Meine Learnings aus 1,5 Monaten leben in Südafrika

Am 19.01.2019 bin ich, relativ spontan, aufgebrochen, um den restlichen Winter in Port Elizabeth, also im Hochsommer, zu verbringen. Ich habe Südafrika bereits vor über zwei Jahren einmal bereist und damals viel gesehen und erlebt. Dieses Mal hatte ich jedoch einen ganz anderen Fokus.

Bei meinem diesjährigen Besuch lag der Fokus nicht auf Tourismus sondern eher auf ortsunabhängigem Arbeiten. Ich habe bei diesem Besuch nicht einen einzigen Tag Urlaub genommen, da ich schauen wollte, wie es mir an anderen Orten gefällt, wenn ich auch da eine ganz normale 40-Stunden-Woche habe.

Für mich war die Reise ein großer Schritt: Es ist die erste längere Reise, die ich ganz alleine Unternehme, das erste mal AirBnB* und das erste Mal, dass ich wirklich auf funktionierendes Internet angewiesen war. Gerade der letze Punkt war meine größte Sorge: Was ist, wenn das Internet zu schlecht zum Arbeiten ist?

Rückblickend war das mein kleinstes Problem. Das Internet war absolut ausreichend. Aber es waren andere Dinge, die den Aufenthalt in Südafrika, ich würde mal sagen, interessant gemacht haben.

Learning Nr. 1: Macht dir weniger Sorgen!

Das, worum du dir Gedanken machst wird eh nicht eintreffen. Dafür werden Dinge passieren, an die du im Traum nicht gedacht hättest.

Das Internet war überhaupt kein Problem. Circa 7 Mbps Downstream und 700 Kbps Upstream haben für die Videokonferenzen mit meinen Kollegen ganz locker ausgereicht.

Statt dessen gab es ein anderes Problem, an das ich nie im Traum gedacht habe: Strom. Oder genauer gesagt, dessen Abwesenheit. Es ist natürlich fürs Arbeiten eher blöd, wenn man in der Spitze über 13 Stunden am Tag keinen Strom hat. Grund dafür war das, vom Strom-Monopolisten Eskom ausgerufene, „Load Shedding“. Dank jahrelanger Misswirtschaft und Korruption ist das ganze System so marode, dass in bestimmten Situationen nicht genug Elektrizität für alle da ist. Dann wird der Strom rationiert und Reihum geht in den verschiedenen Bezirken und Städten das Licht aus.

Learning Nr. 2: Es findet sich immer eine Lösung!

Hätte ich vorher von der Möglichkeit dieses Problems gewusst, wäre ich vermutlich nicht hierher gereist. Insofern war es gut, davon erst hier erfahren zu haben.

Oh Gott, oh Gott! Kein Strom. Als Hardcore-Nerd, ist das die absolute Horrorvorstellung. Alleine der Gedanken daran hätte bei mir vorher Panikzustände ausgelöst.

Im Nachhinein muss ich aber sagen: Alles halb so wild. Irgendwie war es sogar ein ganz lustiges Abenteuer, den Arbeitstag und Termine nach den Zeitfenstern zu planen, in denen es Strom gibt. Zudem haben sich unerwartet Ausweich-Orte aufgetan, an denen der Strom zeitversetzt ausfiel. Somit konnte ich „Strom-Hopping“ betreiben und fast normal arbeiten. 🙂

Learning Nr. 3: Wer alleine reist, ist nicht alleine!

Auf keiner Reise habe ich so schnell Anschluss gefunden, wie auf den Reisen, die ich alleine gemacht habe.

Lange Zeit hatte ich große Angst davor, alleine zu reisen. Auch wenn ich nicht gerade der extrovertierte Socializer bin, behagte mir der Gedanke, ganz auf mich alleine gestellt zu sein, überhaupt nicht.

Bereits letztes Jahr in Ägypten und auch dieses Jahr in Südafrika habe ich gemerkt, dass man alleine oft viel schneller Anschluss findet. Gerade wenn man in einem AirBnB auf andere Menschen trifft oder einer Aktivität nachgeht, findet man schnell Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen und gemeinsame Sachen unternehmen kann.

Und wenn man Hilfe braucht, ist garantiert immer jemand da, der einem weiter hilft.

Learning Nr. 4: Die meisten Menschen sind nett!

Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennt.

Ich habe bei mir beobachtet, dass ich fremden Menschen mit sehr viel Skepsis begegne. Und das, obwohl ich noch nie wirklich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich schiebe das darauf, dass einem als Kind eingetrichtert wurde, nicht mit Fremden zu sprechen oder gar mitzugehen.

Was für Kinder vermutlich Sinn macht, ist für erwachsene Männer vielleicht nicht unbedingt die beste Strategie. In Südafrika habe ich wieder gemerkt, dass die meisten Menschen, unabhängig von Alter, Farbe oder Religion absolut freundlich sind und keine bösen Absichten haben.

Besonders bewusst wurde mir das an folgendem Beispiel: Mein Surflehrer, bei dem ich über eine Surfschule eine Surfstunde genommen hat, hat mich anschließend zur Seite genommen und mir günstigere Stunden außerhalb der Surfschule angeboten. Dafür sollten wir uns am nächsten Tag um kurz nach 6:00 Uhr in der Tiefgarage in Strandnähe treffen, wo er sein Auto parkt.

Mein erster Gedanke: Cool! Günstige Surfstunden. Dann kamen die Zweifel: Ich treffen einen fremden Menschen früh morgens in einer Tiefgarage? Was ist, wenn der mich überfällt und ausraubt? Ich hatte wirklich kurz überlegt, nicht hin zu gehen. Das wäre ziemlich blöd gewesen, da ich dann zahlreiche tolle und günstige Surfstunden verpasst hätte.

Es klingt albern, das weiß ich. Aber es ist gut, sich diese Konditionierung bewusst zu machen und daran zu arbeiten.

Learning Nr. 5: Ich brauch den ganzen Krempel nicht!

Auf Reisen lernst du, was wirklich wichtig für dich ist.

Ganz bewusst habe ich während der Reise über meine Wohnung in Deutschland nachgedacht. Diese Stand nämlich während der ganzen Zeit leer und hat somit ein riesiges Loch in mein Budget gerissen.

Dabei habe ich auch über die Dinge nachgedacht, die ich dort beherberge und bin ziemlich schnell zu dem Schluss gekommen: Ich brauche das meiste davon nicht.

Daher habe ich noch in Südafrika eine Liste mit Dingen gemacht, die ich nach meiner Rückkehr loswerden möchte. Das Ziel ist es, komplett auf eine Wohnung verzichten zu können und so wesentlich flexibler zu werden.

Learning Nr. 6: Nächstes Mal nur mit Handgepäck!

Aufgabegepäck ist eine unnötige Last. Ganz besonders, wenn es nicht ankommt.

Als ich nach Südafrika geflogen bin, hatte ich zwei Rucksäcke bei mir. Einen großen Reiserucksack, meinen heiß geliebten Deuter Aircontact 70 + 15L*, als Aufgabegepäck und meinen kleine Alltagsrucksack, den Deuter Giga Office Pro, den ich bereits seit vielen Jahren habe.

Als dann das Aufgabegepäck in London verloren gegangen ist, war die Aufregung erst mal groß. In Port Elizabeth stand ich dann erst mal recht verloren am Gepäckband. Ausgestattet mit zwei Laptops, zwei iPhones und sonstigem technischen Schnick-Schnack, aber ohne Wechselklamotten kommt man sich erst mal ziemlich verloren vor.

Zwar habe ich nach drei Tagen mein Gepäck zurück erhalten, aber dennoch war dies Stress, den man vielleicht auch vermeiden kann. Nächstes mal werde ich also nur mit einem Rucksack auf Tour gehen, der genau ins Handgepäck passt und mir dieses Problem sparen.

Ich habe ohnehin festgestellt, dass ich eher zu viel als zu wenig mitnehme und mein Gepäck noch deutlich reduzieren könnte.

Learning Nr. 7: Ich muss meine Broker- und Bankenauswahl überdenken!

Das es auch 2019 noch Banken und Online-Dienste gibt, die auf SMS-TAN setzen, ist eine Qual für Weltenbummler.

Das Erste, was ich am Flughafen mache ist, mir eine lokale SIM-Karte zu besorgen. Das ist einfach viel günstiger, als mit der deutschen SIM-Karte ins Internet zu gehen. Ab diesem Moment kann ich aber keinen Dienst mehr nutzen, der mir für die Zwei-Faktor-Authentifizierung eine TAN per SMS schickt.

Das ist eigentlich eh gar nicht mal so sicher. Und ich bitte euch liebe Banken. Es ist 2019. Es gibt bessere Alternativen!

Für mich hies das, dass ich für einige Bankgeschäfte die SIM-Karte wechseln musste. Das hat mich besonders bei MoneYou gestört. Aber auch die Consorsbank* und Onvista* sind da nicht besser.

Insbesondere für MoneYou suche ich daher eine Alternative. Dort habe ich meine kurzfristige Rücklage und mein Steuerkonto. Da muss ich durchaus mal ran. Gerade auf Reisen, wo es vielleicht etwas teuerer wird, brauche ich die Rücklagen. Und vom Steuerkonto muss ich regelmäßig Vorauszahlungen leisten. Alles sehr umständlich.

Fazit: Ich suche eine Alternative mit mehreren Konten, wo ich wenigstens ein paar Zinsen bekomme und ich eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aus diesem Jahrhundert nutzen kann!

Vorbildlich sind diesbezüglich übrigens die ING-Diba*, die DKB*, CapTrader* und natürlich auch N26*.

Learning Nr. 8: Ich muss meine Ausgaben besser im Griff haben

Gerade in Ländern, wo alles eher günstig ist, neige ich dazu, mehr auszugeben.

Ich habe bei mir beobachtet, dass ich in Südafrika unbedachter mit meinem Geld umgegangen bin. Sei es, dass ich öfter mal ausgegangen bin oder regelmäßig Uber* in Anspruch genommen habe. Das kostet zwar immer, mit Deutschland verglichen, nicht viel. Aber es läppert sich.

Und auch die Tatsache, dass ich Bargeld direkt beim Abheben aus dem Budget gestrichen habe (wegen der Umrechnungsthematik), hat dazu geführt, dass ich dieses Bargeld dann schneller und unbedachter ausgegeben habe.

Hier muss ich also bewusster agieren. Vielleicht hilft auch eine Budget-App mit Währungskonten, falls es sowas gibt. Kennst du so etwas zufällig? 🙂

Learning Nr. 9: Im Zweifel länger bleiben

Am Anfang kamen mir 1,5 Monate wie eine lange Zeit vor. Gar zwei Monate zu bleiben habe ich mich nicht getraut.

Rückblickend muss ich sagen, dass die Zeit wahnsinnig schnell vergangen ist und ich durchaus auch zwei Monate locker in Südafrika hätte verbringen können. Aber es wird garantiert nicht das letzte mal sein.

Sobald ich den Kostenfaktor „Wohnung in Deutschland“ gelöst habe, gibt es keinen Grund, nicht auch mal zwei oder drei Monate in einem fremden Land zu verweilen.

Learning Nr. 10: Auf Reisen bin ich super-produktiv

Im Endeffekt habe ich hier vermutlich mehr gearbeitet, als zu Hause. Aber unter freiem Himmel und bei Sonnenschein fühlt es sich einfach nicht wie Arbeit an.

Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Aber ich habe hier definitiv mehr geschafft als zu Hause. Sowohl beruflich als auch beim Blog und anderen Nebenprojekten habe ich mehr Zeit investiert, als ich es in Deutschland normalerweise tue.

Und dabei habe ich trotzdem noch Zeit gefunden, raus zu gehen, die Stadt zu erkunden, zu surfen und anderen Sport zu treiben.

Vielleicht liegt es an der Sonne oder den langen Tagen. Egal. Fest steht: Ich sollte die Winter nicht in Deutschland verbringen. Jedenfalls nicht länger als nötig.

Fazit

Auch die Südafrika-Reise hat mir wieder extrem viel gebracht. Über viele Dinge denke ich jetzt anders, als zuvor. Ich weiß besser, was ich will und was nicht. Die Reise ist nicht nur eine tolle Erfahrung sondern hat mir auch bei meiner persönlichen Entwicklung wahnsinnig geholfen.

Das mache ich jetzt öfter. Mein Ziel ist es, kostenneutral reisen zu können. Und ich habe einen Plan, wie ich das erreiche.

Hast du schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Welche Reiseziele kannst du mir empfehlen?

11 Comments

    1. Ja das wäre eine Option. Aber ich bin ziemlich glücklich mit meinem iPhone und werde nur für eine Bank nicht wechseln. Da wechsle ich lieber die Bank 😉

      1. Oder du wechselst auf die aktuelle iPhone Generation. Das Xs hat Dual SIM

        Danke für den tollen Bericht. Finde es sehr spannend. Leider als Familienvater mit schulpflichtigem Kind nicht wirklich machbar.

        1. Moin Hannes,
          vielen Dank für deinen Kommentar. Ja mit schulpflichtigen Kindern ist das sicherlich deutlich schwieriger. Daher bin ich auch ganz froh, da jetzt zu zu kommen, solange ich keine Verpflichtungen habe.

          Ich wusste gar nicht, dass das neue Xs Dual-SIM kann. Wenn irgendwann ein Wechsel ansteht, ist das vielleicht eine Überlegung. Allerdings ist SMS-Tan ein absolut veralteter und unsicherer Weg, den die Banken und Broker aus meiner Sicht eh abstellen sollten. In sofern hat sich das Problem bis dahin vielleicht eh schon erledigt. 🙂

          Beste Grüße
          Tobias

  1. Du hast also im Prinzip die Surfschule genutzt, um Kontakt zu einem Surflehrer zu bekommen, und anschließend schwarz Surfstunden genommen und somit die südafrikanische Gemeinschaft um ihre Steuern gebracht?

    Ich könnte mir vorstellen, es gäbe eine ziemlich eindeutige Meinung dazu, wenn dies ein Südafrikaner in Deutschland getan hätte. 🙁

    1. Hallo Joy,
      so kann man das natürlich sehen, wenn man will. Dass der besagte Surflehrer keine Steuern zahlt, ist natürlich eine Annahme. Ebenso, dass die Surfschule Steuern bezahlt.

      Ich sehe es er so, dass ich Geld in das Land gebracht habe, welches die Wirtschaft ankurbelt. Dieses Geld hätte ich andernfalls nicht ausgegeben, da mir die Surfschule keinen Unterricht zu meinen Zeiten anbieten konnte/wollte.

      Ich weiß nicht, wie man dabei über einen Südafrikaner in Deutschland denkt. Ich würde denken: Der Südafrikaner möchte eine Leistung und bezahlt dafür. Da gewinnen alle.
      Wenn der Deutsche dann Steuern hinterzieht, ist das eine andere Sache, die man aber wohl kaum dem Käufer anlasten kann.

      Beste Grüße
      Tobias

  2. Hi Tobias,
    danke für den aufschlussreichen Bericht!

    Ich teile sowohl deine Leidenschaft für Finanzthemen, als auch fürs (alleine) Reisen und Bloggen. Leider habe ich mich bisher noch nicht dazu durchringen können, das Abenteuer „Ortsunabhängiges Arbeiten“ mal auszuprobieren, aber deine Erfahrungen zu lesen macht Mut!

    Den Punkten 1-4 kann ich übrigens uneingeschränkt zustimmen 🙂

    Viele Grüße und weiter so,
    Kai

    1. Hi Kai,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich sehr, dass dir der Bericht gefällt.

      Über das ortsunabhängige Arbeiten kann ich bis jetzt eigentlich fast nur Gutes berichten. Okay manchmal ist das Internet etwas lahm oder die Mitbewohner etwas laut oder es fällt gerade der Strom aus 😀 Aber da muss man halt flexibel sein und schöne Landschaften und gutes Wetter entschädigen für einiges. 😉

      Dein Blog sieht interessant aus. Da werde ich mich mal inspirieren lassen 🙂

      Beste Grüße
      Tobias

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