaus muss ich noch eine Auslandskrankenversicherung abschließen, um tatsächlich einen Versicherungsschutz zu haben.

Unterm Strich zahle ich monatlich also 100-150€ mehr und habe eine deutlich schlechtere Absicherung. Schon verrückt, wozu man durch die deutsche Gesetzgebung gezwungen wird.

Wie geht es weiter?

Von der Versicherungsseite lässt sich hier wenig rütteln. Da sind mir durch deutsches Recht leider die Hände gebunden. Derzeit tröste ich mich damit, dass diese Situation nur vorübergehend ist.

Sobald die Einnahmen aus der Selbstständigkeit die Einnahmen aus der Festanstellung übersteigen habe ich wieder sämtliche Freiheiten. Alternativ muss ich es schaffen wieder über die 62.250€ im Jahr in der Festanstellung zu kommen. Bei 60% ist das nicht ganz so einfach und bei meinem jetzigen Arbeitgeber vermutlich unmöglich.

Weitere Optionen sind also der Wechsel des Arbeitgebers, vielleicht sogar in ein anderes Land wie die Schweiz oder die vollständige Aufgabe der Festanstellung. Denn auch in diesem Fall würde ich die Wahlfreiheit zurück erhalten.

Diese Schritte wollen natürlich gut überlegt sein, da sie weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen.

Fazit

Ich hoffe sehr, dass die Gesetzgebung im Bezug auf dieses Lebensmodell bald angepasst wird. Dank der Verbreitung von Remote Work Möglichkeiten kann ich mir gut vorstellen, dass immer mehr Menschen hiervon negativ betroffen sind.

Mir bleibt vorerst nichts Anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen und die monatlichen Mehrkosten in Kauf zu nehmen. Das ist vermutlich der Preis, den ich für meine Freiheit bezahlen muss.

Zugegeben, ich habe dieses Szenario bei der Entscheidung, meine Arbeitszeit zu reduzieren, nicht bedacht. Dennoch würde ich wieder so entscheiden. Die zwei Tage mehr “frei” in der Woche sind mit Geld im Prinzip nicht aufzuwiegen.

Wie hättest Du entschieden? Siehst Du andere Optionen?

12 Comments

  1. Ich glaube, das Problem wird überschätzt. Versicherungen dienen dazu, signifikante, aber seltene Schäden abzudecken.

    Wenn du also in Tailand lebst und in der deutschen gesetzlichen Versicherung bist, dann gibt es im wesentlichen drei Fälle:
    a) medizinische Bagatellen -> selber zahlen, da spottbillig
    b) schwere Fälle (Krebs), reisefähig -> ab in den Flieger und in eine deutsche Uni-Klinik (GKV zahlt)
    c) schwere akute Fälle (Schlaganfall) -> Pech gehabt; die nächste Stroke-Unit ist weit weg, da kommst du nicht hin, egal ob mit oder ohne Versicherung.

    1. Hi Michael, interessante Perspektive. Vielleicht hast du Recht und das ist nur mein Sicherheitsbedürfnis.
      Aber irgendwie fühle ich mich schon sicherer, für den Fall der Fälle eine Versicherung zu haben, egal wo ich mich rumtreibe.

  2. Dem Schreiber kann ich nur empfehlen eine große Feier zu starten, da ihm das Schiksal der PV erspart geblieben ist! Spätestens wenn Sie Leistungen erwarten, werden sie merken, dass diese „Scheinversorgung“ der Privaten Versicherer sehr nachteilig ist. Z.B. werden bei längerer Erkrankung keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlt, was in der gesetzlichen gut geregelt ist.
    Ich bin in der Privaten und kann dies niemanden empfehlen. Es profitieren die Ärzte und Kliniken, nicht der Versicherte.

    1. Hallo Erwin, vielen Dank für deinen Bericht. Bei der PKV hat man viele Wahlmöglichkeiten. Da gibt es leider schlechte aber auch einige gute Versicherungen. Darf ich Fragen, bei welcher Versicherung du bist?

  3. In deinem Alter, habe ich auch früher so gedacht. Dann kam Familie Frau und Kinder und die private Krankenversicherung war unbezahlbar. Das Geld was ich vorher meinte zu sparen habe ich später mehrfach wieder drauf gezahlt. Gott sei Dank bin ich jetzt wieder in der GKV. Ein Jobwechsel und 2 Monate Arbeitslosigkeit waren hierfür die Voraussetzung.

  4. Tobias,

    derzeit gibt es viele PKV Versicherte die zurück in die GKV wollen, weil sie sich die Beiträge In der PKV nicht mehr leisten können. Bis 50 gibt es kaum Probleme aber danach. Mit 29 geht man davon aus, dass man erfolgreich wird. Das taten viele auch die es heute bereuen.

    Tatsächlich fände ich es ungerecht, dass man im Alter, wenn man eigentlich die mehr Leistungen benötigt, der Allgemeinheit zur Last fällt, obwohl man als junger Menschen, sich nicht an der GKV beteiligt hat.

    Mein Einkommen liegt seit 20 Jahren über die BBG. Damals hatte ich mich entschieden, in der GKV zu bleiben.

    Du kannst gerne eine Zusatzversicherung abschließen, wenn du mehr Leistungen willst. Fürs Ausland kostet sie Peanuts.

    Der höhere Beitrag den du heute zahlst, schützt dich möglicherweise vor Altersarmut aufgrund PKV.

  5. Hi Tobias,
    dir ist aber bewusst, dass du dich mit Unterschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze zum 01.01. von der Versicherungspflicht befreien lassen kannst oder?
    Du bleibst dann in der Pkv versichert. Die Befreiung kannst du in der Zukunft jedoch nicht mehr widerrufen. Sie gilt durchgehend für die Dauer deiner Beschäftigung.
    Die Befreiung kannst du bei jeder gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Unabhängig davon wo du jetzt versichert bist. Da ich selber in der GKV arbeite erlebe ich solche Fälle grade zum Jahreswechsel sehr oft.

    1. Hallo Julius, danke für den Hinweis. Ja diese Option gibt es, allerdings erst, wenn man eine gewisse Zeit (soweit ich weiß 5 Jahre) in der PKV war. Das traf bei mir leider nicht zu, weshalb ich davon keinen Gebrauch machen konnte.

      Beste Grüße
      Tobias

  6. Ja, das ist ein Dilemma, das jedem Freiberufler blüht, wenn er auch noch im nicht-europäischen Ausland unterwegs ist. Ich bin mal gespannt wie das vielleicht irgendwann mal gelöst wird. Trotzdem ist eine PKV mit Vorsicht zu genießen. Sie kann nämlich mit zunehmendem Alter und vor allem durch die fehlende Familienabsicherung richtig teuer werden.

    1. Naja vor allem ist das für Angestellte ein Problem. Als Freiberufler kann ich in der PKV bleiben und dabei eine wählen, die mit auch im nicht-europäischen Ausland absichert. Als angestellter Remote-Worker in der GKV habe ich diese Freiheit nicht.
      Aber natürlich können die Kosten in der PKV mitunter deutliche höher sein.

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