Aktienbewertung und Kauf McCormick & Co.

Nachdem mein letzter Kauf schon wieder in den Technologie-Sektor fiel (Intel), habe ich bereits angekündigt, dass der nächste Zukauf aus einem bodenständigeren (sprich: langweiligen) Sektor wie z.B. der Lebensmittelherstellung kommen wird.

Und daher habe ich mich in den letzten Wochen immer mal wieder auf die Suche nach Buy-and-Hold-Kandidaten aus dem Nahrungsmittelsektor gemacht.

Hierbei habe ich mir unter anderem die folgenden Lebensmittelproduzenten näher angeschaut:

General Mills habe ich schon eine Weile auf der Watchlist und auch Kraft Heinz ist mir natürlich ein Begriff. Irgendwann bin ich dann auch auf McCormick & Co. gestoßen und über einen Vergleich innerhalb der Branche auch auf Campbell Soup und J. M. Smucker.

Also habe ich mich, bewaffnet mit meiner Toolchain, bestehend aus

an die Bewertung der Unternehmen gemacht. Mittlerweile gehe ich da immer recht ähnlich vor. Hierzu werde ich am Samstag noch einen eigenen Artikel veröffentlichen.

Die Unternehmen in Kurzform

General Mills stellt Pizza, Pasta und sonstige Fertiggerichte sowie andere Lebensmittel her. Zu den Marken des Konzerns gehören Häagen-Dazs und Knack & Back. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen in Kooperation mit Nestlé auch Frühstücksflocken. Die Dividendenrendite beträgt etwa 3,81%, allerdings müssen dafür 60% des Gewinnes aufgewendet werden. Die Eigenkapitalquote ist mit 18,99% schon relativ niedrig. Der Trend bei Mitarbeitern, Eigenkapitalquote und Umsatz ist negativ.

J. M. Smucker stellt Fruchtaufstrich, Marmeladen und Eis-Toppings her. Und das schon seit 1897. Für eine Dividendenrendite von 2,88% werden gerade mal 37,72% des Gewinnes ausgegeben. Eine Eigenkapitalquote von 43,17% lässt dem Unternehmen genug Spielraum in schwierigeren Zeiten. Mit einem KGV von 24,85 ist das Unternehmen im Moment aber nicht gerade günstig.

Kraft Heinz – Ketchup und Frischkäse! Unter anderem zählen Heinz Ketchup und Philadelphia zu den Marken des Konzerns. Das Unternehmen in dieser Form entstand aber erst 2015 durch eine Fusion von Kraft Foods und Heinz. Für eine Dividendenrendite von 3,06% müssen immerhin 60,22% des Gewinnes ausgegeben werden. Aber die Eigenkapitalquote liegt bei fast 50%. Das KGV sogar bei 31. Ganz schön viel.

Campbell Soup – Seit 1869 gibt es bei Campbell Suppe aus der Dose. Die Dividendenrendite liegt sogar bei 3,19% und dafür müssen weniger als 50% des Gewinnes ausgeschüttet werden. Klingt nicht schlecht. Ein KGV von 18,29 ist auch okay und die Eigenkapitalquote mit derzeit 21,29% auch in Ordnung. Aber der Ausblick ist eher mau.

McCormick & Co. stellt seit 1889 Gewürze und Gewürzprodukte her. Die Dividendenrendite beträgt nur 2,10%, allerdings werden auch nur 39,22% der Gewinne ausgeschüttet. Das KGV ist mit 24,72 nicht wirklich niedrig, aber die Eigenkapitalquote ist mit 35,09% vernünftig. Außerdem wächst das Unternehmen, gemessen an Umsatz und Mitarbeitern.

Wieso ich mich für McCormick entscheide

… oder eher: Wieso ich mich gegen alle anderen entscheide.

Wegen des derzeit eher negativen Ausblicks bei General Mills und Campbell Soup, steige ich hier vorerst nicht ein sondern warte noch etwas ab. Ich glaube, dass diese Unternehmen ihr Konzept noch weiter umstellen müssen, um den neuen Anforderungen nach gesundem und natürlichem Essen gerecht zu werden. Angefangen haben sie, aber es wird noch dauern.

Beiden Unternehmen traue ich den Wandel zu, aber da der Ausblick aktuell nicht so toll ist und sie trotzdem nicht gerade günstig sind, warte ich einfach ab.

Zudem kann ich mich mit den Produkten dieser Firmen nicht identifizieren. Fertigfrass ist nicht so meins. Ich mag die Produkte zwar zum Teil, versuche aber, sie zum Wohle der Gesundheit zu meiden.

Ähnliches gilt für die Produkte von J. M. Smucker: Ich konsumiere Produkte dieser Kategorie fast gar nicht. Das ist zwar kein Anti-Kaufgrund, aber gerade günstig ist das Unternehmen jetzt auch nicht.

Kraft Heinz ist mir gerade einfach zu gehypt. Ich kann die Bewertung aktuell nicht nachvollziehen. Grundsätzlich ein interessantes Unternehmen, aber erst nach dem Crash. 😉

Wieso ich mich für McCormick entscheide (diesmal wirklich)

Diese Zahlen finde ich gut!

Für die Entscheidung spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. Die Zahlen sind solide. Das KGV wirkt zwar recht hoch, aber im Verhältnis zum Wachstum ist die Aktie im Vergleich zu den anderen oben genannten relativ günstig. Ein Blick auf den Aktienfinder bestätigt: Gemessen am Operating-Cash-Flow und am KGV ist der Kurs in Ordnung.

Dividendensteigerung seit 31 Jahre? Klingt gut. Das Aktienfinder-Chart zeigt sehr schön, wie die EPS schön gleichmäßig steigen und die Dividendenrendite irgendwo um die 50% pendelt. Wie gemalt.

Im Aktienfinder macht McCormick & Company in meinen Augen eine gute Figur.

Im Aktienfinder macht McCormick & Company in meinen Augen eine gute Figur.

Aber Zahlen sind nicht alles.

Produkte, die ich mag

McCormick ist zwar nicht in Deutschland aktiv, aber die Produkte verstehe ich und zum Teil handelt es sich um Produktkategorien, die jeder von uns verwendet.

Kochen ohne Gewürze ist einfach langweilig und daher stellt McCormick Produkte her, die vermutlich immer gekauft werden. Neben irgendwelchen verarbeiteten Gewürzmischungen und Fertiggewürzen im Maggi-Style vertreibt und produziert das Unternehmen auch ganz organische natürliche Gewürze und Kräuter.

Dinge wie Pfeffer, Rosmarin, Basilikum oder Chilipulver mag fast jeder. Und es lässt sich auch mit einer gesunden und natürlichen Ernährung vereinbaren.

Aber auch verarbeitete Produkte wie Vanilleextrakt oder Soßen für bestimmte Gerichte gehören zum Sortiment.

Gut aufgestellt in Punkto Kunden

Abgesehen davon, dass ich den Produkten eine gewisse Relevanz zuspreche, scheint das Unternehmen auch gut aufgestellt zu sein, was die Abnehmer angeht.

Zum Einen richtet sich die Blog-ähnliche Produkt-Seite des Unternehmens ganz klar an Endverbraucher (Consumer Segment). Hier werden die Produkte beworben und es werden Rezepte vorgestellt, die ganz zufällig die eigenen Produkte enthalten. Super!

Allgemein wirken die Webseiten für ein solches Unternehmen echt modern. Für mich ist das eine Seite die Spaß macht, da sie irgendwie die Leidenschaft des Unternehmens für die Produkte kommuniziert.

Neben den Endkunden richtet sich McCormick aber auch an Hersteller von Fertigprodukten und Fastfood- & Restaurant-Ketten (Industrial Segment). Das hebt McCormick in meinen Augen ganz klar von den anderen Kandidaten in diesem Artikel ab.

Nach eigenen Angaben beliefert man neun der Top-10 Lebensmittel- und Getränkehersteller sowie neun der Top-10 Lebensmittellieferanten und Restaurantketten. KFC ist z.B. eine davon.

Das klingt für mich nach einer relativ sicheren Aufstellung.

McCormick ist vor allem in Amerika, aber auch in Europa (Frankreich, Italien, Polen, UK), China, Australien und Japan aktiv. Im Consumer Segment ist man in den USA, in Frankreich und in Kanada Marktführer.

Fit für die Zukunft

Trotz einer langjährigen Tradition scheint McCormick mit der Zeit gegangen zu sein. Das sieht man zum Einen an den modernen Webseiten und den zeitgemäßen Präsentationen, aber auch und vor allem an der Unternehmensausrichtung.

So zeigt der „Strategic Overview“ vom 04.04.2017, dass die Konsumenteninteressen neben dem Geschmack auch immer mehr Gesundheitsaspekte, Qualität sowie Sozial- und Umweltverträglichkeit beinhalten. McCormick setzt daher auch gezielt auf die Vermarktung von Non-GMO und Organic Produkten. Und natürlich auf Transparenz bezüglich der Herstellungsmethoden.

Außerdem ist McCormick der Trend zum Selber-kochen und Gesund-essen nicht entgangenen. Und man hat die spezielle Konsumentengruppe der Millennials auf dem Schirm, die nach eigenen Angaben 1/3 der Besuche auf der Unternehmenswebseite ausmachen. Angeblich bewerten 80% der Millennials die McCormick Gewürze sehr positiv.

Neben dem Verkauf der Produkte im Supermarkt setzt man natürlich auch auf das Internet und Plattformen wie z.B. Walmart.com oder Amazon.

Die starke Ausrichtung auf eine jüngere Zielgruppe und die Nutzung aktueller Methoden zur Kundengewinnung und -bindung lässt mich davon ausgehen, dass McCormick auch in vielen Jahren noch ein solides und wertvolles Unternehmen sein wird.

Wachstum durch Akquisitionen

Vor etwa einem Monat hat McCormick das Lebensmittelsegment von Reckitt Benckiser übernommen und ergänzt damit sein Würzmittel-Segment. Genaueres zu dieser Übernahme wird man wohl am 28.09. erfahren, wenn die nächsten Quartalszahlen anstehen.

Im November 2016 hat man mit Enrico Giotti, einen Hersteller von natürlichen Aromen und Gewürzextrakten geschluckt.

Im April 2016 hat man Gourmet Garden, den Marktführer für fertig verpackte frische Kräuter übernommen und damit die eigene Marktführung weiter ausgebaut.

Fazit

McCormick macht für mich einen sehr guten Eindruck und vermittelt mir ein deutlich besseres Gefühl als die anderen Kandidaten in diesem Artikel. Daher ist es entgegen meiner ursprünglichen Überlegung im Intel-Artikel nicht General Mills sondern McCormick & Co. als Vertreter der Lebensmittel-Branche in meinem Depot geworden.

Am 11.09.2017 habe ich zugeschlagen: 24 Aktien zu je 82,39€ für insgesamt 1977,36€. Nach jetziger Ausschüttungshöhe (0,47$ im Quartal) erhalte ich zukünftige eine Quartalsdividende, die sich auf 45,12$ im Jahr summiert. Die Dividendenrendite beträgt damit auf den Kauf bezogen sogar nur 1,9%.

Ich bin gespannt, wie sich dieser Wert in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Was sagst Du zu meiner Einschätzung der obigen Unternehmen und für welches würdest Du dich entscheiden? Oder wählst Du ein ganz anderes Unternehmen für dein Portfolio aus?

6 Gedanken zu „Aktienbewertung und Kauf McCormick & Co.

  1. Hey,

    Philadelphia ist eine Marke von Mondelez, nicht Kraft Heinz. Ansonsten guter Kauf, ich hätte auch bei MKC noch ein wenig gewartet, mindestens bis nach der von dir angesprochenen Quartalskonferenz.

    Viele Grüße

    • Hey Dominik,
      danke für Deinen Kommentar.
      Wie es aussieht haben wir beide Recht: Philadelphia wird sowohl von Kraft als auch von Mondelez hergestellt: https://de.wikipedia.org/wiki/Philadelphia_(Frischkäse)

      Darauf habe ich bei meiner Recherche natürlich nicht geachtet, sondern nur auf der Kraft Heinz Seite geschaut, mit welchen Marken die sich schmücken. 😉

      Bezüglich MKC habe ich auch überlegt, ob ich noch warte. Aber wozu? MKC soll für mich ein langfristiges Buy-and-Hold-Investment sein. Da sind einzelne Quartalszahlen nicht so wichtig. Außerdem kann es auch falsch sein, noch zu warten. Wenn die Zahlen besser sind als erwartet, wird der Kurs steigen und ich müsste teuerer einsteigen. Wenn die Zahlen schlecht sind, fällt der Kurs und es wäre schlauer gewesen, abzuwarten. Das weiß man eben vorher nicht und deshalb ist diese Art des Market-Timings für mich bei langfristigen Investments mittlerweile unwichtig. Und spätestens bei den nächsten Quartalszahlen müsste ich mir dann ja wieder die Frage stellen, ob es schlau ist, zu deren Veröffentlichung investiert zu sein.

      Früher habe ich es mal so gemacht, dass ich bis nach den Zahlen gewartet habe. Manchmal war das richtig und manchmal war es falsch. Für mich zählen mittlerweile nur noch zwei Fragen: Ist der aktuelle Preis fair und glaube ich, dass das Unternehmen eine gute Zukunft vor sich hat.

      Viele Grüße
      Tobias

      • Ich halte es dann meist so, dass ich erst eine kleine Position (bei mir 1.000,- EUR) eröffne und bei Kursrückgang (dollar cost averaging) auf 2.000,- oder 3.000,- aufstocke.

        Geht der Preis nach oben, dann ist es auch gut. Dann ist es halt so und es bleibt vorerst bei der Anfangsposition.

        CU Ingo.

        • Auch eine gute Methode. Habe ich anfangs auch so gemacht. In letzter Zeit investiere ich gleich 2.000€. Bin mit aber noch nicht sicher, was besser ist.

          Erst mit 1.000€ rein zu gehen hat ein geringeres Risiko, bringt aber absolut gesehen möglicherweise auch weniger Gewinn.

          Und aufstocken auf 3000 kann ich ja immer noch. 😉

          Viele Grüße
          Tobias

  2. Gute Entscheidung und das Dafür kann ich nachvollziehen. Hätte ich auch gern im Depot.

    Auch die Dagegen kann ich verstehen, mit Ausnahme von J. M. Smucker. Ich sehe da ein P/E Ratio von knapp 14 und nicht wie du schreibst eine 24,8. Auf welchem Kurs und welcher Gewinnannahme/Jahr basiert deine Annahme?

    Weil der Kurs kam ja sehr nett von über 150,- USD auf aktuell 107,- USD zurück. Bei 150,- sage ich auch zu teuer, aber unter 110,- beginnt die Sache interessant zu werden. SJM wäre aktuell mein Favorit, da ich den Grund für den Kursrückgang nicht als valide betrachte.

    CU Ingo.

    • Hi Ingo,
      Danke für den Hinweis – krass. Da hast Du Recht. Meine KGV-Angabe bezieht sich auf den Jahresendkurs. Aber seit da ist J. M. Smucker um etwa 1/3 abgesackt. Damit ergeben sich natürlich ganz andere Zahlen.

      Wobei auch die Einnahmen im letzten Quartal im Vorjahresvergleich stark nachgelassen haben. Das erklärt zumindest einen Teil der Verluste.

      Allerdings stimme ich Dir zu, das J. M. Smucker aktuell interessanter ist, als von mir angenommen.

      Danke und viele Grüße
      Tobias

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