Darum bin ich in die private Krankenversicherung gewechselt

Von Klein auf wurde mir eine Abneigung gegen die private Krankenversicherung quasi antrainiert. Kein Wunder. Mein Vater hatte als damaliger Geschäftsführer einer bekannten gesetzlichen Krankenversicherung, keine allzu hohe Meinung von den privaten Alternativen. In seinen Augen

  • haben sie unfaire Wettbewerbsvorteile
  • ziehen Kunden über den Tisch
  • sind immer teuerer
  • und natürlich schlechter.

Hinzu kam, dass das Thema „PKV vs. GKV“ bei uns eigentlich tabu war. War ja auch egal, denn schließlich waren wir alle über Papa mitversichert.

Als ich dann irgendwann nach Antritt meines ersten Jobs von meiner damaligen GKV informiert wurde, dass ich mich nun freiwillig weiterversichern könne, habe ich dann ohne Nachdenken diese Option gewählt. PKV kam für mich schließlich nicht in Frage. Die sind alle böse.

Meine Motivation für den Wechsel in die PKV

Das lief ein paar Jahre so, bis ich mich mehrmals über Ärzte bzw. Praxen ärgern musste, die gesetzlich Versicherte eindeutig schlechter behandeln, als privat Versicherte. Das lief in etwa so ab:

Ich: „Guten Tag, ich habe XYZ und würde mich gerne untersuchen lassen.“

Praxis: „Geben Sie mir bitte ihre Versichertenkarte. … Oh, Sie sind gesetzlich Versichert? Hm, waren Sie schon mal hier?“

Ich: „Nein, dies ist mein erster Besuch.“

Praxis: „Oh, tja wir nehmen leider keine Patienten mehr an.“

Einen ähnlichen Dialog hatte ich innerhalb eines Jahres mit zwei verschiedenen Praxen. Da musste ich mich einfach Fragen: Wieso zahle ich Monat für Monat den Höchstbetrag und erhalte dafür im Prinzip keine Leistung? Solidarität, ja ich weiß. Aber irgendwo hört auch das auf. Wenn ich mich bei -10 Grad alleine wegen einer Krankschreiben durch die ganze Stadt quälen muss, nur weil ein Arzt in der Nähe mich nicht anhören will, hört für mich der Spaß auf.

Damit entstand für mich der Wunsch, mir die PKV einmal genauer anzusehen. Man hört ja immer, dass der Service da so viel besser sei. Außerdem dürfte die PVK für jemanden in meiner Situation (selten krank, ledig, keine Kinder) auch deutlich günstiger sein.

Voraussetzungen für den Wechsel in die PKV

Leider ist es so, dass nicht jeder in die PKV wechseln darf. Nur Personen, die nicht gesetzlich pflichtversichert sind, dürfen überhaupt wechseln. Das sind:

  • Beamte,
  • Selbständige und Freiberufler,
  • Angestellte mit einem Jahresbrutto über 59.400€ und
  • ein paar weitere „Randgruppen“.

Alle anderen sind gezwungen, in der GKV zu bleiben. Ich gehöre zur glücklichen dritten Gruppe und habe damit die Wahl zwischen Höchstsätzen in der GKV oder der PKV.

Allerdings muss man auch eine PKV finden, die einen haben will. Und das wird mit zunehmendem Alter und zunehmenden Wehwehchen immer schwieriger bzw. teurer. Hier hatte ich das Glück, frühzeitig diesen Schritt gehen zu können. Im Prinzip bin ich fast der Traumkunde einer Krankenversicherung und hatte somit keine Probleme beim Wechsel.

PKV vs. GKV

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass die GKV durchaus viele Vorteile hat und für viele Menschen vermutlich die beste Wahl ist. Und es ist toll, dass wir in Deutschland eine gesetzliche Krankenversicherung haben.

Kosten

Ein Vorteil in der GKV ist, dass sich der Beitrag nach dem Einkommen richtet. D.h. wer wenig verdient, zahlt auch wenig. Bei der PKV richtet sich der Beitrag nach dem Risiko, dass du für die Versicherung darstellst. D.h. junge und gesunde Menschen zahlen potentiell weniger.

Bei der GKV sind darüber hinaus deine Kinder und ggf. dein Ehepartner, wenn dieser nicht erwerbstätig ist, über dich mitversichert. Bei der PKV kostet das extra und zwar nicht zu knapp. Damit lässt sich auch begründen, warum viele ehemalige Kollegen, die sich einst für die PKV entschieden haben, jetzt über die teuren Beiträge meckern.

Übrigens sollte eine gute PKV immer auch Rückstellungen für das Alter einkalkulieren, um altersbedingte Kostenerhöhungen abzufangen. Hier muss man auch aufpassen, dass man nicht auf eine Versicherung rein fällt, die mit günstigen Lockangeboten ködert und dann Jahr für Jahr drastische Preiserhöhungen ansetzt.

Leistung

In der GKV erhältst du die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen. Ganz egal, bei welcher GKV du bist. Die Krankenkassen differenzieren sich im Wesentlich durch Zusatzleistungen. Willst du irgendetwas besonderes absichern, brauchst du meistens eine private Zusatzversicherung.

Bei der PKV kannst du den Leistungsumfang relativ flexibel selber bestimmen. Von der absoluten Basis-Absicherung bis zum Einzelzimmer mit Chefarztbehandlung, Erstattung von Zahnersatz und homöopathischen Mittelchen kannst du alles haben, wenn du es bezahlen kannst.

Die Vor- und Nachteile für mich

Ich persönlich habe derzeit weder eine Ehegattin noch Kinder. Und weder das eine noch das andere sind in der nächsten Zeit geplant. Und sollte ich doch den Bund der Ehe eingehen, wird meine Zukünftige hoffentlich auch etwas zum Einkommen beitragen und sich somit selber um ihre Krankenversicherung kümmern können.

Lange Zeit habe ich geglaubt, es gäbe keinen Weg zurück von der PKV in die GKV. Doch das ist schlichtweg falsch. Fällt man als Angestellter unter die Brutto-Einkommensmarke von 59.400€, so wird man sogar in die GKV gezwungen. Heißt für mich: Sollte mir die PKV zukünftig aus irgendwelchen Gründen zu blöd werden, arbeite ich einfach für eine Weile Teilzeit und schwups bin ich raus aus der Nummer. Mit einer Sparquote von derzeit über 60% sollte mir das nicht all zu schwer fallen.

Daher ist der Wechsel in die PKV von meinem heutigen Standpunkt aus absolut risikolos und bietet für mich nur Vorteile. Aber noch einmal: Das heißt nicht, dass die PKV grundsätzlich besser ist, als die GKV.

Die Suche nach der perfekten PKV

Da ich mich mit der ganzen Thematik nicht auskannte, wollte ich mir einen Experten für dieses Thema suchen. Zum Glück war meine Mutter früher als Versicherungsmaklerin tätig und hatte sogar ihre eigene Firma. Dadurch hatte ich mir ihr schon eine gute Ansprechpartnerin. Außerdem hatte sie natürlich auch noch Verbindungen, bei denen ich mir halbwegs sicher sein konnte, eine ehrliche Beratung zu erhalten.

Und so kam es, dass ich mich zu einem 2,5-Stündigen Gespräch mit einem ihrer ehemaligen Geschäftspartner traf und alle Optionen durchgesprochen habe, bis ich alles verstanden hatte.

Zudem hat meine Mutter ebenfalls ein Auge auf die Vorschläge des Maklers geworfen und mir die Punkte genannt, die für sie wichtig wären. Besonders interessant war der Ratschlag, eher eine teurer Versicherung mit sehr guten Leistungen zu nehmen, die im Schadenfreiheitsfall aber ordentlich etwas zurück zahlen.

Das bedeutet, dass, wenn ich keine Rechnungen bei der PKV einreiche, ich am Ende des Jahres einen nicht unwesentlichen Anteil der Beiträge zurück erhalte. Wenn ich aber Leistung in Anspruch nehme, ist es so ziemlich die beste, die man für Geld kriegen kann. Ein weiterer Vorteil dieses Modells ist, dass der Arbeitgeber den monatlichen Beitrag zu 50% bezahlt, man die Rückerstattung aber komplett selber einstreichen kann. Natürlich steuerfrei.

Korrektur: Das mit der Steuerfreiheit stimmt leider nicht. Die Rückerstattung muss man mit den absetzbaren Beiträgen verrechnen und auch bei der Steuer angeben.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist ein offener Hilfsmittelkatalog. Bedeutet: Man bekommt nicht nur das, was heute gerade State-of-the-art ist, sondern auch das, was später üblich ist. Bei einem offenen Hilfsmittelkatalog profitiert man also vom Fortschritt in der Medizin.

Meine PKV

Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Berater, diversen Diskussionen mit meiner Mutter und nachdem ich selber im Internet recherchiert und verglichen habe, habe ich mich letztendlich für die Signal Iduna entschieden. Das Produkt heißt EXKLUSIV-PLUS 1 mit einer Selbstbeteiligung von 480€ pro Jahr.

Hier erhalte ich bis zu 900€ im Jahr zurück, wenn ich keine Leistungen in Anspruch nehme. D.h. keine Rechnungen bei der PKV einreiche. Außerdem kann ich weitere 300€ Verhaltensbonus bekommen, wenn ich eine Reihe von Vorsorge-Untersuchungen mache und körperliche Parameter wie BMI, Cholesterin und Co. im Rahmen liegen.

Ein netter Vorteil ist, dass die Signal Iduna die notwendigen Vorsorge-Untersuchungen bezahlt und dies keinen Einfluss auf die Boni hat. Dadurch kriege ich also ein paar mehr Gesundheitschecks als in der GKV und muss dafür nix bezahlen. Im schlimmsten Fall werden dadurch irgendwelche Erkrankungen frühzeitig entdeckt. Im besten Fall kriege ich bis zu 1200€ im Jahr zurück.

Und das, obwohl mein Monatsbeitrag mit 542,67€ inkl. Pflegeversicherung etwa 250€ unter meinem GKV-Beitrag liegt. Damit spare ich im Jahr also 3000€, Beitragserstattungen nicht eingerechnet. Okay, 1500€, da mein Arbeitgeber die andere Hälfte bezahlt.

Dafür nehme ich eine Selbstbeteiligung von 480€ gerne in Kauf.

Moralische Bedenken

Für mich waren Privatversicherte seit jeher Egoisten, die sich für etwas Besseres halten. Daher habe ich den Wechsel lange Zeit kategorisch ausgeschlossen. Schließlich wollte ich nicht einer von denen sein.

Als ich mich aber mehr mit dem Thema beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dies eine sehr einseitige Betrachtungsweise ist. Schließlich haben einige Personengruppen gar nicht wirklich die Wahl und müssen sich mehr oder weniger privat versichern.

Darüber hinaus haftet der GKV aus meiner Sicht mittlerweile ein Zwang à la „Friss oder Stirb“ an. Irgendjemand entscheidet für mich, welche Risiken ich Bitteschön absichern muss, welche Leistungen ich erhalten kann und wieviel das kostet. Alles andere gibt es nur „on top“. Gegen Aufpreis.

Ich habe mir das immer mit dem Solidaritätsgedanken schön geredet: Ich zahle überproportional viel, damit Menschen, denen es nicht so gut geht oder die viele Kinder haben, ebenfalls eine ausreichende Kranken- und Pflegeversicherung bekommen. Dieses Argument Pro-GKV kann ich mir nicht wegdiskutieren.

Auf der anderen Seite scheint es aber von der Politik so gewollt zu sein. Denn schließlich ist inzwischen jeder Quatsch reguliert. Warum also eine willkürliche Grenze von 59.400€? Warum nicht einfach eine Einheitsversicherung? – Eine absolute Basisabsicherung für jeden in Deutschland Lebenden? Ohne wenn und aber und ohne Option. Könnte man ja wie eine Steuer behandeln, eine mehr macht den Kohl nun auch nicht mehr fett.

Bis es soweit ist halte ich es aber für legitim, diese legale Sparmöglichkeit auszunutzen.

Fazit

Ich bin gespannt, wie ich das Thema in einigen Jahren sehe. Als ich mich mit dem Thema intensiver beschäftigt habe, habe ich sowohl viele Pro- als auch Contra-Argumente gegen die PKV gehört.

Auch meine Mutter hat mir zunächst intuitiv davon abgeraten. Als ich ihr jedoch meine Argumente (siehe „Die Vor- und Nachteile für mich“) genannt hatte, musste sie mir zustimmen, dass der Wechsel durchaus Sinn ergibt.

Etwas ärgere ich mich, dass ich nicht schon viel früher gewechselt bin. Von den Ersparnissen hätte ich mir sicherlich die eine oder andere Aktie leisten können. Aber naja: besser spät als nie.

Heute sehe ich es so, dass ich deutlich bessere Leistungen für deutlich weniger Beitrag erhalte und ich die Wechsel-Entscheidung jederzeit relativ leicht revidieren kann. Daher ist es für mich (aus heutiger Sicht) die richtige Entscheidung.

Wie stehst du zum Thema PKV vs. GKV? Was ist dein Favorit? Und wie hättest Du in meiner Situation entschieden?

Du möchtest mehr zum Thema „Private Krankenversicherung“ erfahren? Auf dem YouTube-Kanal „Versicherungen mit Kopf“ gibt es das folgende Video, dass alle Vor- und Nachteile sowie interessante Informationen in knapp 20 Minuten zusammen fasst:

10 Comments

  1. Das stimmt alles nicht ganz. Man kann nicht einfach ne zeitlang teilzeit arbeiten und ist dann raus, denn die die teilzeit darf nicht von vornherein befristet sein. Also muss man dem Arbeitgeber schon sehr vertrauen, wenn der einem zusagt, einen nach einem Jahr wieder voll zu beschäftigen. Ausserdem funktioniert das Spiel auch nur bis zum 55. Lebensjahr. Danach kommt man nicht mehr aus der pkv. Von wegen „schwubs“. Ich bin selbst bei einer guten pkv und die beitragssteigerungen der letzten Jahre tun jetzt schon richtig weh. Und wer jetzt in die pkv einsteigt hat keine Möglichkeit mehr, im alter in den standardtarif bei der pkv zu wechseln. Das können nur Kunden mit alten unisexverträgen. Der standardtarif ist ein rettungsanker für alle, die sich die pkv im alter nicht mehr leisten können. Aber eben nicht für alle pkv Kunden. Und der alternative basistarif ist um einiges teurer.

    1. Hallo Mike,
      vielen Dank für deine Ergänzung. 🙂

      Stimmt es gibt Ausnahmen, in denen es nicht so einfach geht. In diesem Artikel ging es mir eher um meine Situation, und in der stimmt es schon:

      Bis 55 habe ich noch ein paar Jahre. Wie dann die Gesetze sind, kann eh keiner sagen. Vielleicht bin ich bis dahin auch schon gar nicht mehr in einer Festanstellung und habe dann eh keine Wahl. Auch das Risiko, in Teilzeit „festzustecken“ ist für mich nicht wirklich relevant, da es auch dann noch viele Optionen gäbe: anderer Arbeitgeber, Teilzeit + was anderes, nicht mehr arbeiten, … –> Und die Rückkehr zur Vollzeit soll soweit ich weiß eh ab nächsten Jahren gesetzlich erleichtert werden.

      Das Thema ist eben sehr individuell und muss zur eigenen Lebensplanung passen.

      Beste Grüße
      Tobias

  2. Das wäre ja sehr asozial einfach mal kurz in die PKV hüpfen und wenn es einem passt wieder zurück. Ne ne, Du willst raus aus dem Gemeinschaftstopf, dann darfst Du auch die Vor- und Nachteile der PKV genießen.

    Solltest Du mal Kinder bekommen, wird es übrigens richtig teuer.

    Ich bin übrigens freiwillig in der GKV – und das sehr gerne und mit Überzeugung. Wenn ich Extraleistungen beim Arzt möchte, zahle ich aus eigener Kasse.

    1. Ich kann dich gut verstehen. Habe ich ja lange Zeit auch so gesehen.

      Mittlerweile ärgere ich mich über diese absurde / willkürliche Trennung, die vielen Menschen überhaupt keine Wahl lässt. Den Luxus zu haben, wirklich zwischen beidem wählen zu können ist vermutlich eher eine Anomalie. Eine einfache und preiswerte Lösung ohne Wenn- und Aber fänd ich auch besser. Aber bis es die gibt, werde ich diese Willkür so nutzen, wie es für mich am Besten passt (bzw. ich habe ja im Falle eines Falles auch keine Wahl). Oder hat jemand, der in die PKV gewechselt ist, kein Anrecht auf Teilzeit?

  3. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie nie in die Verlegenheit kommen, länger als 6 Wochen krank zu sein. Ohne Arbeitgeberanteil müssen Sie dann die Komplettbeiträge weiter zahlen. Die Auswirkungen auf die Renten- und Arbeitslosenversicherung in einem solchen Fall haben Sie ebenfalls nicht aufgeführt, m. E. der größte Nachteil. (Oder hat der Makler Sie darüber nicht informiert?)

    1. Hallo und vielen Dank für die Ergänzung. Ich habe mit dem Makler darüber gesprochen und hätte dieses Risiko ohne größere Probleme durch eine weitere Versicherung absichern können, mich aber bewusst dagegen entschieden aus den folgenden Gründen:

      – Notfalls könnte ich eine ganze Weile ohne Einkünfte aus eigener Arbeit leben.
      – Mit zunehmendem Alter wird diese „Weile“ immer größer werden.
      – Ansprüche auf Unterstützung aus der Renten- und Arbeitslosenversicherung habe ich auch als Privatversicherter, soweit ich weiß.

      Es stimmt, dass die GKV hier die „sicherere“ Variante ist. Wie wichtig diese Sicherheit ist, ist aber auch wieder sehr individuell. Ich sehe es so, dass das Risiko, keinen Gehalt zu haben immer geringer wird, sofern man eine hohe Sparquote hat. Damit baut man sich eine eigene Versicherung auf, die flexibel einsetzbar ist. Daher habe ich mich gegen diese „Sicherheit“ entschieden.

  4. Bei mir wars erstmal andersrum. Mein Vater war Beamter und da zahlt die Beihilfe 80 % und die restlichen 20 % werden dann privat versichert. Dieses Relikt der Heilfürsorge aus dem preußischen 19. Jahrhundert sollte man mal abschaffen, aber Beamte sind in der Politik überproportional vertreten.
    Weil die 20 % für einen 20 Jährigen fast nichts gekostet haben, habe ich mich auf den Rat des Vaters von der Versicherungspflicht befreien lassen.
    Nach dem Studium bekam ein Angebot für ein Promotionsstipendium mit 1800 Mark/Monat. Ein Jahr vorher hatte ich auch noch eine Augenoperation. In dem Moment waren es dann nicht mehr 20 % sondern 100 % und die PKVs konnten neu verhandeln. Und man ist durch die Antragsformulare ein 100 % gläserner Mensch, man muss alle Ärzte von der Schweigepflicht befreien. Deswegen haben alle erstmal einen kräftigen Risikoaufschlag für die Augen verlangt, obwohl die OP gut verlaufen war.
    Und das Angebot mit PKV Standard waren über 400 Mark im Monat, mit GKV Standard um die 300. Das hat das Stipendium derart unattraktiv gemacht, dass ich meinem Prof. gesagt habe, ich komme nur, wenn er eine halbe Stelle gibt. Da hätte ich netto so 1600 – 1700 rausbekommen incl. GKV. Das finale Ergebnis war dann Stipendium + eine Teilzeitstelle, die gerade versicherungspflichtig war. Seitdem bin ich in der GKV geblieben, auch wenn mein Gehalt inzwischen deutlich über der Bemessungsgrenze liegt. Schlechte Erfahrungen bei Ärzten habe ich bisher keine gemacht, allerdings bin ich da auch kein Stammkunde.
    Ich bin definitv kein Linkspartei Anhänger, aber das System ist nicht Fleisch nicht Fisch. Für die Unterschicht und die Mittelschicht ist es ein Umverteilungssystem, bei dem man nach Einkommen einzahlt aber nach Kopf (jeder das Gleiche) rausbekommt. Die obere Mittelschicht und die Oberschicht und unsere Beamten sind dann aber außen vor. Ich fände es einfacher, wenn jeder in der GKV wäre und wer will einen Chefarzt mit Zweibettzimmer noch bei der PKV dazu buchen.
    Da das System aber nun mal so ist, wie es ist, ist es ok, wenn Du eine für Dich günstige Lösung darin suchst. Die Moralkeule zu schwingen billige ich mir nicht zu, ich suche mir andersweitig auch oft die günstigste Variante. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine zukünftige Regierung das Wechseln zurück in die GKV noch weiter einschränkt. Bei Rentnern machen sie das ja schon recht drastisch.

  5. Zitat „Ansprüche auf Unterstützung aus der Renten- und Arbeitslosenversicherung habe ich auch als Privatversicherter, soweit ich weiß.“

    Bei GKV werden die Beiträge für die anderen SV-Zweige vom Krankengeld gezahlt. Dadurch werden auch die Zeiten angerechnet. Bei PKV nicht!

  6. Pingback: Monatsretrospektive Oktober 2018 – Der Finanzfisch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.