Das „magische Dreieck“ der Vermögensanlage

In diesem Artikel geht es um eine geometrische Form, die so manchem Anleger Kopfzerbrechen bereitet: das magische Dreieck.

Diese Dreieck hat, völlig untypisch für ein Dreieck, drei Ecken. Diese Ecken stehen für die drei wichtigsten Anlagekriterien:

  1. Sicherheit
  2. Liquidität
  3. Rentabilität

Jede Anlageform erfüllt jedes dieser drei Kriterien mehr oder weniger gut und bewegt sich somit in einem Dreieck, das durch die Kriterien aufgespannt wird.

Die perfekte Geldanlage

Die perfekte Geldanlage ist absolut sicher, jederzeit verfügbar und bringt 100% Zinsen pro Jahr. Und wenn du sie gefunden hast, schreib mir doch bitte einen Kommentar. 😉

Nein, um es kurz zu machen: Die perfekte Geldanlage gibt es nicht. Bei mindestens einem der drei Kriterien wirst du immer Abstriche machen müssen.

Der Grund dafür wird klar, wenn man das magische Dreieck der Vermögensanlage als Gestaltungsspielraum für die eigene Anlagestrategie betrachtet.

Die drei Anlagekriterien im Dreieck

In den Ecken des Dreiecks sind die drei Kriterien Rentabilität, Sicherheit und Liquidität abgebildet. Das magische Dreieck der Vermögensanlage

In der Mitte des Dreiecks wäre eine Anlageklasse mit dem folgenden Profil:

  • 1/3 Rentabilität
  • 1/3 Liquidität und
  • 1/3 Sicherheit

Je weiter man zu einer der drei Seiten geht, desto mehr nimmt eines der drei Kriterien ab. In den Ecken ist genau ein Kriterium zu 100% gegeben.

Natürlich ist das eher theoretischer Natur, aber man kann verschiedene Anlageformen in diesem Dreieck einordnen und bewerten. Eins ist jedoch klar: 100% bei allen Kriterien ist im Prinzip unmöglich.

Mach dir diesen Umstand klar. Immer, wenn jemand mit hohen Zinsen ohne Risiko wirbt, ist Vorsicht geboten. Rein von der Logik ist das schon unmöglich.

Angenommen, es gäbe eine Anlageform, die mehr Ertrag bringt, als mich mein Dispo-Kredit kostet und diese Anlage wäre todsicher. Dann wäre ich doch schön doof, wenn ich mein Konto nicht maßlos überziehen und in diese Anlage investieren würde. Oder?

Wenn es aber so wäre, wieso leiht die Bank mir dann Geld und investiert es nicht selber in diese ominöse Anlage? Eben!

Das magische Dreieck ist deshalb so magisch, weil es wie ein Naturgesetz den Rahmen für alle Anlageformen vorgibt. Und immer, wenn du versuchst, dich diesem Naturgesetz zu widersetzen, verschwindet dein Geld auf magische Weise. 😉

Einordnung verschiedener Anlageformen

Du fragst dich sicher, wozu das ganze Dreieck gut sein soll. Nun, zum Einen ist es eine Warnung: Sei nicht blind vor Gier und betrachte immer die beiden anderen Kriterien.

Die Optimierung des einen Aspektes führt fast immer zu einer Verschlechterung der anderen beiden Kriterien.

Zum Anderen können wir aber auch existierende Anlageformen in diesem Dreieck einordnen. Wenn du dir dann noch klar machst, in welchem Bereich des Dreiecks du dich wohl fühlst, dann weißt du, in welchen Anlageformen du dein Geld anlegen kannst.

Das Kopfkissen

Das Kopfkissen eignet sich nur sehr bedingt als Geldanlage. Zwar ist das Geld super schnell verfügbar, die Liquidität ist also hoch, allerdings gibt es keine Zinsen und das Geld verliert, dank Inflation, an Wert.

Die Rentabilität ist somit extrem schlecht. Auch mit der Sicherheit ist es nicht weit her. Ein Brand oder ein Einbruch und schon ist das Kopfkissen weg.

Das Girokonto

Etwas besser sieht es beim Girokonto aus.

Beim Girokonto ist die Liquidität mit Sicherheit sehr hoch. Von einer Minute auf die andere kannst du im Prinzip dein ganzes Geld abheben oder überweisen. Es sei denn, die Bank hat geschlossen, ist insolvent oder der Zahlungsverkehr wird aus wirtschaftlichen, politischen oder sonstigen Gründen eingeschränkt (siehe Griechenland).

Die Sicherheit ist allerdings deutlich besser, als beim Kopfkissen. Die Bank verwahrt dein Geld unter normalen Umständen sicher und vertrauensvoll. Aber absolut sicher ist auch das natürlich nicht.

Mit der Rentabilität sieht es genau so gut aus, wie beim Kopfkissen. Und damit meine ich schlecht. In der Regel gibt es auch auf dem Girokonto keine Zinsen.

Das Tagesgeldkonto

Im Prinzip verhält es sich mit dem Tagesgeldkonto wie mit dem Girokonto. Es gibt etwas mehr Zinsen, aber das war es auch schon.

Das Tagesgeldkonto befindet sich somit ebenfalls zwischen Sicherheit und Liquidität und weit weg von Rentabilität.

Das Festgeldkonto

Spannender wird es beim Festgeldkonto. Hier liegt das Geld, wie der Name sagt, für mehrere Monate bis Jahre fest. Die Liquidität ist damit stark eingeschränkt. Als Ausgleich dafür gibt es aber etwas höhere Zinsen als auf dem Tagesgeld.

Wir erkaufen uns also höhere Rentabilität durch geringere Liquidität. Aktuell sind die Zinsen aber auch auf dem Festgeldkonto abartig niedrig. Daher würde ich mich im Zweifel eher für die Liquidität, also für das Tagesgeld, entscheiden.

Der Kapitalmarkt

Richtig spannend wird es mit dem Dreieck, wenn es um Aktien, Fonds und ETFs geht.

Zunächst einmal haben Aktien ein hohes Risiko. Die Sicherheit ist also sehr gering. Dafür gibt es aber auch große Chancen, also eine hohe Rentabilität.

Aktien unterscheiden sich. Beim Startup kurz vorm IPO kann man den Sicherheitsaspekt getrost vergessen. Dafür locken fantastische Renditen. Der alteingesessene Milliarden-Konzern ist da schon sicherer. Dafür macht er in Sachen Rendite in der Regel keine großen Sprünge.

Wenn wir unser Kapital streuen, also wenn wir in mehre Aktien investieren oder über ETFs oder Fonds diversifizieren, erhöhen wir die Sicherheit enorm. Der Preis dafür ist die geringere Rentabilität. Ein MSCI World ETF erwirtschaftet im Normalfall deutlich weniger Rendite als die Top-Aktie im MSCI World. Allerdings erwirtschaftet der ETF auch deutlich weniger Verlust als die schlechteste Aktie im Index. Der Index liegt also irgendwo in der Mitte.

Schwankungen fallen beim ETF geringer aus, als bei den einzelnen Aktien. Sicherheit rauf, Rendite runter.

Und es gibt noch einen weiteren coolen Aspekt: Auch die Liquidität kann eine Rolle spielen.

Aktien und ETFs sind vom Prinzip her super liquide. Im Prinzip können wir jederzeit kaufen oder verkaufen. Wenn wir uns aber von diesem Gedanken verabschieden und akzeptieren, dass Geld auch über 10 oder 15 Jahre liegen zu lassen, so wird der Aktienmarkt plötzlich zu einer relativ sicheren Anlageklasse.

Wenn man sich das Renditedreieck des DAX ansieht, so gab es in der Vergangenheit keinen Zeitraum von 15 Jahren, in dem Verluste erwirtschaftet wurden. Bei anhaltendem Wirtschaftswachstum wird es am Aktienmarkt auch weiterhin bergauf gehen.

Natürlich gibt es Schwankungen und natürlich sieht es auch mal das ein oder andere Jahr echt finster aus. Aber über einen langen Zeitraum gesehen, geht es bergauf.

Aktien sind demnach, wenn man auf eine hohe Verfügbarkeit verzichten kann, sowohl unter Sicherheitsaspekten als auch unter Rentabilitätsaspekten eine relativ gute Wahl.

Achtung!: Selbstverständlich zählen irgendwelche Hebelzertifikate hier nicht dazu. Und auch Lotto spielen würde ich eher bei 100% Rentabilität, 0% Sicherheit und 0% Liquidität einordnen.

Mein Risikoprofil

Für den Vermögensaufbau bewege ich mich im Prinzip zwischen Sicherheit und Rentabilität. Ich bin bereit, die Liquidität zu Gunsten einer höheren Rentabilität aufzugeben.

Ich habe eine kleine Reserve irgendwo zwischen Sicherheit und Liquidität auf dem Tagesgeldkonto liegen. Der Großteil ist in Aktien und ETFs angelegt. Hierbei nehme ich auch eine höhere „Nicht-Verfügbarkeit“ in Kauf, um eine höhere Sicherheit und Rendite zu erhalten.

Dein Risikoprofil?

Wo ordnest du dich im Dreieck ein? Welche Anlageformen sind für dich relevant und welche sind absolute No-Gos?

Bild: Unsplash (pixabay.com)

2 Comments

  1. „100% Rentabilität“?
    Entweder Null, minus Hundert, oder eine enorm hohe Zahl. Nicht Hundert, egal wie man sich die Definition zurecht biegt. 😉

    Lottospielen verursacht mit einer enormen Sicherheit (!) einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Hinzu kommt ein gewisser Zeitverlust durch Kauf des Lottoscheins und Vergleichen der Gewinnzahlen, um zu gucken, ob man gewonnenen hat.
    Der Witz ist: Wenn man die gleiche Zeit dazu nutzt, mit Blick auf den Boden durch die Stadt zu laufen, investiert man 100% weniger Geld und die gleiche Zeit für die echte Chance, Geld auf dem Boden zu finden.

    1. Hallo,
      bei dem Dreieck geht es ja eher darum, dass sich gewisse Anfordernungen an eine Investition nicht immer gut vertragen. Wenn ich auf SIcherheit und Liquidität verzichten kann, kann ich Investments eingehen, die sehr rentabel sind. Ich gewichte die drei Bereiche also:
      0% Sicherheit
      0% Liquidität
      100% Chsnce

      Das heißt nur so viel, dass wenn immer ich die Chance auf eine höhere Rendite habe (und sei sie noch so gering), ich diese Anlage einer anderen vorziehe. Sinnvoll ist das natürlich nicht. 😉

      Lotto ist für mich so ein Beispiel. Es gibt diese winzig kleine Chance auf den Jackpot, aber mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 100% erleide ich einen Totalverlust. Daher habe ich dieses Beispiel gewählt, um zu verdeutlichen, dass diese Kategorie keine ist, in der man sich als Privatperson mit dem Ziel Vermögensaufbau bewegen sollte. 😉

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

      Viele Grüße
      der Finanzfisch

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